

Das Duell um den Titel „evo Car of the Year“ des britischen Sportwagen-Magazins evo war 2007 ein bemerkenswert enges Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Sportwagenphilosophien. Mit dem Ferrari 430 Scuderia und dem Porsche 911 GT3 RS der Generation 997.1 traten zwei besonders fahrerorientierte Varianten ihrer Baureihen gegeneinander an. Der Porsche ging mit 95,7 zu 94,9 Punkten knapp als Sieger hervor. Beide verband ihre Nähe zum Motorsport, doch sie gingen unterschiedliche Wege: Porsche setzte auf mechanische Präzision, Ferrari auf die Übertragung aktueller Formel-1-Technologie auf die Straße.


Mit dem Facelift der 997-Baureihe bekam der GT3 RS zum Modelljahr 2010 eine Überarbeitung, die weit mehr als eine sanfte Modellpflege war. Der Hubraum des freisaugenden Sechszylinder-Boxers wuchs von 3,6 auf 3,8 Liter, die Leistung stieg von 415 auf 450 PS. Das Gewicht von unter 1,4 Tonnen, die hydraulische Lenkung, das präzise Sechsgang-Schaltgetriebe und der bei 7.900 Umdrehungen seine Höchstleistung erreichende Saugmotor prägen den Charakter des 997.2 GT3 RS bis heute.
Vor allem das unmittelbare Einlenkverhalten, die mechanische Präzision der Schaltung und der mit steigender Drehzahl immer präsentere Klang des Boxermotors zeigen, wie konsequent Porsche das RS-Konzept auf die Interaktion mit dem Fahrer ausrichtete. Ein Porsche-Testfahrer soll den 997.2 GT3 RS in 7:33 Minuten um die Nordschleife gefahren haben – rund 15 Sekunden weniger als die von sport auto gemessenen 7:48 Minuten des Vorgängers. Aufgrund unterschiedlicher Bedingungen ist der Vergleich allerdings nur eine grobe Orientierung.

Ferrari verfolgte mit der Performance-Variante seiner damaligen V8-Berlinetta, die Michael Schumacher im September 2007 auf der IAA enthüllte, eine andere Philosophie. Statt wie Porsche ein über Jahrzehnte bewährtes Rezept weiter zu verfeinern, standen in Maranello die Zeichen auf Fortschritt. Schumacher war nach dem Ende seiner ersten Formel-1-Karriere auch an der Entwicklung und Abstimmung des 430 Scuderia beteiligt.
Das beste Beispiel für Ferraris technologischen Ansatz ist das automatisierte Sechsgang-Getriebe. Es ermöglicht Gangwechsel in nur 60 Millisekunden, lässt den Schaltvorgang aber deutlich spüren – im Gegensatz zur klassischen, für ihre Präzision gefeierten Porsche-Handschaltung.


Gerade diese heute beinahe archaisch wirkende Direktheit gehört zum Reiz des Ferrari. Das Single-Clutch-Getriebe schaltet nicht so nahtlos wie ein modernes Doppelkupplungsgetriebe, sondern macht den mechanischen Vorgang selbst zu einem Teil des Fahrerlebnisses. Die vermeintliche Imperfektion wird zur Emotion.
Ähnliches gilt für den 510 PS starken 4,3-Liter-V8. Ferrari sparte nicht nur Gewicht, sondern auch Dämmmaterial. Motorgeräusch und Vibrationen erreichen die Insassen mit bemerkenswerter Unmittelbarkeit. Je nach Gaspedalstellung und Drehzahl verändert der V8 seinen Charakter deutlich – bis hin zum hochfrequenten Klang in den oberen Drehzahlregionen.


Beide Autos waren bei ihrem Erscheinen technisch hochmodern. Heute faszinieren sie gerade durch Eigenschaften, die ihre Nachfolger zunehmend hinter sich ließen: hochdrehende Saugmotoren, wenig Isolation und die direkte Verbindung zwischen Fahrer und Maschine. Der Porsche bietet die Perfektion einer Handschaltung, der Ferrari die spürbare Mechanik seines automatisierten Getriebes.
Die weiten Flächen unterstreichen ihre unterschiedlichen Proportionen: hier der kompakte, heckmotorisierte Porsche mit roten RS-Akzenten, dort der flache Mittelmotor-Ferrari in Bianco Avus. So ähnlich ihre Zielsetzung gewesen sein mag, so unterschiedlich fühlt sich ihre Umsetzung an. Der Porsche überzeugt mit Präzision, einer außergewöhnlich guten Handschaltung und dem harmonischen Zusammenspiel aller Bedienelemente. Der Ferrari ist lauter, rauer und dramatischer. Man sitzt tiefer im Auto, der V8 ist akustisch wie physisch ständig präsent, und selbst das Getriebe trägt mit seiner Eigenart zum Erlebnis bei.

Gerade nebeneinander wird deutlich, dass die beiden weniger direkte Alternativen als zwei Antworten auf dieselbe Frage waren: Wie viel Rennsport lässt sich auf die Straße übertragen? Porsche beantwortete sie mit evolutionärer Präzision, Ferrari mit Technologie und Drama.
Die beiden von Moritz Werner Seite an Seite gestellten Exemplare verbindet nicht nur ihre weiße Farbgebung – Bianco Avus beim Ferrari, Carrara-Weiß beim Porsche –, sondern auch die deutsche Erstauslieferung und ihre niedrigen Kilometerstände. Beim 997.2 GT3 RS aus erster Hand, Baujahr 2010, stehen 19.875 Kilometer auf der Uhr, während der 430 Scuderia von 2008 erst 4.500 Kilometer gelaufen ist.
Damals ging es darum, welcher der beiden schneller, präziser oder moderner war. Heute ist vielleicht interessanter, wie unterschiedlich Porsche und Ferrari ein Fahrerlebnis geschaffen haben, das in dieser Form kaum noch gebaut wird.



















































