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Mehr Porsche als bei Porsche gibt es nur bei Early911S

Seit 2006 hat sich Early 911S zu einer der ersten Adressen für klassische Porsche entwickelt. Hier werden Luftgekühlte auf höchstem Niveau restauriert, erhalten und betreut. Zum 20-jährigen Bestehen sprachen wir mit Firmengründer Manfred Hering über die Zukunft einer außergewöhnlichen Manufaktur.

Der Standort von Early 911S an der Grenze zwischen Wuppertal und Hilden ist weit mehr als eine Werkstatt. In den Gebäudekomplex, in dem der Automobilzulieferer Happich einst unter anderem Komponenten für Porsche fertigte, zog Early 911S 2013 ein, nachdem die ursprünglichen Werkhallen in Wuppertal-Vohwinkel irgendwann zu klein geworden waren.Heute vereint das Unternehmen am neuen Standort Restaurierung, Karosseriebau, Technik, Sattlerei, Teileversorgung und Autobetreuung. Schon auf dem Hof wird die ganze Vielfalt sichtbar: frühe 911 in seltenen Farben und Autos mit Rennsportgeschichte, Modelle mit Fuchs-Felgen und Enten-Bürzel oder 911 S mit Zusatzscheinwerfer machen Lust auf mehr. 

In der Tat ist diese sauber aufgereihte Hofparade nur die Ouvertüre dessen, was den Besucher später in den heiligen Hallen erwartet. Stoßstange an Stoßstange und Türgriff an Türgriff stehen dort Porsche aller Jahrgänge, entweder schon speditionsfertig zur Auslieferung an Kunden oder in Erwartung ihres „Werkstatttermins“. Dazwischen auch Renn-Elfer wie ein Claudia Hürtgen – 993 GT2, ein 993 Carrera-Cup-Auto in USP-Livery, ein 1974 in Le Mans gestarteten 934 oder ein 1967 für die Gulf London Rally genannter 911. Währenddessen arbeiten Spezialisten in zwei weiteren Hallen an Porsche 356, einem 914/6, an frühen 911-Modellen sowie an Typen der letzten luftgekühlten Generationen 964 und 993. Und zwischen allem duckt sich auch noch ein 959!

Ein mehrere Tausend Quadratmeter großes Teilelager bildet das Rückgrat vieler Restaurierungen und bewahrt Komponenten, Wissen und Handwerkskunst, die andernorts längst verloren gegangen sind. Und auf der Rückseite des Gebäudes warten auf Gestellen im Freien aufgeständert Rohkarossen in unterschiedlichen Erhaltungszuständen auf ihre Auferstehung aus dem Dornröschenschlaf.

Zum Interview begrüßt Manfred Hering im kleinen, stilvoll eingerichteten Empfangsbereich von Early911S. Er hat Platz für eine Espressomaschine, eine kleine Bibliothek mit Bildbänden und alten Automagazinen, in Glasvitrinen stehende Automodelle und einen voll restaurierten Zweiliter-911-TR-Motor in all seiner Boxer-Pracht.



Manfred, danke dass Du Dir Zeit genommen hast für ein großes Update zu Early 911S. Elf Jahre sind seit dem letzten Besuch von Classic Driver vergangen, und jetzt feiert Ihr 20-jähriges Jubiläum. Wenn Du auf die Entwicklung in diesem Zeitraum zurückblickst: Was hat sich am stärksten verändert?

Als wir 2013 hierhin gezogen sind, waren wir 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 2015 waren es bereits rund 50, heute sind wir knapp 100. Gleichzeitig ist unser Leistungsspektrum gewachsen. Unser Ursprung liegt zwar bei den frühen 911, aber inzwischen kümmern wir uns um die gesamte Welt der luftgekühlten Porsche - vom 356 über den 914/6 und die 911-Generationen bis zum 959. Entscheidend ist für uns aber nicht die Größe allein. Wir haben in all den Jahren Wissen aufgebaut, Spezialisten ausgebildet und Strukturen geschaffen, mit denen wir auch sehr komplexe Projekte in der Tiefe und mit höchstem Qualitätsanspruch realisieren können.

Welche Projekte stehen beispielhaft für diese Entwicklung?

Aktuell beschäftigen uns unter anderem mehrere Porsche 959. Vor der technischen Komplexität dieses Modells hatten wir immer großen Respekt – und genau deshalb gehen wir das Thema sehr gründlich an. Wir haben Teilebestände übernommen, uns Know-how angeeignet und schaffen so die Voraussetzungen, diesen Porsche-Technologieträger langfristig fachgerecht betreuen zu können. Daneben arbeiten wir an einem grünen Porsche 916, einem von nur elf gebauten Exemplaren. Ein weiteres außergewöhnliches Langzeitprojekt ist ein frühes Versuchsfahrzeug aus dem Umfeld der Dakar-Entwicklung, das wir in der Schweiz gefunden haben. Solche Autos fordern uns fachlich besonders, erzählen aber zugleich bedeutende Kapitel der Porsche-Geschichte.

Wie groß ist Early 911S heute?

Zu unserem Bestand gehören rund 700 Autos. Parallel arbeiten wir an etwa 140 Projekten - von einzelnen technischen oder karosserieseitigen Arbeiten bis zur vollständigen Restaurierung. Mit unseren Standorten und zusätzlichen Flächen kommen wir inzwischen auf insgesamt mehr als 20.000 Quadratmeter. Diese Dimension ist notwendig, weil eine wirklich konsequente Restaurierung sehr viele Gewerke, Teile, Dokumentation und vor allem Zeit benötigt.

Was hat sich bei der Infrastruktur getan?

Wir haben unsere Möglichkeiten sukzessive erweitert. Dazu gehören ein Lackierbetrieb in Wülfrath, in dem wir auch historische Lacksysteme fachgerecht verarbeiten können, und ein Betrieb für Werkzeugbearbeitung mit CNC-Fräsmaschinen. Hinzu kommt unser Storage-Angebot, derzeit für rund 60 Autos. Eine weitere Halle für etwa 140 Autos ist geplant. Dadurch gewinnen wir am Hauptstandort zusätzlichen Raum für sechs weitere Hebebühnen. Jeder dieser Schritte dient demselben Ziel: möglichst viele Leistungen selbst zu kontrollieren und in einer durchgängig hohen Qualität abbilden zu können.

Welche Rolle spielen die Menschen hinter den Autos?

Die entscheidende. Wir haben eine sehr gute Mischung aus langjährig erfahrenen Fachleuten und jungen Kolleginnen und Kollegen. Besonders wichtig ist uns die Ausbildung: Aktuell begleiten wir 17 Auszubildende in den Bereichen Sattlerei, Karosseriebau, Lagerlogistik und Mechatronik. Dass uns jährlich rund 600 Bewerbungen erreichen, zeigt, welche Faszination von diesem Handwerk ausgeht. Wir möchten nicht nur Autos erhalten, sondern auch das Wissen und die Fähigkeiten, die dafür notwendig sind.

Early 911S ist bei aller internationalen Bedeutung auch ein Familienunternehmen. Welche Rolle spielt Deine Familie dabei?

Eine sehr große. Meine Frau Sarah arbeitet im Unternehmen mit und ist für Early 911S eine wichtige Partnerin. Sie bringt ihre eigene Perspektive ein, übernimmt Verantwortung und hat gerade für Menschen, Kommunikation und die vielen Details im Unternehmen ein sehr gutes Gespür. Wir ergänzen uns in vielen Bereichen - und für mich ist es etwas Besonderes, Early 911S gemeinsam mit meiner Familie weiterzuentwickeln. Gemeinsam haben wir einen vierjährigen Sohn. Durch ihn bekommt der Gedanke, Werte, Wissen und automobile Kultur für die nächste Generation zu bewahren, noch einmal eine ganz persönliche Bedeutung. Natürlich soll er später seinen ganz eigenen Weg gehen und das machen, was ihn begeistert - ob dieser Weg einmal zu Early 911S führt oder ganz woandershin, ist für uns nicht entscheidend. Wichtig ist uns, dass er frei entscheiden kann. Familie gibt mir Rückhalt, erdet mich und erinnert mich zugleich daran, was im Leben wirklich zählt.

War Deine Begeisterung für Porsche schon immer vorgezeichnet?

Nein, zumindest nicht auf die klassische Art. Mein erstes Auto, dass ich mir gekauft habe, war ein blauer Renault 5. Heute fahre ich wieder einen blauen R5 Roland Garros, den ich letztes Jahr in Paris gesehen habe – diesmal elektrisch. Mich faszinieren nicht Autos um ihrer selbst willen. Mich begeistert die Ästhetik dahinter: Gestaltung, Proportion, Materialität und die kulturelle Bedeutung eines Entwurfs. Meine große Leidenschaft gilt Kunst, Architektur und Design, besonders die der 1960er- und 1970er-Jahre. Genau aus diesem Blick heraus sehe ich auch einen klassischen Porsche: als gestaltetes Kulturgut, das man verstehen und bewahren muss.

Wie erwuchs aus dieser Leidenschaft Early 911S?

Ich hatte damals eine eigene Werbeagentur mit rund 20 Mitarbeitern in Wuppertal. Für zwei Werbekonzepte aus der Modebranche kaufte ich um 2003   einen Aston Martin DB5 und einen Porsche 911 von 1966. Beim Porsche stellte ich fest, dass er nicht besonders gut restauriert worden war. Mein Gedanke war: Das muss besser gehen. Ich begann, Teilelager zu kaufen und nach geeigneten Projekten zu suchen. 2006 startete ich schließlich mit einem Mitarbeiter. Das war zunächst kein ausgearbeiteter Businessplan, sondern eine echte Leidenschaft, die immer weitergewachsen ist.

Was ist bis heute der Kern Eurer Philosophie?

Wir möchten einen Porsche so restaurieren, dass er seinem ursprünglichen Werksauslieferungszustand in jedem relevanten Detail entspricht. Dafür braucht es Recherche, Originalteile, handwerkliche Präzision und ein tiefes Verständnis für die jeweilige Epoche. Aber eine Restaurierung darf nicht nur optisch überzeugen. Das Auto muss auch funktionieren und fahren, wie es soll. Deshalb testen wir jedes vollständig restaurierte Auto vor der Übergabe 500 bis 1000 Kilometer – sofern der Kunde diese ersten Kilometer nicht ausdrücklich selbst erleben möchte.

Was bedeutet Originalität für Euch – und wo liegt die Grenze zwischen Bewahren und Erneuern?

Originalität bedeutet für uns nicht, einfach alles neu zu machen. Zunächst geht es darum, die Substanz, die Geschichte und die Auslieferungsspezifikation eines Fahrzeugs genau zu verstehen. Was erhalten werden kann, soll erhalten bleiben. Wo eine Erneuerung notwendig ist, muss sie fachlich richtig, nachvollziehbar und auf dem Niveau des Originals ausgeführt werden. Eine gute Restaurierung soll die Geschichte eines Autos nicht überdecken, sondern sie wieder sichtbar und erlebbar machen.

Wie verändert sich der Markt für klassische Porsche?

Der Markt hat sich nach dem außergewöhnlichen Boom der Niedrigzinsphase konsolidiert. Besonders gefragt und langfristig stabil sind weiterhin hervorragend restaurierte Automobile mit überzeugender Historie, seltener Spezifikation oder besonderer Farbe. Käufer schauen heute genauer hin – und das ist grundsätzlich positiv. Qualität, Dokumentation und Authentizität gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.

Early 911S arbeitet längst international. Woher kommen Eure Kunden?

Inzwischen gehen rund 80 Prozent unserer Fahrzeuge in den Export. Wir haben bereits Porsche bis nach Manila und auf die Malediven geliefert. Gleichzeitig suchen wir für internationale Kunden gezielt besondere Fahrzeuge – aktuell beispielsweise rechtsgelenkte Klassiker. Unsere Kunden kommen aus sehr unterschiedlichen Regionen, aber sie verbindet der Wunsch nach Qualität, Verlässlichkeit und einem Partner, der ein Fahrzeug auch langfristig betreuen kann.

Wo siehst Du Early 911S in fünf oder zehn Jahren?

Nach 20 Jahren fühlt es sich für mich eher nach Halbzeit als nach Zielgerade an. Wir haben noch viele Ideen und Bereiche, in denen wir besser werden können. Unser übergeordnetes Ziel bleibt, automobile Kultur zu bewahren. Internationalisierung wird dabei eine Rolle spielen. Es gibt unter anderem Anfragen für einen Standort in Dubai. Die eigentliche Manufaktur und unsere Restaurierungsarbeit werden jedoch in Deutschland bleiben. Vorstellbar sind jeweils ein ausgewählter Partner in Amerika, Arabien und Asien, die Fahrzeuge für uns ausliefern und Leistungen wie Verkauf, Storage und Maintenance übernehmen. Early 911S soll international erreichbar sein, ohne seine Identität und seinen Made in Germany-Qualitätsanspruch zu verlieren.

Was wünschst Du Dir von Porsche für die Zukunft?

Ich würde mir wieder einen Cayenne mit V8-Dieselmotor wünschen – und einen echten Porsche-Familienbus mit Platz für bis zu sechs Personen. Beim 911 gefällt mir der Gedanke, dass die nächste Generation wieder kompakter werden könnte. Ein Porsche darf sich weiterentwickeln, sollte dabei aber immer seine Klarheit, seine Proportionen und seinen unverwechselbaren Charakter bewahren.

Und welches Auto fehlt noch in Deiner eigenen Sammlung?

Ganz oben auf der Liste steht der 911 S aus der Eröffnungsszene von 'Le Mans' mit Steve McQueen. Wir durften dieses Auto hier restaurieren; heute gehört es einem deutschen Sammler und ist nicht verkäuflich. Bei anderen Marken faszinieren mich neben dem Lamborghini Miura und einem Aston Martin Shooting Brake besonders der BMW 507. Es sind Fahrzeuge, die weit über ihre Technik hinaus für eine große gestalterische Idee stehen.

Manfred, vielen Dank für das Gespräch.

Sehr gerne.

Photos: Rémi Dargegen for Classic Driver © 2026

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