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Dieser 26 Jahre alte VW fuhr in 24 Stunden einen Schnitt von 322,9 km/h

Im Februar 2002 legte ein Volkswagen W12 auf dem Hochgeschwindigkeitsring von Nardò in 24 Stunden 7.740,5 Kilometer zurück. Nun brachte der vergessene und über 320 km/h schnelle Prototyp beinahe das Internet zum Einsturz, als er für den Concorso d'Eleganza Villa d'Este nach Italien zurückkehrte.

Concorso auftauchte – eine Tatsache, die allein schon ausgereicht hätte, um für Aufsehen zu sorgen. Doch was sich im Laufe des Wochenendes abspielte, ging weit über eine bloße historische Randnotiz hinaus. Der schwarze W12 reiste gemeinsam mit seinem Besitzer Gregor und als zutiefst persönliche Hommage an dessen Vater an – eine Geste mit emotionaler Tiefe, wie man sie im Paddock der Hypercars nur selten erlebt.

Und dann waren da noch Vater und Sohn Giorgetto und Fabrizio Giugiaro. Sie begleiteten das Auto nicht nur, sondern brachten auch die originalen Entwurfsskizzen von Italdesign mit, wodurch sie eindrucksvoll die Brücke zwischen dem ersten Designentwurf und dem Rasen des Concours schlugen.

Was folgte, war eine Art Wachablösung: Ungeachtet von „Unicorns" und Blue-Chip-Sensationen wie einem Ferrari 250 GTO oder einem weiß-goldenen Lamborghini Miura avancierte der keilförmige W12 zum unbestrittenen Star der Show. Er zog unaufhörlich Menschenmassen und Aufmerksamkeit auf sich – als ein beinahe vergessenes, und doch fundamental wichtiges Kapitel der Supersportwagen-Ambitionen von Ferdinand Piëch und dem Volkswagen-Konzern. Allein unser Instagram-Reel verzeichnete über fünf Millionen Aufrufe und unterstrich damit eindrucksvoll, wie stark diese Geschichte bei einer neuen Generation von Enthusiasten Anklang fand, die sie hier zum allerersten Mal für sich entdeckte.

Da verwunderte es kaum, dass sich dieser Volkswagen den Sieg in der Hypercar-Kategorie sicherte und dabei unter anderem einen Bugatti-Veyron-Prototypen schlug, der – selbst aus diesem Ehrgeiz der Piëch-Ära entsprungen – den W12 Nardò später als Volkswagens extremes technisches Statement in den Schatten stellen sollte. Am Anfang dieser Entwicklung stand jedoch das Beharren von Piëch, dass Volkswagen beweisen müsse, weit über die Welt der Großserienproduktion hinaus agieren und mitreden zu können.

Die von Italdesign unter Leitung von Giorgetto Giugiaro entwickelten W12-Mittelmotor-Studien durchliefen eine Reihe von Präsentationen auf großen Automobilmessen: Den Auftakt machte 1997 in Tokio das gelbe W12 Syncro Coupé, gefolgt von einem 1998 in Genf enthüllten Roadster und schließlich der geschlossenen Nardò-Version im Jahr 2001. Jede weitere Evolution schärfte die zugrunde liegende Idee eines vollwertigen Versuchsträgers für eine radikal neue Motorenarchitektur. Im Zentrum stand der mittlerweile legendäre W12, der durch die Zusammenführung zweier VR6-Motoren mit nur 15 Grad Zylinderbankwinkel, als 5,6 Liter großer Saugmotor rund 420 PS entwickelte, der später für die geplanten Rekordfahrten zu einem 6,0-Liter-Biturbo-Aggregat mit etwa 600 PS erstarkte. Da der W12 trotzdem weiterhin kompakt genug blieb, um in ein kaum länger als ein Golf bauendes Mittelmotor-Allrad-Chassis zu passen, war er gleichermaßen eine Übung in punkto Packaging wie Leistung.

Der technische Ehrgeiz gipfelte nicht nur in theoretischen Versprechungen, sondern auch in realer Ausdauer: Im Februar 2002 legte der mattschwarze Prototyp im Rahmen des Testprogramms in Nardò in Apulien binnen 24 Stunden eine Distanz von 7.740,5 Kilometern zurück – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 322,9 km/h. Eine rekordverdächtige Demonstration dauerhafter High-Speed-Kompetenz, die sich selbst heute noch fast absurd liest.

Obwohl einst Gerüchte über eine limitierte Serienproduktion durch Wolfsburg kursierten – zunächst war von 200 Einheiten die Rede, später von 50 –, kam das Projekt letztlich nicht über die Prototypen-Ebene hinaus. Dennoch ist sein Einfluss unbestritten: Die W12-Architektur bildete später die technische Basis für den Bentley Continental GT und den Volkswagen Phaeton und floss indirekt in jene Überlegungen ein, die schließlich im Bugatti Veyron W16 gipfelten. Das in der Villa d'Este gezeigte Fahrzeug verkörpert diesen Moment in seiner reinsten Form: eine private, für die Nachwelt bewahrte Momentaufnahme aus der ambitioniertesten Experimentierphase von Volkswagen.

Für alle, die an der kompletten Geschichte interessiert sind, sprachen wir mit Gregor und Fabrizio Giugiaro in unserem Feature Film – jetzt zu sehen auf YouTube.

 
Fotos: Keno Zache für Classic Driver © 2026

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