Bristol 406 Zagato: Charismatischer Klassiker oder klassischer Fauxpas?

Zagatos schrulliges und teilweise radikales Design spaltete oft die Meinungen. Doch gingen die Italiener mit dem Entwurf des Bristol 406 Zagato einen Schritt zu weit? Sie dürfen entscheiden…

Auch die Meinungen in der Classic-Driver-Redaktion drifteten bei diesem Entwurf auseinander. Trägt das 1960er Coupé nun ein unkonventionelles, charismatisches Design, also die perfekte Handschrift des berühmten italienischen Designhauses? Oder ist es eine missglückte anglo-italienische Komposition mit seltsamen Proportionen und zu vielen ausgefallenen Details?

Hinsetzen und herausstechen

Bristols damaliger Konzessionär und baldiger Geschäftsführer Anthony Crook war geradezu fanatisch bedacht auf die Alleinstellungsmerkmale seiner Wagen und die Frage, wer denn einen dieser Bristol überhaupt kaufen dürfe. Der Kundenstamm des Konstrukteurs war gelinde gesagt handverlesen – unter den Besitzern befanden sich Peter Sellers, Bono und Sir Richard Branson, um nur einige zu nennen. Und jedes einzelne verkaufte Auto war individuell und über alle Maßen luxuriös. Wer einen Bristol zu Gesicht bekam, vergaß ihn nie. Diese Tatsachen machten verkaufsfördernde Maßnahmen wie Werbung oder etwa aufwändige Messestände schlicht unnötig.

Zagatos Bristol 406 sollte die gleiche Fackel tragen, ungeachtet welcher Designer dahinter stand. Crooks Briefing für das Coupé war simple, aber präzise: Die Variante sollte für diejenigen geschaffen werden, die einen noch schnelleren Wagen als den Standard-406 bevorzugten, doch gleichzeitig von der gleichen Zuverlässigkeit und sogar gesteigerter Flexibilität profitieren wollten. Dass Crooks zusätzlich mehr Raum im Fond verlangte – er war der Meinung, dass dies vielen Grand-Tourern fehlte –, machte die Sache mit den Proportionen nicht einfacher.

Crooks Kurven

So wurden Crooks Anforderungen von Zagato bei bestem Willen erfüllt. Herausragend war dabei das Thema Leistungsoptimierung gelöst, reduzierten die Italiener das Gewicht des Bristol 406 doch um satte 260 Kilogramm. Aber, so fragen wir uns heute, gingen bei diesem Auftrag die Prinzipien Zagatos in der Umsetzung verloren? In unseren Augen kompensiert zumindest das charismatische Double-Bubble-Dach das leichenwagenähnliche Profil der Cockpit-Kanzel mit ihrer steil abfallenden C-Säule. Das Auto ist wiederum immer noch deutlich als Bristol zu identifizieren und es birgt einige attraktive Designdetails, die gut in das Gesamtbild integriert wurden, wenn auch teilweise zu subtil, um besonders hervorzustechen.

Das hier gezeigte Exemplar ist eines von nur vier je gebauten 5-Sitzer-406-Zagato. Der Wagen wurde 1959 bei der Earls Court Motor Show vorgestellt, bevor er durch Anthony Crook Motors an ein bekanntes Mitglied des Bristol Owners’ Club verkauft wurde. Kürzlich umfassend restauriert, bringt der Bristol eine detaillierte Historie mit sich. „NPK 120“ kommt am 27. Juni 2014 bei der Bonhams-Auktion im Rahmen des Goodwood Festival of Speed zum Aufruf. Wir sind uns sicher, dass der zukünftige Besitzer sich über die Flexibilität und den zusätzlichen Platz im Innenraum freuen wird. Doch wird er sich auch positiv über das Styling des Wagens äußern? Die Tatsache, in den heiligen Club der Bristol-Fahrer aufzusteigen, sollte ein positives Urteil jedenfalls begünstigen.

Photos: Bonhams

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