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Deutschlands radikalstes Supercar schrieb Top Gear-Geschichte

Roland Gumpert, einer der Väter von Audis „quattro"-Antrieb, baute mit dem Apollo in den 2000er-Jahren einen FIA GT-Rennwagen mit Straßenzulassung, der nicht nur von Richard Hammond Lob erntete, sondern auch lange Rekordhalter war. Gumperts persönlicher Prototyp wird bald von Aguttes versteigert.

 

Als internationaler Enthusiast hat man bezüglich der Zentren der deutschen Automobilindustrie vor allem das Schwabenland, Bayern sowie Niedersachsen im Kopf. Doch auch den Osten sollte man nicht unterschätzen – allen voran Thüringen, das einstige Herz der DDR-Automobilwirtschaft. Hier laufen nicht nur immer noch Opel vom Band; von 2005 bis 2012 wurde im beschaulichen Altenburg auch eines der brachialsten Supercars aller Zeiten gefertigt, das in Sachen Leistungsgewicht sogar Ikonen wie den Mercedes-Benz CLK GTR oder Porsche 911 GT1 in den Schatten stellt.

Bei dem nur 1,1 Tonnen schweren und mindestens 650 PS starken Gumpert Apollo handelte es sich um das Herzensprojekt eines der bedeutendsten Köpfe in der Automobilgeschichte der Bundesrepublik. Roland Gumpert war in den Siebzigerjahren an der Entwicklung des Allrad-Geländewagens VW Iltis beteiligt und hatte später maßgeblichen Anteil an der Serienreife des bahnbrechenden „quattro"-Antriebs von Audi, der nicht nur den Rallyesport revolutionierte, sondern auch den Grundstein für Audis Wandel von einer eher biederen Buchhalter-Marke zum international erfolgreichen Premium-Hersteller legte.

 

Der Ingenieur nutzte seine Expertise ab 2002, um einen Rennwagen mit Straßenzulassung zu entwickeln, und setzte dabei auch auf die Technik seines ehemaligen Arbeitgebers. 2004 wurden noch in Ingolstadt erste Prototypen vorgestellt, die nicht nur für Test-, sondern auch für Werbezwecke dienten. Während das weiß lackierte Exemplar mit einem Journalisten hinter dem Steuer verunfallte, nahm der rote Versuchsträger bereits im März 2005 an einem Rennen teil. Das Motorsport-Debüt des Apollo wurde den hohen Erwartungen gerecht – der Belgier Ruben Maes fuhr mit ihm beim Divinol-Cup in Hockenheim aufs Podium und belegte auf Anhieb den dritten Platz.

Das Spannende dabei – sowohl den Hin- als auch den Rückweg soll das Auto auf eigener Achse zurückgelegt haben – der Prototyp war nämlich auch der erste Apollo, der für den öffentlichen Straßenverkehr homologiert wurde. Genau dieses Exemplar – einer der geschichtsträchtigsten Apollo überhaupt – bringt das französische Auktionshaus Aguttes am 10. Oktober bei seiner „Autoworld 2026"-Versteigerung in Brüssel unter den Hammer. Die große historische Bedeutung spiegelt sich auch in dem Schätzpreis von 550.000 bis 750.000 Euro wider.

 

Der Wagen mit der Fahrgestellnummer 81009 befand sich seit seiner Fertigstellung vor 22 Jahren im Besitz von Roland Gumpert und wird jetzt zum ersten Mal veräußert. Für Vortrieb sorgt ein 4,2 Liter großer Biturbo-V8, der in seinen Grundzügen auf eine Audi-Konstruktion zurückgeht, aber umfangreich modifiziert wurde. In dem angebotenen Prototyp entwickelt er die standardmäßigen 650 PS und 850 Newtonmeter Drehmoment; in seiner höchsten Ausbaustufe gab das Aggregat eine Leistung von stolzen 800 PS über ein sequenzielles Sechsganggetriebe an die Hinterräder ab.

 

Kurz vor Weihnachten 2005 wurde im Thüringer Gumpert-Werk die Serienfertigung aufgenommen. Ursprünglich war sie auf eine Jahresproduktion von 60 Autos ausgelegt worden, dieses Ziel wurde aber weit verfehlt. Eine offizielle Produktionsstatistik liegt zwar nicht vor, es sollen innerhalb von knapp sieben Jahren aber nur circa 70 Apollo entstanden sein. Den Verkaufsflop und die daraus resultierende Insolvenz des Unternehmens im Jahr 2013 konnte auch ein spektakulärer TV-Auftritt nicht abwenden, mit dem sich der Apollo in das Gedächtnis von Petrolheads weltweit verewigte.

 

Und das lag nicht nur daran, dass Richard Hammond die Performance des Apollo in höchsten Tönen lobte, sich gleichzeitig aber auch über das Design ausließ. Vor allem aber brannte in einer am 27. Juli 2008 erstausgestrahlten Top-Gear-Episode der mysteriöse Testfahrer „The Stig" mit der 700-PS-Version des Apollo auf der Hausstrecke der legendären Show eine Zeit von 1:17,1 Minuten in den Asphalt, womit er den bisherigen Rekord des Ascari A10 um 0,2 Sekunden unterbot und sich somit an die Spitze des sogenannten „Power Lap Boards" setzte. Damit hatte der Leichtbau-Exot aus Ostdeutschland deutlich stärkere Giganten wie den Bugatti Veyron oder Pagani Zonda hinter sich gelassen. Erst zwei Jahre später sollte Gumperts Kreation von der 1.200 PS starken Super-Sport-Version des Veyron vom Thron gestoßen werden.

 

 

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