Lamborghini bringt das analoge Supercar zurück an die Spitze

Als Autodesigner und Supercar-Experte ist Chris Hrabalek überzeugt, dass die Ära der Hybrid-Supersportwagen vier Jahre nach dem Debüt von LaFerrari, McLaren P1 und Porsche 918 Spyder auch schon wieder vorbei ist. Sein Beweis? Der neue Lamborghini Huracán Performante!

2017 wird als jenes Jahr in die Automobilgeschichte eingehen, in dem mechanische Autos zum Gegenangriff ansetzten. Nach den Zeiten, in denen Hersteller ihre Kunden vor allem im Zusammenhang mit limitierten Hypersportwagen mit Begriffen wie Effizienz, Reduktion und Nachhaltigkeit belehrten, war es eine Handvoll italienischer Enthusiasten zu verdanken, dass alle wir alle wieder bei Sinnen sind.

Der Glaube, dass man Rundenrekore nur noch mit batteriebetriebenen Supersortwagen aufstellen kann, wurde jüngst mit der Nordschleifenumrundung des Lamborghini Huracán Performante in nur 06:52.0 Minuten scharf ausgebremst. Die tapferen Männer aus Sant'Agata Bolognese haben uns gezeigt, dass man wirklich nur einen mächtigen V10-Motor, einen geräuschvollen Auspuff und ein paar Liter bösen Benzins braucht, um Herzen in Wallung zu bringen, Gänsehaut-Feeling zu erzeugen und den Rundenrekord am Nürburgring purzeln zu lassen. Jüngste limitierte Autos für Puristen wie der Ferrari F12 TdF und der Porsche 911 R haben bewiesen, dass die Kunden sowieso lieber die Romantik vergangener Tage zeebrieren, als den Unsicherheiten der Zukunft ins Auge zu blicken. Zugleich untermauerten sie das Argument, dass maximale Pferdestärken, Leistungsdaten und Rundzeiten nicht die einzigen Trümpfe der Industrie sind. Mit der Nordschleifenrunde des Lamborghini Huracán Performante werden die Argumente für den Hybrid doch weniger.

Eines der Geheimnisse hinter Lamborghinis „magischer Sechs” ist das aerodynamische Konzept, dass sich hinter dem Kürzel ALA verbirgt – Aerodynamica Lamborghini Attiva, wobei „ala” zugleich das italienische Wort für Flügel ist.  Das ALA-System nutzt zwei unabhängig betriebene Klappen im vorderen Splitter sowie zwei intelligenten Aero-Kanälen, die durch die Motorhaube zu den inneren Streben des Heckspoilers und von dort zur Unterseite des Flügels geführt werden. Aktiv innerhalb von zwei Zehntelsekunden, debütiert mit ALA auch ein neues Konzept mit Namen „Aero Vectoring”, das im Inneren einer Kurve mehr Abtrieb am Heck verspricht, sowie der Corsa-Modus, der mittels Knopf am Lenkrad aktiviert wird. Wenn die Klappen am Heckflügel einseitig geschlossen werden, entsteht ein Giermoment, welches das Fahrzeug förmlich in und aus einer Kurve heraus katapultiert. 

Im Hinblick auf das Design präsentiert der Lamborghini Huracán Performante seinen leistungsgesteigerten Auftritt ohne optische Abstriche der spannungsreichen Oberflächen des ursprünglichen Modells. Wenn man das Auto aus Dreiviertelsicht betrachtet, beeindruckt das wunderbar gestaltete Heck mit den höher angesetzten Endrohren oberhalb eines großzügigen Diffusors. Julius Kruta, langjährigr Pebble Beach-Juror und Hüter der Tradition bei Bugatti, schrieb einmal, dass Automobilkultur dort beginnt, wo der Einsatz eines Autos ausschließlich dem Genuss des Fahrens gilt. Man braucht kein Ziel, der Weg dahin genügt völlig. Die Zeit allein weiß, für welches Auto wir uns entscheiden, um unseren Gefühl Ausdruck zu verleihen. Aber jetzt gilt zumindest für einige unter uns, dass es ein Modell mit einem angriffslustigen Stier im Emblem sein wird. Einer, der sich genüsslich von schwarzem Gold ernährt.

Fotos: Lamborghini