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Durch die Züricher Nacht im ultimativen Alfa Romeo Montreal

Einst ein erschwinglicher Gran Turismo, heute eine feuerspeiende Hommage an Italiens höchste Ingenieurskunst. Der von Andreas Wüst angebotene Alfa Romeo Montreal ist das perfekte Auto, um in unserem neuesten YouTube-Video die Straßen von Zürich aufzumischen.

Mit seinem herrlichen V8-Motor und der noch schöneren Karosserie aus der Feder von Designgenie Marcello Gandini hätte der Alfa Romeo Montreal als erfolgreicher GT in die Geschichte eingehen müssen, der es mühelos mit den Besten von Ferrari, Lamborghini oder Maserati aufnimmt. In der Realität verfehlte der wunderschön gestaltete 2+2-Sitzer seinerzeit jedoch sein Ziel. Sein hoher Preis und das eher verhaltene Fahrerlebnis führten dazu, dass zwischen dem Verkaufsstart 1970 und dem Produktionsende sieben Jahre später weniger als 4000 Exemplare einen Käufer fanden.

Doch wie würde ein Montreal wirken, wenn man ihn nicht nur restauriert, sondern als Restomod in einen echten Supersportwagen des 21. Jahrhunderts verwandelt, der äußerlich exakt wie das Original aussieht? Genau das fragte sich der anonyme Besitzer dieses atemberaubenden Exemplars im Farbton Oro Metallizzato, das derzeit beim Schweizer Händler Andreas Wüest zum Verkauf steht. Wüst lieferte die Antwort und betreute ein spektakuläres Entwicklungsprogramm, das dreieinhalb Jahre dauerte und 1300 Arbeitsstunden verschlang.

Von Beginn an kam für diese Aufgabe nur eine einzige Person infrage: der weltweit renommierte Alfa-Romeo-Tuning-Guru Oliver Körfgen. Als ehemaliger, langjähriger Ferrari-Ingenieur betreibt Körfgen die Firma OKTech im Schweizer Muttenz. Seine Werkstatt gilt als erste Adresse für alle, die das volle Potenzial aus ihrem Alfa Romeo GTV6, 75 oder eben dem Montreal herausholen wollen. Körfgen ist ein derart konsequenter Spezialist, dass er ausschließlich an diesen drei Modellen arbeitet. Obwohl seine Modifikationen tiefgreifend sind, legt er größten Wert darauf, dass die äußere Optik des Autos so nah wie möglich am Original bleibt.

Feste Vorlagen gibt es für seine Projekte nicht. Jeder Wagen ist eine Einzelanfertigung, bei der jede Optimierung, jede Leistungssteigerung und jedes Bauteil maßgeschneidert wird. Das macht dieses Auto zu einem unikalen Einzelstück, das sich kein zweites Mal exakt so nachbauen lässt. Zu Beginn zog Körfgen einen Formel-1-Ingenieur von Sauber hinzu, um den Motorraum per 3D-Scan zu erfassen. So konnte exakt berechnet werden, wie sich Nebenaggregate verkleinern und neu anordnen lassen, um dem Herzstück des Wagens die perfekte Bühne zu bieten: einem komplett individuell aufgebauten Triebwerk. Der ursprüngliche, aus dem Rennsport abgeleitete 2,5-Liter-V8 wirkte zwar zu seiner Zeit recht schwungvoll, sieht im Vergleich zu Körfgens Werk jedoch wie aus der Steinzeit aus. Neben der Hubraumerweiterung auf 3,25 Liter verbaut er eine spezielle Flatplane-Kurbelwelle, die maßgefertigte Pleuel und Kolben antreibt. Angetrieben von einer eigens gefertigten Steuerkette steuern Hochleistungsnockenwellen im CNC-gefrästen Zylinderkopf mit dünneren Ventilführungen deutlich größere Ventile.

Körfgen legte bei allen Teilen größten Wert auf Leichtbau, ohne die Haltbarkeit zu beeinträchtigen. Gleichzeitig läuft der Motor bei niedrigen Drehzahlbereichen genauso ruhig wie an der drastisch angehobenen Drehzahlgrenze, die erst bei sicheren 9000 Umdrehungen pro Minute erreicht wird. Beatmet wird das Aggregat über maßgeschneiderte Einzeldrosselklappen mit acht skulptural geformten Ansaugtrichtern. Diese beziehen ihre Luft durch die nun voll funktionsfähige Lufthutze auf der Motorhaube, deren Ansaugtrakt ebenfalls per 3D-Scan für beste Effizienz optimiert wurde. Um das Triebwerk auch an heißen Sommertagen kühl zu halten, schuf Körfgen an der Front reichlich Platz für einen gewaltigen Kühler.

Für den satten Klang, mit dem der Montreal in unserem Video durch das nächtliche Zürich rollt, sorgt eine handgefertigte Fächerkrümmeranlage mit gleichen Rohrlängen, die in unauffälligen Endrohren mündet. Wie viel Leistung der Motor genau entfaltet, behält Körfgen lieber für sich. Es heißt jedoch, dass sie mindestens doppelt so hoch liegt wie die ursprünglichen 200 PS. Für das serienmäßige Fahrwerk wäre diese Kraft definitiv zu viel, worauf ein Blick unter das Auto schnell hinweist.

Um die enorme Leistung sicher auf die Straße zu bringen, arbeiten rundum Vierkolben-Bremssättel. Das modernisierte, voll einstellbare Fahrwerk stammt vom britischen Rennsportspezialisten Intrax. Am Unterboden fällt zudem eine speziell gefertigte Fahrwerkshalterung auf, die das verstärkte Getriebe abstützt. Über eine Spezialkupplung leitet dieses die Kraft an eine maßgeschneiderte Hinterachse mit 45 Prozent Sperrwirkung weiter.

Im Innenraum zeigt sich der Montreal weiterhin im unverfälschten Stil der Siebzigerjahre mit grünen Ledersitzen, gelochtem Dreispeichenlenkrad und den zwei großen Rundinstrumenten für Drehzahl und Tempo. Umrahmt werden diese von asymmetrisch angeordneten Zusatzinstrumenten und einer Mittelkonsole voller Kippschalter. Dank eines komplett neu integrierten, modernen Kabelbaums bleiben dem Fahrer die berüchtigten Tücken klassischer italienischer Elektrik erspart. Im Fußraum findet sich dagegen eine wunderschön gearbeitete Pedalerie für noch direkteres Fahrgefühl. Das Gaspedal ist dabei der heimliche Star. Laut Aussage des Besitzers reagiert der Motor darauf so blitzschnell, dass er wie ein Superbike hochdreht und seinen Porsche 992.2 GT3 dagegen wie eingeschlafen wirken lässt.

Dank einer speziell abgestimmten Motorsteuerung klettert die Drehzahl nicht nur extrem schnell, sondern auch absolut sauber und linear. Dadurch lässt sich der Wagen sowohl bei Schleichfahrt als auch bei hohem Tempo fantastisch fahren. Das umfassende Fahrwerks-Upgrade und der perfekt ausbalancierte V8 sorgen auf jedem Belag für einen seidenweichen, vibrationsfreien Lauf. Für uns ist dieses Auto die ultimative Vollendung des Montreal, dessen volles Potenzial früher nie ausgeschöpft werden konnte. Der wahre Geniestreich von Körfgens Arbeit liegt darin, dass er die wunderschöne Silhouette von Marcello Gandini unberührt ließ. Diese entsprach ohnehin fast eins zu eins dem Konzeptauto, das Alfa Romeo 1967 auf der Weltausstellung im kanadischen Montreal präsentierte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der erst 31-jährige Chefdesigner von Bertone bereits mit dem Lamborghini Miura einen Namen gemacht. Beim Montreal entschied er sich für ebenso außergewöhnliche Details wie die geschlitzten, verdeckbaren Scheinwerferblenden, die markanten Luftschlitze hinter der B-Säule und die praktische Heckklappe, die das Coupé überraschend alltagstauglich machte. Für die Weltausstellung sollte Alfa Romeo das ultimative Automobil entwerfen – ganz im Sinne des damaligen Messemottos „Der Mensch und seine Welt.“

Mit Haifischnase, flach geneigter Windschutzscheibe und muskulösem Heck traf die Serienversion genau den Nerv stilbewusster Fahrer der Siebziger: ein eleganter Sportwagen mit echter Alltagstauglichkeit. Dank der beeindruckenden Überarbeitung von Körfgen kann der Fahrer im Jahr 2026 nun eine Performance genießen, die dieser grandiosen Optik in nichts nachsteht.

 

 

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Fotos von Alpineracer.ch & Remi Dargegen

Video von Alpineracer.ch

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