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Oh Romeo, verpass nicht diese fünf zur Versteigerung kommenden glorreichen Alfa!

Die RM Sotheby’s Auktion vom 15. September in St. Moritz ist vollgepackt mit Blue-Chip-Sammlermodellen, darunter zahlreiche wunderschöne Alfa Romeo aus der Schweizer Iseli Collection. Wir haben fünf handverlesene Exemplare für Sie herausgepickt.

Speziell die 1960er-Jahren waren in punkto Kreativität und formtechnischem Wagemut eine wahre Blütezeit von Alfa Romeo. Denn in jener Zeit entstanden einige der bis heute ikonischsten Modelle der Mailänder Traditionsmarke. Ganz gleich, ob sie einen luxuriösen Grand Tourer, einen geschmeidigen und wendigen Roadster oder sogar eine Schräghecklimousine als Italo-Alternative zum Golf suchten – mit Modellen wie dem 2600, dem Duetto Spider und dem Alfasud waren Kunden bestens bedient. In den letzten Jahren sind diese Alfa aus der Mitte des Jahrhunderts im Wert gestiegen, und wenn man sich ihre zeitlos gefälligen Karosserien betrachtet und von ihrem hohen Fahrspaßfaktor weiß, ist es nicht schwer zu verstehen, warum. Wenn Sie auf der Suche nach einem nicht ganz alltäglichen Alfa Romeo sind, haben Sie Glück: denn RM Sotheby’s kommende St. Moritz-Auktion vom 15. September wartet mit einem wahren Füllhorn von aus der Iseli Collection stammenden Alfa Klassikern auf.

Bevor wir uns unserem Quintett von atemberaubenden Alfa Romeo widmen, wollen wir Sie noch kurz über die Iseli Collection informieren. Die 93 Fahrzeuge umfassende Sammlung ist eine wahrhaft eklektische Mischung aus zwei- und vierrädrigen Wunderwerken von 18 verschiedenen Herstellern. Unter den Lots befinden sich Schmuckstücke wie der ehemalige Niki Lauda Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 „Nürburgring“ von 1984, über den wir letzte Woche berichteten sowie einige Stuttgarter Preziosen wie ein Porsche 356 SC von 1964 und ein Porsche 911 S von 1970. Selbst eine Auswahl an bedeutenden klassischen Mercedes-Bussen und sogar eine BMW Isetta finden sich im Auktions-Katalog und runden das Ganze ab. Doch werfen wir jetzt einen Blick auf unsere fünf liebsten Alfa-Klassiker. Wir sind sicher, dass Sie einen Romeo für jede Gelegenheit finden werden!

1960 Alfa Romeo 2000 Spider

Die 1960er-Jahre waren eine goldene Ära für Alfa Romeo, und dieser im Dezember 1960 gebaute 2000 Spider – einer von nur rund 3400 zwischen 1958 und 1961 gebauten Exemplaren – ist sicherlich repräsentativ dafür. Mit der wunderschönen Karosserie von Touring aus Mailand und der für die Carrozzeria charakteristischen üppigen Verwendung von Chrom scheinen diese Autos von Jahr zu Jahr hübscher zu werden. Doch lassen Sie sich von dem klassischen Äußeren nicht täuschen, denn der originale Reihenvierzylinder (matching numbers) dieses leichten Sportwagens leistet 113 PS – also etwa so viel wie ein Golf I GTI – und erreicht eine beeindruckende Höchstgeschwindigkeit von 177 km/h. Er wird keinen modernen Sportwagen aus den Socken hauen, aber dieser Alfa bietet mit seinen Borrani-Drahtspeichenfelgen, den geteilten Motorhauben-Schlitzen und der ebenfalls geteilten Frontstoßstange Stil und Fahrspaß in Hülle und Fülle, etwas, das heutzutage sehr schwer zu finden ist. Im Ferrari-Farbton Grigio Mahmoud und mit beigem Leder ausgestattet, ist dieses zuletzt für CHF 150.000 restaurierte Modell für uns der perfekte Wochenend-Cruiser. 

 

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1964 Alfa Romeo 2600 Sprint

Der 2600 Sprint ist seit langem ein fester Favorit der Classic Driver-Redaktion. Er ist zwar nicht ganz so flink wie seine kleineren Vierzylinder-Geschwister, aber der sonore Reihensechszylinder des 2600 mit 145 PS erinnert an die großen Alfa von einst und bietet mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h fantastische Grand-Touring-Fähigkeiten. Und dann ist da noch das Design: Giorgetto Giugiaro hat mit der bei seinem Arbeitgeber Bertone gebauten Karosserie einen der schönsten Grand Tourer der 1960er-Jahre geschaffen, einem Jahrzehnt, in dem es bereits von attraktiven GT wimmelte. Das 1964 gebaute Modell aus der Iseli Collection ist eines von 6999 gebauten Exemplaren und trägt noch sein ursprüngliches italienisches Kennzeichen AV 72797. 2022 wurde es für rund 45.000 Euro gründlich aufgefrischt. In seiner attraktiven Kombination aus Silbermetallic über einem hellbraunen Interieur ausgeführt, würden wir ihn niemals mehr verkaufen, wenn er in unsere Sammlung einzöge! 

 

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1965 Alfa Romeo Giulia 1600 Ti 

Gab es jemals eine besser aussehende Limousine als die Giulia? Uns fällt jedenfalls auf die Schnelle keine ein. Lange Zeit zugunsten ihres Coupé-Gegenstücks übersehen, erhält die Giulia jetzt endlich die ihr gebührende Aufmerksamkeit. Denn sie sieht nicht nur gut aus, sondern bietet auch sportliches Fahrverhalten und reichlich Platz für vier Personen. Vielleicht war sie deshalb in den 1960er- und 1970er-Jahren das bevorzugte Fahrzeug für die „Squadra Volante“ der italienischen Polizei. Diese Giulia 1600 TI wird vom 1,6-Liter-DOHC-Motor mit Fünfganggetriebe angetrieben; beides wurde im Dezember 2019 für 6200 Euro komplett überholt. In einem schönen Blau auf ein hellbraunes Interieur lackiert, werden Sie nicht viele Klassiker finden, die besser für den täglichen Gebrauch geeignet sind als dieses Julchen!

 

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1966 Alfa Romeo 1600 Duetto Spider 

Die Fahrzeugentwicklung in den 1960er-Jahren verlief rasant, und nur sechs Jahre nach dem oben gezeigten 2000er Spider hatte sich die Designsprache von Alfa Romeo deutlich weiterentwickelt. Dieser wunderschöne Duetto Spider gehört zu den frühesten Exemplaren, deutlich zu erkennen am attraktiven „Bootsheck“. Die zeitlose und originelle Kombination aus Bianco und Interieur in Nero Skai macht diesen Duetto Spider zum Inbegriff des italienischen Roadsters. Weltruhm erlangte er in den Filmklassikern Die Reifeprüfung (The Graduate) und La Dolce Vita. Nach einer Restaurierung zwischen 2019 und 2022, die über 150.000 Schweizer Franken verschlang, ist dies seit 1988 in der Schweiz zugelassene Modell wohl das Beste, das Sie im Internet und jenseits davon finden können.

 

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1981 Alfa Romeo Alfasud 1.2

Großer Sprung in die 1980er-Jahre, in denen Alfa versuchte, dem immer beliebter werdenden Segment der Schräghecklimousinen etwas mehr Pepp zu verleihen. Trotz seines kleinen Vierzylinder-Boxermotors mit 68 PS hatte der in seiner ersten Version schon 1972 und damit noch vor dem Golf I gestartete Alfasud – übrigens der erste Alfa mit Frontantrieb – einiges zu bieten: hohe Reisegeschwindigkeiten, Scheibenbremsen rundum, eine großartige Sitzposition und Schaltung sowie ein sehr ausgewogenes Fahrverhalten. Nur eine große Heckklappe gab es erst 1982 und fehlt so noch bei diesem Modell erstmals 1981 in Cremona zugelassenen Modells. Das Design von Giugiaro war auch stimmig, besonders deutlich an der hier gezeigten Facelift-Ausgabe (3. Serie) mit gelben Blinkergläsern und robusteren Stoßfängern Leider ruinierten die Rostprobleme der ersten beiden von drei Serien den Ruf des in einem neuen Werk bei Neapel gebauten „Sud“ nachhaltig. Doch dieser bis 2011 im Besitz seines Erstkäufers gebliebene Wagen gehört gottlob bereits zu einer Charge, in der Alfa das Rostproblem gelöst hatte. Als Folge hat sein Bruno Cilento-Lack immer noch einen wunderbaren Glanz, auch das Interieur in Velluto Castoro Operato sieht fast unberührt aus. Einen besser erhaltenden (unrestaurierten) Alfasud mit Original-Motor wird man nördlich der Alpen wohl schwerlich finden. Also warum lassen Sie sich nicht von diesem hübschen Kompakten das Leben etwas verschönern?

 

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