

Im ersten Moment wirkt die Livery dieses Alfa Romeo 75 Gruppe A wie ein Scherz – auch in anderen Ländern erlaubt sich so mancher Enthusiast einen Spaß, indem er seinen oftmals modifizierten fahrbaren Untersatz mit einer dezent abgeänderten Polizei-Folierung versieht. Selbst auf der Nordschleife des Nürburgrings ist dieses Phänomen nicht selten zu sehen. Bei dem Boliden, den der in Bologna ansässige Händler Gulfblue.it aktuell anbietet, handelt es sich aber um kein ironisches Dienstfahrzeug einer vermeintlichen „Ring Police", sondern um ein waschechtes Wettbewerbsfahrzeug italienischer Behörden – einer echten Rennpolizei.
Die "Polizia di Stato" mischte in den Achtziger- und Neunzigerjahren aktiv im nationalen Motorsport mit – mit Rennwagen, deren Farbgebung stark an die der Streifenwagen angelehnt war, hinter deren Steuer tatsächlich Polizeibeamte saßen und die offizielle Polizei-Nummernschilder trugen. Wie auch im Berufsalltag vertraute die Behörde bei ihrem ungewöhnlichen Motorsport-Programm auf das Cuore Sportivo. Neben dem Alfasud 1300 Gruppe N und Alfa Romeo 33 eben auch auf Alfa Romeos Mittelklasse, die von 1985 bis 1992 vom Band lief.


Insgesamt baute Alfa Romeos Motorsportabteilung 16 Wettbewerbsautos auf, die auf der im Herbst 1988 enthüllten Facelift-Version basieren. Der Großteil davon wurde von Alfa Romeos 1,8 Liter großem Turbovierzylinder angetrieben, während der Polizei-75 für die Rallye-Piste, als eines von nur zwei Exemplaren in den Genuss des markentypischen Busso-V6 mit drei Litern Hubraum kam. Dieser leistete in diesem Fall 260 Pferdestärken, die über das Transaxle-Fünfganggetriebe an die Hinterräder abgegeben wurden.
Zu einem echten Rennwagen gehört aber natürlich weit mehr als nur ein leistungsstarker Antrieb. Deshalb ging das Auto am 22. Oktober 1989 bei seinem ersten Einsatz, der Rallye Rom, auch mit einem voll verstellbaren Fahrwerk und einer von Formel-1-Technologie abgeleiteten Brembo-Bremsanlage an den Start. Zudem war die Limousine von Alfa Romeos Motorsportabteilung radikal auf Diät gesetzt worden – das Interieur wurde komplett leergeräumt – aktuell befinden sich bis auf einen einzelnen Recaro-Schalensitz sowie Hebel für die Handbremse und das manuelle Schaltgetriebe sowie einige Rundanzeigen und Kippschalter nichts im Cockpit.


Den nächsten Einsatz hatte der Wagen einige Wochen später beim Giro d'Italia Automobilistico, wo er von Vittorio Gommoso und Giorgio Nardin pilotiert wurde. Das Fahrer- und Beifahrer-Duo nahm mit dem blau-weißen „Streifenwagen" in den darauffolgenden drei Jahren an einigen Events teil. Insgesamt verzeichnet der 75 3000 V6 Gruppe A Alfa Corse rund fünfzehn offizielle Einsätze. Nach seiner Karriere wurde er Teil der renommierten Campiano-Sammlung in Treviso, bevor der aktuelle Eigentümer ihn sich 2016 bei einer Versteigerung sicherte. Er ließ das Auto technisch gründlichst auf Vordermann bringen. Dank seiner Polizei-Folierung und der dazugehörigen Rennhistorie dürfte das Auto bei künftigen historischen Motorsport-Veranstaltungen einiges an Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

















































