Johnny Hallydays Iso Grifo blieb bei RM Sotheby’s in Paris stehen

Der heiß erwartete und auch zeitlich wohl getimte Verkauf eines Iso Grifo aus dem Besitz des verstorbenen französischen Rock ’n’ Roll-Stars Johnny Hallyday ließ gestern Abend die Bieter der RM Sotheby’s Auktion in Paris kalt – was aber nichts mit der vor der Tür liegenden Schneedecke zu tun hatte.

Schnee? Na und!

Auch die historisch dicke Schneedecke über Paris konnte hunderte von Enthusiasten, Sammlern, Händlern und die üblichen VIPs nicht davon abhalten, zur jährlichen RM Sotheby’s Sale an der malerischen Place Vauban zu kommen. Doch trotz des brechend vollen Verkaufsraums und der wie üblich tadellosen Präsentation des kanadischen Auktionshauses fanden mehrere hoch vorgewettete Fahrzeuge keinen neuen Besitzer. Bevor man nach Abschluss der offiziellen Versteigerung noch Deals aushandeln konnte, hatte Maarten ten Holder 68 der 83 Lots weggehämmert – eine Quote von 82 Prozent. Allerdings verfehlten 45 Autos – umgerechnet also 66 Prozent – ihren niedrigen Schätzwert. Rechnet man die erst gar nicht verkauften Modelle wie den für 2,2 Millionen Euro offerierten Ferrari 275 GTB mit Aluminium-Karosse, den Ferrari 166 MM (3,45 Millionen Euro) oder den Ex-Johnny Hallyday Iso Grifo A3/C (Gebot von 1,975 Millionen Euro) hinzu, ergab sich ein vorläufiger Verlust von 24 Millionen Euro. 

Trend zur Moderne

Stattdessen waren es eine Reihe moderner Supersportwagen, die (wieder einmal) den Trend wiesen. Allen voran der fast neue Bugatti Chiron mit 2,95 Millionen Euro (3,323 Millionen einschließlich Käufergebühr), gefolgt von einem low-mileage Maserati MC12 (1,775 Millionen Euro nach Fallen des Hammers, insgesamt 2,001 Millionen) und dem inklusive Zusatzgebühren für 1,152 Millionen Euro verkauften Bugatti EB110 Super Sport Prototyp. Währenddessen war der im letzten Jahr an gleicher Stelle ausgebrochene Hype um moderne Porsche nur noch eine ferne Erinnerung. Das Porsche Exclusive 993 Turbo Cabriolet blieb weit unter den luftigen Höhen, die ein ähnliches Exemplar 2017 erklommen hatte – nur 600.000 Euro (680.000 inklusive Aufschlägen) kamen zusammen. Und der monströse 996 GT2 fand sogar gar keinen Abnehmer. 

Konfusion um Scheunenfund

Nach unserer Einschätzung gab es dennoch drei starke Ergebnisse aus dem Zuffenhausener Lager: Der für 241.000 Euro verkaufte Porsche 914/6 „GT Spec“, ein 350.000 Euro Ruf CTR Clubsport Umbau und ein für 80.000 Euro versteigerter Porsche 912 Scheunenfund. Letzterer sorgte für einen der etwas unterhaltsameren Bieterwettkämpfe des Abends. Nachdem Spezialist Paul Darvill – zum ersten Mal auf dem Podium – ohne Wissen von RM - bekanntgab - dass der Wagen aus dem Fuhrpark des holländischen Königshauses stamme. Unbestritten der Star der Show war jedoch ein Lancia Delta Integrale aus der „Dealers Collection Edition“, dessen Käufer bei für dieses Modell unfassbar hohen 140.000 Euro (161.000 inklusive Premium) den Zuschlag erhielt. Und es gab auch ein paar richtige Schnäppchen. Wie zum Beispiel den Bugatti Type 35, der mit 340.000 Euro 160.000 Euro unter seinem unteren Schätzwert wegging. Ebenso der charmante kleine OSCA 2000 mit wunderschöner Morelli Karosserie und Rennhistorie: Mit 700.000 Euro (792.000 Euro inklusive Käufergebühren) blieb er 180.000 Euro unter dem unteren Estimate.  

Rock ‘n’ Roll

Während die 300.000–500.000 Euro für die interessante Magnate P708 Barchetta im Rückblick sicher zu ambitioniert waren, so wird derjenige, der das Auto dann für 90.000 Euro erstand, zum Spottpreis einen echten Aufreger und Hingucker geschossen haben. Was lernen wir also vom ersten Akt der Rétromobile-Auktions-Trilogie? Nun, im Grunde nichts Neues. Dass nur die wirklich besten Exemplare die höchsten Preise erzielen, dass die Auktionshäuser sich noch mehr an die Erwartungen des Marktes anpassen müssen und dass Johnny Hallyday unter den wohlhabenderen Enthusiasten Frankreichs vielleicht nicht mehr so populär ist...

Fotos: Rémi Dargegen for RM Sotheby’s © 2018

Unsere gesammelten Berichte zur Rétromobile 2018 finden Sie hier.