Schneller als erlaubt: Ferrari 288 GTO Evoluzione

Voila! Sie sehen einen Rennwagen, der nie ein Rennen fuhr. Ferrari wollte mit Furore in die Gruppe B vorstoßen. Doch das Mittel dafür, der 288 GTO Evoluzione, konnte vor Kraft kaum laufen. Eine Charakterskizze.

 

Die traurige Wahrheit ist jene, dass die Rallye-Welt in den 1980er Jahren der Gruppe B den über 600 PS starken Boliden nicht gewachsen war. Als im Mai 1986 Henri Toivionen und Co-Driver einen weiteren Fanal verursachten, entschied die Rallye-Industrie: Genug ist genug. Die Gruppe B Rallye wurde abgesägt und abgesagt. Und das hatte auch auf die Gruppe B „Race“ Auswirkungen.

Übrig blieben also weltweit sechs Exemplare des Ferrari 288 GTO Evoluzione. Boliden, die nie im Rennzirkus mitgemischt haben. Doch irrwitzige Maschinen mit brutaler Kraft in einer ultraleichten Verpackung. Wie fährt sich so ein Gerät? Ein klein wenig Geduld bitte.

 

Schneller als erlaubt: Ferrari 288 GTO Evoluzione
Schneller als erlaubt: Ferrari 288 GTO EvoluzioneSchneller als erlaubt: Ferrari 288 GTO Evoluzione

Von der Front wirkt der Wagen recht simpel. Klar, aerodynamisch gestylt aber wenig innovativ. Doch wenn man um das Auto herum geht und ans Heck kommt, stockt einem der Atem. Was ist hier passiert? Hat hier jemand mit der Kreissäge gewütet oder das Magazin eines Schnellfeuer-Gewehres leer geschossen? Weder noch. Hier wurde einfach weggelassen, was möglich ist. Hinter der gestrippten Klappe, die sich wie das Maul eines Piranhas öffnet, sitzt ein nur 2,6 Liter großer V8-Motor. Diesem wiederum wird von einem doppelten IHI-Turbolader Beine gemacht. Wer die Drehzahl zu infernalen 7.800 Touren hochzieht, presst 650 PS aus dem Aggregat. 650!

 

Viel Power, viel Drehzahl. Und das bei nur 940 Kilogramm Eigengewicht. Wie hält das alles zusammen? Ein stählerner Rohrrahmen und ein Aluminium-Chassis sind der Schlüssel dazu. Die Karosse ist aus Carbon gefertigt und über die Konstruktion gestreift. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn der Fahrer das Gaspedal durchtritt. Kann man das tatsächlich? Nicht wirklich, denn ein ähnliches Kraft-Gewichtsverhältnis dürften die wenigsten von uns jemals erlebt haben. Ich erinnere einen Tag am alten Ring, als ich selbst erleben konnte, wie ein Gruppe-B-Rennwagen an einem Ferrari F50 nur so vorbei donnerte. Und der F50 ist nicht unbedingt als langsames Auto bekannt.

 

Schneller als erlaubt: Ferrari 288 GTO Evoluzione
Schneller als erlaubt: Ferrari 288 GTO EvoluzioneSchneller als erlaubt: Ferrari 288 GTO Evoluzione

Doch es ist nicht nur die bloße Menge an Kraft, die einem beim Beschleunigen des 288 GTO Evoluzione den Eindruck gibt, als sei man eben getreten worden. Offensichtlich hatten die Ingenieure alle Hände voll zu tun, die unbändige Kraft überhaupt einigermaßen koordiniert zu entfesseln. Man möchte nicht von den Turboladern überrascht werden. Wirklich nicht. Wenn die beiden Zwangsbeatmer loslegen, kann es einem schlicht aus der Bahn hauen. Ich erinnere, wie mein damaliger Fahrer sagte: „Dies Auto geht so wie die Artillerie. Du lädst, zielst und feuerst.“

 

 

Schneller als erlaubt: Ferrari 288 GTO Evoluzione

Was also passierte mit den sechs Exemplaren des 288 GTO Evoluzione, als ihre Daseinsberechtigung dahinschwand? Vermutlich existieren noch alle Fahrzeuge, verteilt auf einige Sammlungen weltweit. Der legitime Nachfolger kam in Gestalt des Ferrari F40. Die optischen Anleihen kann man klar erkennen. Wenigstens eines der Evo-Fahrzeuge war ein offizieller F40 Prototyp im Jahre 1987. Damit wird deutlich, dass die Entwicklung des überstarken Gruppe-B-Ferrari seine Berechtigung hatte.

 

 

Weiterführende Links:

Verschiedene Ferrari 288 GTO finden Sie im Classic Driver Marktplatz.

 

 

Fotos: Michael Ward