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Nostalgie gegen China: So spielen Stellantis und Renault in Paris ihren größten Trumpf aus

Auf dem Pariser Autosalon lassen die Stellantis-Marken und die Renault Group ihre Ikonen wieder aufleben, vom 2CV über den 205 T16 bis zur A310. Wir zeigen die spannendsten Studien der diesjährigen Messe und erklären, warum die Hersteller ihrer Historie gegen die Konkurrenz aus China punkten wollen.

 

Der Pariser Autosalon (12. bis 18. Oktober) gleicht in diesem Jahr einem nostalgischen Neuwagen-Feuerwerk, vor allem bei den Concept Cars der französischen Hersteller. Während sich deutsche Premiumhersteller wie Mercedes und BMW in Sachen Design weiter auf China und die USA konzentrieren, setzen Peugeot, Citroën, Renault und Alpine vor allem auf ihren Heimatmarkt und auf Retro. Beflügelt werden sie vom Erfolg des Renault 5, der für Begeisterungsstürme gesorgt hat und mittlerweile Europas meistverkaufter Elektro-Kleinwagen ist. Auch die Italiener, mit dem Fiat 500 einst Retro-Pioniere, widmen sich unter dem Stellantis-Dach immer stärker diesem Thema.

Indem sie altbekannte Modelle zeitgemäß neu interpretieren, nutzen sie eine Stärke, die sie der rasant erstarkenden Konkurrenz aus dem Reich der Mitte voraushaben: eine reiche Historie, die Marken attraktiv und vor allem sympathisch macht. Dabei muss die Kundschaft die Ur-Modelle nicht einmal aus ihrer Jugend kennen, auch Generation Z und Millennials lassen sich von der emotional aufgeladenen Ästhetik umgarnen. Während betont futuristisch gezeichnete Elektroautos hierzulande eher auf Ablehnung stoßen, ist die vertraute Optik einer der effektivsten Wege, den Menschen ihre Vorbehalte gegenüber der Antriebsart zu nehmen. Und noch ein Trend ist in Paris erkennbar: SUVs, die Neuwagenpräsentationen über zehn Jahre lang dominiert haben, scheinen an Bedeutung zu verlieren, während Coupés, Vans und Shooting Brakes ein Comeback feiern und zugleich den Weg in die Zukunft weisen.

 

Citroën 2CV Concept

Citroën hatte sich lange gegen eine moderne Neuauflage des 2CV gewehrt, da die Marke eher für Avantgarde stehe und nostalgisches Design daher nicht ins Konzept passe. Angesichts des großen Erfolgs der elektrischen Retro-Kleinwagen Renault 5, Renault 4 und Twingo hat man bei der Stellantis-Tochter aber offenbar umgedacht. Es wäre auch eine vertane Chance gewesen, die Bekanntheit von Frankreichs international berühmtestem Automodell nicht zu nutzen. Das nun enthüllte Concept Car setzt nicht nur auf einige charakteristische Details des Originals, sondern auch auf eine Verniedlichung im Comic-Stil. Mit 3,76 Metern ist die Studie sogar zwei Zentimeter kürzer als das Ur-Modell von 1948. Inklusive aller Varianten wurde der 2CV bis 1990 über fünf Millionen Mal gebaut. Die Serienversion soll Ende 2028 auf den Markt kommen und im Kleinstwagensegment gegen den Twingo antreten. Mit angepeilten rund 15.000 Euro dürfte sie dabei sogar spürbar günstiger werden. Wie einst gibt es auch einen Kastenwagen: Citroën zeigt auf der Messe zusätzlich das 2CV Fourgonnette Concept, dessen Serienversion aber noch nicht bestätigt wurde.

 

Peugeot RCZ Vision

Peugeot gehört zu den absoluten Spezialisten, wenn es darum geht, mit spektakulären Concept Cars für Furore zu sorgen, die letztlich nie in Serie gehen. Vor allem wenn es sich bei den Studien um sportliche Coupés oder Roadster handelte, tendierten die Chancen, sie in abgewandelter Form irgendwann beim Peugeot-Händler stehen zu sehen, in den letzten Jahren gegen null. Obwohl Zehntausende begeisterte potenzielle Käufer eine Petition für eine Serienversion unterschrieben hatten, entschied sich Peugeot beim e-Legend von 2018 dagegen. Der RCZ Vision dürfte bessere Karten haben, da sich die Marke künftig deutlich emotionaler aufstellen möchte und ein Nachfolger des von 2009 bis 2015 gebauten RCZ dabei wie gerufen käme. Vom Vorgänger übernimmt die Studie die Grundform inklusive des charakteristischen „Double Bubble“-Dachs mit seinen beiden Wölbungen, gleichzeitig zeigt Peugeot mit dem Coupé seine neue Designsprache „Feline Future“. Die Werte sind beim aktuellen Stand noch alles andere als seriennah: Für den 500 PS starken Elektro-Viersitzer mit Festkörperbatterie nennen die Franzosen eine WLTP-Reichweite von bis zu 600 Kilometern und eine Ladezeit von weniger als zehn Minuten von 10 auf 80 Prozent.

 

Peugeot E-T16

Für kommendes Jahr hat Peugeot die nächste Generation seines Kernmodells 208 angekündigt. Um deren Optik anzuteasern, schlägt die Marke mit dem Löwen-Logo die Brücke zwischen ihrer Motorsport-Historie und der Zukunft. Die Designer haben die Linienführung des Concept Cars Polygon von 2025 mit den brachialen Breitbau-Elementen der Gruppe-B-Ikone Peugeot 205 T16 gepaart, der in den Achtzigerjahren die spektakulärste Ära des Rallye-Sports dominierte. Die Lackierung in mattem Winchester-Grau mit roten Akzenten sowie die gelben Scheinwerfer sind eine Hommage an die nur 200-mal gebaute Homologationsversion. Während deren 1,8-Liter-Turbovierzylinder 200 PS leistete, verfügt der E-T16 über drei E-Motoren, einen an der Vorder- und zwei an der Hinterachse. Gemeinsam leisten sie 816 PS und beschleunigen den Kleinwagen in 2,5 Sekunden auf Tempo 100. Tempo 300 soll nach nur 16 Sekunden anliegen, und dank 800-Volt-Technik soll sich die 85-kWh-Batterie schnell laden lassen. Wie beim historischen Vorbild lässt sich die gesamte Heckpartie hochklappen. Im Innenraum gibt es statt eines herkömmlichen Lenkrads den rechteckigen „Hypersquare“. Was nach Concept-Car-Spielerei aussieht, soll dank Steer-by-Wire-Technik mit dem kommenden 208 in Serie gehen.

 

Alfa Romeo Cuorerosso

Studien von Alfa Romeo schaffen es erstaunlich oft auf die Straße, man denke an 8C, 4C oder Brera. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit für das Concept Cuorerosso, das die Italiener am Vorabend der Messe in Paris enthüllt haben. Format und Front erinnern an die Giulia: Mit 4,70 Metern spielt das viertürige Coupé in ihrem Segment, die dreieckigen Scheinwerfer neben dem Scudetto sind jedoch schmaler. Lackiert in „Liquid Ink Red“, zitiert die Studie mit goldenen Telefonwählscheiben-Felgen und einem Cockpit nach Vorbild des 33 Stradale die Markenhistorie, verzichtet aber bewusst auf Neo-Retro. Stattdessen verkörpert sie die neue Designlinie „Bellezza Necessaria“, die bei den Alfisti im Netz bereits für Begeisterung sorgt. Viele hoffen auf eine neue Giulia in diesem Look, zumal Alfa dank Multi-Energy-Ansatz auch den V6 weiterleben lassen will.

 

Alpine A310 Vision

Alpines elektrische Modelloffensive soll unter dem Namen „Dream Garage“ bis 2030 rasant wachsen. Ab 2028 soll ein großer Bruder der A110 das Modellprogramm der Sportwagenschmiede aus Dieppe abrunden, der A310 heißen und einige Anleihen beim Original nehmen soll. Zum 50. Geburtstag der A310 V6 und zum 55. Jubiläum der Ur-Version von 1971 hat die Renault-Tochter auf dem Pariser Salon die spektakuläre Studie A310 Vision enthüllt. Sie übernimmt den markanten Breitbau des optionalen „Pack GT“ aus den Achtzigern, kombiniert ihn mit Formel-1-Aerodynamik und lässt die Scheinwerfer per „Pop-down“-Effekt erst beim Starten aus der Front auftauchen. Begeisterte sollten sich aber nicht zu früh freuen und noch nicht mit dem Sparen anfangen: Während Studien meist kommende Serienautos anteasern, betont Alpine ausdrücklich, dass dieses retrofuturistische Coupé kein Ausblick auf das anstehende 2028er-Modell ist. Ein grausames Spiel mit den Fans, die nun inständig hoffen müssen, dass die Franzosen bluffen.

 

Renault 8 Gordini Concept

Renault hat die Retro-Welle in Frankreich so richtig losgetreten und scheint diese auch weiterhin reiten zu wollen. Die Studie Renault 8 Gordini Concept, die in diesem Jahr zu den absoluten Stars auf dem Stand des Herstellers zählt, aber schon einige Wochen früher enthüllt wurde, ist eine Hommage an den Traumwagen der französischen Boy Racer der Sechzigerjahre. Die von dem italienischstämmigen Motorenspezialisten Amédée Gordini aufgemotzten kompakten Limousinen fuhren damals auf den Rallye-Pisten deutlich stärker motorisierten Konkurrenten um die Ohren und boten dank ihrer hecklastigen Auslegung viel Fahrspaß. Bei der Neuinterpretation steckt statt des kleinen Vierzylinders ein Elektromotor im Heck. Das Aggregat leistet 270 PS und macht dem von der Café-Racer-Ästhetik der Custom-Motorrad-Szene inspirierten Zweisitzer mächtig Beine. Während das historische Original immer mit vier Türen vorfuhr, handelt es sich bei der Studie um ein zweitüriges Coupé.

 

Renault E-Space Concept

Neigt sich der SUV-Trend dem Ende zu? Renaults Studie eines Vans mit drei Sitzreihen, quasi ein variables Wohnzimmer auf Rädern, kann als Indiz dafür gewertet werden. Die Franzosen hatten 1984 mit dem ersten Espace das Segment der europäischen Großraumvans begründet und zugleich einen Designklassiker geschaffen: Mit seiner geradlinigen, kantigen Optik und der nach vorne geneigten Front wurde er oft mit dem TGV verglichen, dem damaligen technologischen Aushängeschild der Grande Nation. Nachdem Renault den Espace mit der aktuellen Generation zu einem schnöden SUV mutieren ließ, haben die Designer den Urahn nun in die Moderne übersetzt. Zugegeben, im direkten Vergleich wirkt das Concept Car deutlich rundlicher, wohl auch aus Gründen der Aerodynamik. Im lichtdurchfluteten Innenraum des 4,70 Meter langen Vans warten sechs Einzelsitze auf einem komplett flachen Boden auf die Passagiere. Die beiden Sitze der zweiten Reihe lassen sich um 180 Grad drehen und bilden mit der dritten Reihe eine Vierergruppe, die Renault selbst „Carré TGV“ nennt. Fahrer und Beifahrer blicken derweil auf den riesigen Bildschirm OpenR Panorama. Technische Daten zum Antrieb hat Renault nicht veröffentlicht, eine Serienversion ist aktuell nicht geplant. Da sich geräumige Business-Shuttles in China aber großer Beliebtheit erfreuen, kann man das E-Space Concept durchaus als Vorzeichen für ein Van-Comeback auch in Europa deuten.

Fotos: Stellantis / Renault Group

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