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Diese vergessene Alfa-Studie birgt eine überraschende Audi-DNA

1991 zeigte Alfa Romeo mit dem mittlerweile in Vergessenheit geratenen Proteo eine Hightech-Studie, die einen Ausblick auf den zweiten Spider geben sollte und vom Busso-V6 des 164 angetrieben wurde. Die Designgeschichte des Concept Cars ist gleich doppelt mit der Marke Audi verwoben.

Anfang der Neunzigerjahre warteten die Alfisti sehnsüchtig auf einen neuen Spider. Die erste Generation der Roadster-Ikone war zwar mehrfach optisch modernisiert worden, befand sich im Grunde aber bereits seit 1966 in Produktion. In der Fangemeinde war Konsens, dass die zweite Auflage das mit dem überraschend erfolgreichen Pininfarina-Entwurf 164 eingeführte neue Markendesign übernehmen und damit deutlich kantiger werden würde.

Im März 1991 enthüllte Alfa Romeo auf dem Genfer Autosalon eine Neuheit, die eng mit der zweiten Generation des italienischen Roadster-Klassikers in Verbindung stand. Einige Pressevertreter witterten bereits den „real deal“, letztlich mussten sie sich aber mit einer Designstudie zufriedengeben. Dies dürfte ihnen jedoch leichtgefallen sein: Die Optik des 164 Proteo fiel spektakulär aus, während die Studie mit ihrem automatisch versenkbaren Glasdach und ihrer Vierradlenkung neue Akzente bei Alfa Romeo setzte. Der Proteo nahm den Coupé-Cabrio-Trend der späten 90er- und 2000er-Jahre vorweg, der mit dem 1996er Mercedes SLK so richtig losging.

Für die Gestaltung des schnittigen Italieners war nicht Pininfarina, sondern Alfas hauseigener Designchef Walter Maria de Silva zuständig, der diese Position von 1986 bis 1999 innehatte. Danach wechselte er zunächst zu SEAT und übernahm ab 2002 die Leitung der Markengruppe Audi, SEAT und Lamborghini beim VW-Konzern, wo er zu den einflussreichsten Vertretern seiner Zunft aufstieg. Ab 2007 leitete er das gesamte Konzerndesign von Volkswagen. Unter seiner Führung entstanden unter anderem der Singleframe-Grill und Audis dynamische Designlinie der späten 2000er- und 2010er-Jahre, die maßgeblich bei der Etablierung des Ingolstädter Unternehmens als echte Premium-Marke halfen.

Unter dem Blech steckte zwar ein auf 4,15 Meter gekürztes Fahrgestell mit dem charakteristischen, hier auf 260 PS erstarkten Busso-V6 sowie ein gemeinsam mit Steyr entwickelter Allradantrieb – optische Parallelen zu Alfa Romeos damaliger Oberklasse-Limousine gab es jedoch kaum. Stattdessen übernahm der Proteo die radikale Keilform des Duos SZ und RZ, allerdings in einer abgeschwächten und modernisierten Form.

 

Dasselbe gilt für das „Sechsaugen“-Thema mit den drei kleinen Leuchtelementen auf beiden Seiten. Statt der bekannten Quadrate setzte de Silva auf runde Kulleraugen – ein Motiv, das ursprünglich mit Pininfarinas 1981er-Studie Audi Quartz (bekannt auch als „Quattro Quartz“) debütierte. Pininfarina-Designer Enrico Fumia, der den Audi Quattro damals auf seine Weise neu interpretiert hatte, griff dieses runde Scheinwerfer-Thema später für den zweiten Alfa Spider (Baureihe 916) wieder auf.

Dessen Exterieur-Design war zwar bereits 1988 final abgesegnet worden, das lang ersehnte Modell ging aber erst 1994 in Serie – mit nur zwei statt drei Leuchten pro Seite. Der Proteo wiederum übernahm dieses zu seiner Entwurfszeit bereits feststehende Detail und spitzte es zu seinem charakteristischen Sechsaugen-Layout zu. Weitere Details, die es in abgewandelter Form tatsächlich in die Serie schafften, waren die Positionierung des Scudetto sowie der V-förmige „Powerdome“ auf der Motorhaube. Im Grunde nutzte die Traditionsmarke das Concept Car, um die Publikumsreaktionen auf die neue Designlinie zu testen. Alfa Romeo stellte dem Spider zudem das eng verwandte Coupé namens GTV zur Seite. Dennoch verkaufte sich die zweite, komplett neu entwickelte Generation des Spiders deutlich schlechter als der Vorgänger und spielt in der Klassiker-Szene bis heute nur eine untergeordnete Rolle.

 

Die Gürtellinie des Proteo stieg nach hinten stark an, was ihm eine gewisse Keilform verlieh. Im Vergleich zum RZ und SZ fiel die Linienführung aber deutlich rundlicher aus. Damit war das als Coupé-Cabrio konzipierte Concept Car ein typisches Kind der frühen Neunzigerjahre. Das Heck mit der Blende zwischen den schmalen Rückleuchten und der hohen, fast schon schwülstigen Heckschürze erinnert etwas an die Kehrseite des zweiten Mitsubishi Eclipse. Im Vergleich zum Exterieur fiel das komplett grau gehaltene Cockpit überraschend konventionell aus: Fünf Rundinstrumente treffen auf eine Fünfgang-Handschaltung und eine Unmenge an Knöpfen auf der Mittelkonsole.

Rund um die Präsentation des Proteo verbreitete sich in der Fachpresse das Gerücht, Alfa Romeo plane eine auf rund 2.000 Stück limitierte Kleinserie. Für die Entwicklung eines weiteren, oberhalb des Spider positionierten Roadsters tauchten jedoch nie konkrete Beweise auf. Letztlich blieb es bei drei Prototypen, von denen einer Teil der offiziellen Werkssammlung ist und vor einigen Jahren im renommierten MAUTO Museum in Turin ausgestellt wurde.

Im Grunde würden sich Alfisti aktuell genau so ein Auto wie den Proteo wünschen: Einen modern und zugleich emotional gezeichneten Roadster, angetrieben vom gänsehauterregend klingenden Busso-V6 und mit Technik ausgestattet, die nicht vom Fahren ablenkt, sondern dem Fahrspaß dient.

Fotos: Alfa Romeo, Audi AG

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