Von Beverly Hills nach Paris mit Paul Newmans „Flügeltürer“

Gemäß den Werksunterlagen wurde dieser Mercedes-Benz Flügeltürer 1957 von Paul Newman erworben. Und nachdem eine Rolex Daytona aus dem Nachlass des Schauspielers für 17 Millionen US-Dollar verkauft wurde, sind den Spekulationen freilich keine Grenzen gesetzt.

Sich einen Namen machen

Nach drei Jahren mit seinem ersten Besitzer aus Watsonville (Kelifornien) erwarb Paul Newman 1957 diesen sensationellen Mercedes-Benz 300 SL als fahrbaren Untersatz für seine Zeit in Los Angeles. Zu jener Zeit machte sich der Nachwuchsschauspieler gerade erst einen Namen in Hollywood-Kreisen. In seiner kritisch bewerteten Rolle als Rocky Graziano im 1956 erschienenen Boxerfilm Somebody Up There Likes Me (deutscher Verleihtitel: Die Hölle ist in mir) hatte Newman der Kinowelt eine erste Andeutung dessen gemacht, was von ihm in Zukunft noch zu erwarten war: Zahlreiche Hauptrollen, Philanthropie, politischer Aktivismus und – natürlich – Motorsport.

In die Flitterstadt! 

Von New York nach Hollywood („Tinseltown“) übergesiedelt, brauchte Newman ein Auto, das zugleich als zuverlässiges und fotogenes Modell taugte – speziell dann, wenn man ihn bei Fahrten auf dem Sunset Boulevard oder dem Mulholland Drive fotografierte. Müßig zu betonen, dass solch ein „Gullwing“ perfekt zum Image und Habitus eines kommenden Filmstars passte. Newman hatte mehrere Jahre Spaß an dem Auto, doch weiß man nicht genau, wann er ihn weiterverkaufte. Sicher ist nur, dass der SL in Kalifornien verblieb, während Newman Anfang der 1960er-Jahre nach Connecticut zog, um mit seiner damaligen Frau Joanne Woodward eine Familie zu gründen. 

Wiedergeburt

Es dauerte bis 1984, ehe der silbern lackierte „Flügeltürer“ mit braunem Interieur nach Europa zurückkehrte – und zwar zu einem bekannten Philantropen auf der Kanalinsel Jersey. 2007 tauchte er plötzlich in der Sammlung von Theodore Charagionis in Athen auf, ehe ihn 2012 Nicolas Jambon Bruguier von Classic Driver-Händler Classic Sport Leicht erwarb. Dieser entschied, das Fahrzeug in seinen Originalzustand zurückzuversetzen, was eine langwierige, rund 6000 Arbeitsstunden verschlingende Restaurierung durch ein eingeschworenes Team aus fünf Spezialisten erforderte. 

Das nächste Kapitel

Das Ergebnis ist nicht weniger als spektakulär. Wie sehr es Bruguier und seinem Team darauf ankam, absolute Originalität zu wahren, zeigt schon allein das Beispiel einer Fensterscheibe: es dauerte zwei Jahre, bis sie ein historisch korrektes Teil fanden. Und da es sich um einen der ersten 100 – und daher sehr seltenen - SL handelte, waren auch noch andere Dinge zu berücksichtigen. Doch Authentizität und Detailtreue waren oberstes Gebot – und das sieht und spürt man. Vom Vom satten hellblauen Metalliclack über die wunderbar karierten Stoffsitze bis zum ledernen Kofferset. Paul Newman hatte halt einen guten Geschmack – wer auch immer der nächste Besitzer sein wird, er sollte eine Pilgerfahrt nach Beverly Hills unternehmen…  

Fotos: Rémi Dargegen © 2018

Sie finden dieses Mercedes-Benz 300SL „Flügeltürcoupé“ noch bis zum kommenden Sonntag auf dem Stand von Classic Sport Leicht (1 K 090) bei der Rétromobile in Paris.