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350.000 Franken für ein Mercedes-Cabrio? Das könnte ein Schnäppchen sein!

Klassiker der Sechziger- und Siebzigerjahre verlieren am Markt an Bedeutung? Von wegen! Das Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet löste dieses Jahr bei mehreren Auktionen Bieterstürme aus. Dieses blau-in-blau gehaltene Exemplar, das Emil Frey Classic Auctions versteigert, wirkt dagegen fast schon günstig.

 

Wenn man sich die internationalen Sammlerauto-Versteigerungen anschaut, ist 2026 auf dem besten Wege, als Rekordjahr in die Geschichte einzugehen. Dabei ist eine deutliche Verschiebung des Interesses erkennbar, hin zu in den Neunzigern oder 2000ern gebauten Sportwagen-Ikonen aus dem Hause Ferrari oder Porsche, mit denen vor allem bei Veranstaltungen in den USA Rekordsummen erzielt wurden. Die absolute Topversion der W111-Baureihe, das 280 SE 3.5 Cabriolet, beweist jedoch, dass auch etablierte Klassiker aus früheren Epochen und eher komfortorientierte Autos, die mit sportlichen Allüren bewusst nichts am Hut haben, heutzutage immer noch beachtliche Preissprünge verzeichnen können.

Im September 1969, also erst gegen Ende der Bauzeit eingeführt, hob der neu entwickelte und 200 PS starke M116-V8 das erhabene Fahrgefühl des offenen Luxusgleiters nochmals auf eine neue Ebene – das 3,5-Liter-Aggregat bestach nicht nur durch seine erstklassige Laufruhe, sondern auch durch sein sattes Drehmoment, das einen elastischen Durchzug schon aus dem Drehzahlkeller heraus ermöglichte. In Kombination mit der tadellosen Verarbeitung, dem großzügigen Platzangebot und dem wogenden Federungskomfort sowie der umfangreichen Ausstattung inklusive Klimaanlage und Servolenkung wird die Frischluft-Version des S-Klasse-Vorläufers so zum ultimativen Boulevard-Cruiser gekrönt. Sein stattliches, aber gleichzeitig zeitloses Erscheinungsbild macht ihn auch heute noch zum Star jedes Country-Club-Parkplatzes.

 

Bis 1971 wurden nur 1.232 Cabriolets mit dieser Topmotorisierung bestückt, weshalb das Preisniveau seit jeher hoch ist. In diesem Jahr lässt sich bei der Preiskurve jedoch ein besonders deutlicher Sprung nach oben beobachten: Wechselten die besten Exemplare zu Jahresbeginn noch für rund 250.000 bis 400.000 Dollar den Besitzer, schnellten die Ergebnisse über den Sommer auf ein neues Niveau – eine Entwicklung, an der auch die Auktionen im Rahmen der Monterey Car Week ihren Anteil haben.

Während sich ordentliche Autos in einem Bereich zwischen 150.000 und 250.000 Euro bewegen, kosten herausragende Exemplare mit niedrigen Laufleistungen mittlerweile eine halbe Million Euro oder vereinzelt sogar mehr. Am 15. August versteigerte das Auktionshaus Mecum im kalifornischen Monterey ein von Brabus erstklassig restauriertes Exemplar für beachtliche 770.000 Dollar (umgerechnet rund 663.000 Euro) – ein neuer öffentlicher Auktionsrekord für das Modell, der die bisherige Bestmarke von 676.000 Dollar aus dem Jahr 2022 deutlich übertrifft. Auch in Europa wurden bereits ähnliche Preise erzielt – so am 4. Juli dieses Jahres bei der Tegernsee-Auktion von RM Sotheby's, bei der ein kürzlich restaurierter Wagen aus dem finalen Produktionsjahr für 635.000 Euro den Besitzer wechselte.

 

Im Vergleich zu den Ausreißern nach oben ist der Schätzpreis von 290.000 bis 340.000 Schweizer Franken (308.905 bis 362.164 Euro), den Emil Frey Classic Auctions für eines der 347 Exemplare aus dem Baujahr 1971 aufruft, fast schon günstig. Dabei besticht der Wagen mit einer moderaten Laufleistung von 46.000 Kilometern und einer attraktiven Farbgebung in Blau über Blau mit einem farblich passenden Verdeck. Er befindet sich seit 15 Jahren in der Hand desselben Besitzers und verfügt über eine Schweizer Veteranen-Zulassung. Versteigert wird er im Rahmen einer Online-Auktion, die am 3. Oktober endet – man darf gespannt sein, ob auch dieses 280 SE 3.5 Cabriolet mit seinem Ergebnis für Staunen sorgen wird.

 

 

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