Showtime in den Alpen mit diesem pistentauglichen Superpanda

Von Nonnas Einkaufswagen zum Darling des Jetsets und Supermodel der Individualisierer – der Panda 4x4 erlebt gerade eine steile zweite Karriere. In St. Moritz, dem Epizentrum der Panda-Bewegung, entdeckten wir nun diesen coolen, von Kessel entwickelten Restomod. Natürlich wollten wir mehr wissen.

Wir schreiben das Jahr 1988, es ist ein kalter und sonniger Wintertag in St. Moritz – und du hast die beste Zeit deines Lebens! Während dein Vater am Morgen seine Knickerbocker angelegt hat, um sich mit Gunter, Gianni und den anderen Gentlemen aus dieser verschworenen Gemeinschaft den Eiskanal des Cresta Run hinunterzustürzen – where women cease from troubling and the wicked are at rest –, hast du dich einer anderen Spielart des Wintersports verschrieben. Nachdem dir gestern Nacht Dante – brühmt-berüchtigter Herr über den King‘s Club, den nächtlichen Hotspot im Keller des Palace Hotels – Zugang gewährt hat, hast du zunächst die It Crowd mit deinen Tanzkünsten betört. Schließlich hast du im letzten Jahr regelmäßig den Unterricht an deinem britischen Elite-Internat geschwänzt, um an der Technik à la Travolta zu feilen. Bezüglich der genauen Details des weiteren Verlaufs der Nacht bleibt dein Erinnerungsvermögen vage, aber an eines kannst du dich erinnern: Diese unbekannte Schönheit, mit der du gemeinsam die Tanzfläche erobertest – und die in einer Wolke aus Disconebel verschwand. 

Heute Morgen, gerade als du die Taschen deiner grünen Samtjeans von Newman – kann man überhaupt noch eine andere Hose tragen? – ausleerst, kam ein Streichholzbriefchen mit der Telefonnummer der Schönen zum Vorschein. Und schon klemmtest du dich an den Hörer. Nun blinzelst du übernächtigt durch deine Ray Bans in das hochalpine Licht und hörst sie schon die verschneite Via Suvretta hochbrummen. Die neueste Single der Pet Shop Boys dröhnt aus dem Kassettenradio ihres Fiat Panda 4x4 Sisley Edition. Sie driftet geschickt in deine Einfahrt, kurbelt das Fenster runter und gewährt dir mit einem perlweißen Lächeln die Mitfahrt zu einer Spritztour. Ein dezenter Blick aus den Augenwinkeln verrät dir, dass ihr Skianzug von Bogner auf den Leib geschneidert sein muss. Voll aufgedreht, so dass die Bässe die Fenster zum Vibrieren bringen, saust ihr den Hügel hinauf – nichts im Sinn als Sonne, Schnee und Spass! 

Wir verlassen diese nostalgische Fantasie und machen einen Zeitsprung in das Jahr 2021. Wieder ist es ein kalter und sonniger Tag in St. Moritz. Der Style und die Sounds der achtziger Jahre sind längst verklungen und die Tanzfläche des Palace ist wegen Covid-19 verwaist. Aber Snowtime bleibt Showtime – man muss nur socially distant am Steuer des passenden Wintermobils sitzen. Und immer noch – oder besser gesagt wieder – ist der Fiat Panda 4x4 das coole Auto überhaupt, um die verschneiten Straßen des Engadin zu entdecken. Leicht, agil wie ein Go-Kart und mit den für enge Alpenkurven idealen kompakten Außenmaßen gesegnet, wuselt dieses von Giugiaro gezeichnete kleine Allradwunder mit wesentlich mehr Geschick über die Alpenpässe um St. Moritz, als die tonnenschweren 600 PS-Grand Tourer, welche sich auf den Zufahrten zu dem mondänen Skiort stauen. Wenn dann noch ein Sisley-Logo auf der Flanke prangt, dann muss man sich beim Verlassen des eigenen Chalets meist ein Weg durch die Belagerung der Blue Chip-Sammler bahnen, die sich mit Höchstpreisen überbieten. Gleichzeitig hat der Fiat Panda-Kult ein ganz neues Level erreicht: Im Lauf der letzten zwei Jahre ist der Markt für sonderangefertigte Panda nahezu explodiert. Garage Italia beispielsweise hat in der Bewegung Funken versprüht mit dem vollelektrischen Restomod, während Larusmiani beim ersten Classic Driver Panda Meet in St. Moritz ein stilvoll ausgekleidetes Interieur präsentierte. 

Das rief natürlich auch unsere Freunde bei Kessel auf den Plan. Der von dem in Lugano beheimateten Ferrari-Händler, Rennstall und Restaurierungsexperten entwickelte Fiat Panda 4x4 Showtime basiert zwar tatsächlich auf einer Sisley Edition, wurde aber bis ins letzte Detail individualisiert – auch wenn man das erst auf den zweiten Blick erkennt. Der burgunderrote Lack ist keine serienmäßige Fiat-Farbe der späten achtziger Jahre, wie man vielleicht denken könnte, sondern heißt „Cricketball“ und entstammt der Bentley-Palette. Innen wurde das bescheidene Cockpit mit seinen ursprünglichen Textil- und Kunststoffelementen durch opulentes zweifarbiges Leder in Burgundy und Cream mit Kontraststickerei ersetzt, dass die vor dem Badrutt‘s geparkten Rolls-Royce locker in den Schatten stellt. Selbst der Himmel wurde in Leder ausgeschlagen und auf den Gurten prangt selbstbewusst die „Showtime“-Signatur. Der Namen ist übrigens eine Verbeugung vor Firmenchef Ronnie Kessels und seinem Lieblingsausruf, wenn mal wieder etwas völlig nach Plan läuft. Wie wir Ronnies Arbeitsethos und Sinn für Perfektion kennen, dürfte man dieses Wort häufiger in Kessels Werkstätten hören!

„Wir streben immer nach dem optimalen Resultat“, sagt uns Ronnie. „Egal ob wir einen Ferrari restaurieren – oder eben einen Fiat Panda.“ Gemäß Kessels Anspruch wurde der Showtime-Panda nicht nur einem kosmetischen Treatment unterzogen, sondern auseinander genommen und dann wieder mit Originalteilen aufgebaut. Das Fahrwerk wurde verstärkt sowie eine Reihe von kleineren Optimierungen vorgenommen. Öffnet man die Motorhaube, kommt die originale 1-Liter-Maschine zum Vorschein, die nicht getunt, aber bei der Gelegenheit dezent optimiert worden ist. Die einzige Gemeinsamkeit mit den anderen, etwas leistungsfähigeren Sportwagen, die sonst in Kessels Garage parken, ist die signalrote lackierte Motorhaube im Testarossa-Look. Kessels Panda mag vielleicht die Power eines Ferrari vermissen lassen – aber kann man sich von den Bässen durchpusten lassen: ausgestattet mit einem Retrofit-Stereosystem mit massiven Tieftönern und mit einem Bluetooth-Radio verbunden, macht der kleine 4x4 seinem Namen alle Ehre.

Wir werden in St. Moritz für eine Ausfahrt im Showtime-Panda von der Schweizer Musikerin Honor abgeholt, die zu diesem Anlass einen retro-inspirierten Skianzug mit neonfarbenem Camouflagemuster und schneeweißen Moonboots trägt. Für einen kurzen Augenblick wirkt es, als seien wir durch ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum zurück nach St. Moritz im Jahr 1988 gereist – bis unsere Fahrerin nach ihrem Smartphone greift und den nächsten Dancetrack auf Spotify anklickt. Die Baseline gibt uns einen elektrisierenden Klaps in den Nacken und schubst uns fröhlich vorwärts, zurück ins Jahr 2021. 

Gerade fragen wir uns, wofür der Panda einen Dachträger braucht – da halten wir auch schon vor Pavarotti’s Wine Bar, wo Bryan Mainente – dessen türkisfarbener Panda zu den Sehenswürdigkeiten von St. Moritz gehört – uns mit einigen farblich abgestimmten Kisten Krug Vintage erwartet: Wir sollen bei einer Notfall-Auslieferung des Champagners für einen geheimnisvollen Kunden, der irgendwo in den Bergen oberhalb von St. Moritz lebt, behilflich sein. 

Das ist natürlich nichts weniger als der ultimative Test für die Aufhängung des Showtime Panda. Gibt es eine delikatere und fragilere Fracht, als vier Dutzend Flaschen Krug, die beim kleinsten Stoß über unseren Köpfen zu explodieren drohen? Wir beschleunigen den Bernina Pass hoch und bekommen in der dünnen Höhenluft plötzlich Gesellschaft von zwei weiteren Fiat Panda 4x4. Bekanntlich ist der Panda ein geselliges Wesen. Und während unsere kleine Panda-Karawane auf der Suche nach dem Hideaway des mysteriösen Champagner-Enthusiasten vor grandioser Gletscherkulisse ihr kleines Winterballett aufführt, erinnern wir uns mit leiser Wehmut an unser erstes Classic Driver Panda 4x4 Meeting in St. Moritz im Dezember 2019. Wäre das nicht die Idee – unsere Mission abzubrechen und wieder einmal unsere gleichgesinnten Panda-Liebhaber aus ganz Europa herbeizurufen, um ein zweites, champagnerseliges Gipfeltreffen zu feiern?

Leider wollen Panda-Partys und Pandemien nicht so recht zu einander passen, die aktuellen Auflagen erlauben derzeit keine zweite Ausgabe. Doch wir sind überzeugt, dass es bald wieder ein richtiges Showtime für alle stolzen Panda-Eigner aus den Schweizer Alpen und jenseits der Berge geben wird. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Fotos von Andrea Klainguti für Classic Driver © 2021

Haben Sie Lust, Teil der Panda-Bewegung zu werden, nur haben Sie das richtige Auto dafür noch nicht gefunden? Das Kessel-Team freut sich, einen Panda für Sie zu individualisieren, sei es als Showtime oder nach Ihren persönlichen Wünschen.