Man übertreibt nicht, wenn man feststellt, dass das 20. Jahrhundert aus der Sicht von Ferrari sehr erfreulich endete. Michael Schumacher hatte sich 1996 dem Formel-1-Team angeschlossen und 1999 gewann die Scuderia die Konstrukteurs-Meisterschaft. Abseits der Rennstrecke sah es auch nicht schlecht aus: 1996 hatte der allseits bewunderte Ferrari 550 Debüt gefeiert, nur zwei Jahre nach unserem heutigen Highlight: ein freundlicherweise von Modern Classic Collective zur Verfügung gestellter Ferrari F355.


Lackiert im atemberaubenden Gelbton „Giallo Modena“ und ab Werk mit einem lederbezogenen Überrollbügel und dem (für uns) unverzichtbaren Handschaltgetriebe ausgestattet. Startbereit als famose Fortsetzung unserer letzten Nachtfahrt in einem Porsche 964 Turbo S Leichtbau und die ideale Wahl für eine nächtliche Spritztour rund um Kapstadt, bei der wir die Sehenswürdigkeiten und Klänge der „Mother city“ aufsaugen wollen.


Unsere Reise beginnt in der Abenddämmerung am Table View – jenem Punkt am Weststrand, von dem aus der Blick über die Tafelbergbucht auf den berühmten Tafelberg und die City von Kapstadt schweift. Die Sonne versinkt gerade hinter dem Horizont und taucht die Bucht in ein wunderschönes Licht, wodurch der gelbe Lack des F355 besonders zur Geltung kommt. Obwohl über 11.000 Exemplare dieser Mittelmotor-Schönheit in Maranello gefertigt wurden, gehört dieses Exemplar zu einer deutlich selteneren Untergruppe von weniger als 500 rechtsgelenkten Berlinettas mit Schaltgetriebe. Von denen dann wiederum nur ein kleiner Teil in Gelb lackiert wurde.


Im Nachhinein betrachtet verkörpern die F355-Modelle die Krönung moderner Ferrari-Klassiker. Mit einem fortschrittlichen 3,5-Liter-V8 mit fünf Ventilen pro Zylinder, dessen 375 PS einen nur 1350 Kilo schweren Sportwagen mit für heutige Verhältnisse geradezu kompakten Abmessungen antrieb. Unser Fotoauto, ausgestattet mit einer Auspuffanlage im Tubi-Stil, klingt noch besser, als es aussieht. Nachdem wir unsere Parkposition für die perfekten Beauty Shots verlassen haben, können wir das F355-Drehzahllimit von 8.500 U/min genießen, während wir über die R27 in Richtung Kapstadt düsen.


Unser Ziel ist es, die Tafelberg Road – die vorbei an der Seilbahnstadion am Fuße des Tafelbergs entlangführt – rechtzeitig zu erreichen, um die Lichter der Stadt aus einer völlig anderen Perspektive als vom Strand und der Bucht zu genießen. Doch eines der berüchtigtsten Wetterphänomene Kapstadts droht unser Vorhaben zu gefährden. Ein Südostwind, der gegen die Berghänge weht und Feuchtigkeit in die kältere Luft treibt. Er bildet die sogenannte „Tischdecke“ – eine Decke aus orografischen Wolken, die sich über den Gipfel des Tafelbergs legt.


Zum Glück hat der F355 eines im Überfluss: Tempo. Wir erreichen unser Ziel rechtzeitig, um die Aussicht auf die Lichter der Stadt einige herrliche Minuten lang zu genießen. Ehe die Wolken dieser fabelhaften Nachtfahrt ein Ende setzen.
Fotos von Mikey Snelgar





















































