

Die "Private Sales"-Abteilung gewinnt für RM Sotheby's zunehmend an Bedeutung, was sich deutlich in der jüngsten Expansion zeigt. Neben einem Showroom im kalifornischen Culver City entsteht derzeit ein zweiter in London. Die europäische Heimat liegt im niederländischen Burgerveen, gleich vor den Toren Amsterdams, geleitet von dem angesehenen niederländischen Experten Bodie Hage, der vor allem als Gründer von Real Art on Wheels bekannt ist. Vor wenigen Monaten ging sein Handelsbetrieb in die Hände von RM Sotheby's über, und Hage fungiert seither als European Director of Private Sales des Auktionshauses. Wir haben uns mit ihm zusammengesetzt, um seinen Weg in den Handel zu beleuchten und zu erfahren, wie es zum Schulterschluss mit RM Sotheby's kam.

Sie haben mit 14 Jahren angefangen, Autos zu waschen, und 2013 Real Art on Wheels gegründet. Wie kam es dazu?
Mit 18 schloss ich die Schule ab und ging an die Universität. Nach meinem ersten Jahr erkrankte mein damaliger Chef an Krebs und ich verlor ihn, als ich 19 war. Daraufhin kam seine Witwe auf mich zu und fragte, ob ich ihr beim Verkauf einiger Autos helfen könnte. Er besaß damals mehr als 230 Stück, verteilt auf fünf verschiedene Standorte. Sie meinte: „Bodie, du warst immer von den Autos umgeben, kannst du mir bitte beim Verkauf helfen?“ Da dachte ich mir: Du bist 19, liebst Autos und hast ein Gespür für das Geschäft. Also warum nicht? So begann ich, Klassiker in alle Welt zu verkaufen. Aus diesem ersten großen Verkauf entwickelte sich Schritt für Schritt ein richtiger Handelsbetrieb.
Zu welchem Zeitpunkt haben Sie beschlossen, sich selbstständig zu machen?
Im Jahr 2013, als ich 25 war, wusste ich, dass ich etwas Eigenes aufbauen wollte. Also gründete ich mein eigenes Unternehmen. Ich übernahm den Namen Real Art on Wheels und baute die Firma zu einem echten Handel für Sammlerautos aus. Die Witwe meines ehemaligen Chefs stand mir als Finanzpartnerin zur Seite und unterstützte all meine Pläne und Ideen. 2018 zogen wir dann in unseren heutigen Showroom. 2020 eröffnete ich eine Werkstatt, stellte einen Mechaniker ein und übernahm die restlichen Anteile der Witwe, um alleiniger Eigentümer zu werden. Von da an ging es kontinuierlich weiter: Ich kaufte und verkaufte, reiste durch die Welt, beriet Kunden, kuratierte Sammlungen und erweiterte sowohl die Werkstatt als auch die Stellflächen.

Können Sie uns mehr über Ihre heutigen Räumlichkeiten erzählen?
Im Januar 2023 sind wir mit der Werkstatt an einen neuen Standort gezogen. Heute stehen unseren Mechanikern rund 1.200 Quadratmeter Werkstatt- und Lagerfläche zur Verfügung, während das Hauptgebäude den ebenfalls etwa 1.200 Quadratmeter großen Showroom beherbergt. Der Showroom bietet einen herrlichen Blick über den See, direkt südlich des Flughafens Amsterdam Schiphol. Die Werkstatt liegt sogar noch etwas näher am Flughafen, keine fünf Minuten von unserer Zentrale entfernt. Von Tür zu Tür braucht man nur sieben bis acht Minuten nach Schiphol. Das ist perfekt für unsere internationale Kundschaft. Wenn Kunden persönlich vorbeikommen oder jemanden zur Begutachtung eines Wagens vorbeischicken, lässt sich das denkbar einfach organisieren.
Was hat Ihre Leidenschaft für Autos entfacht? Gab es dieses eine Auto, mit dem alles anfing?
Es ist schon lustig: Als ich mit etwa 14 Jahren anfing, Autos zu waschen, träumte ich unentwegt von einem Porsche 356. Einer stand bei uns in der Halle, weil der eigentliche Besitzer ihn einfach nie abgeholt hatte. Also fasste ich einen Entschluss: hart arbeiten, jeden Euro sparen und noch vor meinem 20. Geburtstag einen eigenen Porsche besitzen. Ich habe unermüdlich geschuftet. Angefangen habe ich für ungefähr zwei Euro die Stunde. Das ist jetzt schon 24 Jahre her, ach du meine Güte, ich werde alt. Nebenbei fing ich an, ein wenig zu handeln. Ich habe ein altes Puch-Moped gekauft und es mit Gewinn wieder veräußert. Zu meinem 20. Geburtstag konnte ich mir dann endlich meinen ersten 356 kaufen, ein C Coupé. Ich war überzeugt, dass ich ihn niemals verkaufen würde. Doch während einer Rallye wurde er mir vom Hotelparkplatz gestohlen.

Und er ist nie wieder aufgetaucht?
Wir haben ihn nie wiedergesehen. Ich bin extrem stolz auf unsere Rechercheabteilung, aber selbst wir konnten ihn nicht aufspüren. Womöglich wurde er in Einzelteile zerlegt. Ich dachte damals, ich sei ordentlich versichert, musste dann aber feststellen, dass dem nicht so war. Daraufhin habe ich mich hier in den Niederlanden als eingetragener Gutachter für klassische und historische Automobile zertifizieren lassen. Von der Summe, die die Versicherung schließlich zahlte, kaufte ich einen weiteren 356, verkaufte ihn kurz darauf mit einem kleinen Gewinn weiter und erwarb den nächsten. So nahm die ganze 356-Geschichte ihren Lauf. Im Laufe der Jahre habe ich sicher 35 Exemplare besessen, Coupés, Roadster, Cabriolets und Speedster. Irgendwann ähnelten sie sich dann doch ein wenig, weshalb ich auf einen 911 umstieg, später auf einen Ferrari. Und nichts weckt eine vergleichbare Leidenschaft wie ein Ferrari. Meine größte Liebe gilt nach wie vor Klassikern aus den späten 1950er- bis 1980er-Jahren, vielleicht noch den 1990ern.

Wie kam die Partnerschaft mit RM Sotheby's zustande und wer hat den ersten Schritt gemacht?
Ich stand nie zum Verkauf. Es begann mit Tonnie Van Der Velden, der im Auftrag von Jack Little, dem Leiter der Abteilung Private Sales, an mich herantrat. Tonnie ist einer meiner engsten Freunde und war bereits bei RM Sotheby's tätig. Er meinte zu mir: „Du solltest dich eines Tages mal mit RM zusammensetzen. Sie möchten das Privatverkaufsgeschäft neben ihrer Rolle als weltweit führendes Auktionshaus weiter ausbauen.“ Jack kam nach der Sommerpause 2025 zu Besuch, unser erstes Treffen fand im September statt. Später reiste Gord Duff an, und Shelby Myers flog extra aus Los Angeles ein. Sie alle wollten einen Eindruck von unserem Gebäude, der Werkstatt und unserer Arbeitsweise gewinnen. Als wir uns dann zusammengesetzt haben, hat es auf Anhieb harmoniert.
Was hat Sie letztlich überzeugt?
Der große Vorteil liegt meiner Meinung nach darin, dass niemand sonst auf der Welt das bietet, was RM Sotheby's heute mit seinem Gesamtpaket abdeckt. Wir verfügen über eine eigene Werkstatt mit eigenen Mechanikern, wir verkaufen Automobile sowohl auf Auktionen als auch im Direktverkauf, und wir unterhalten eigene Showrooms in Los Angeles, hier bei Amsterdam und in wenigen Monaten auch in London im Stadtteil Hammersmith. Als die ersten Gespräche liefen, war ich 37 Jahre alt, verdiente gutes Geld und hatte viel Freude an der Arbeit. Warum hätte ich also verkaufen sollen? Es war die gemeinsame neue Herausforderung, die den Ausschlag gab und die letztlich auch unseren Kunden zugutekommt. Die Klienten von Real Art on Wheels erhalten nun Zugang zu Online- und Live-Auktionen in Paris, Monaco, München, London und Monterey. Umgekehrt müssen Kunden von RM Sotheby's nicht mehr bis zur nächsten Auktion warten, wenn sie einen Wagen veräußern wollen, da wir ihn auch direkt ankaufen oder privat vermitteln können. Was wir heute auf die Beine stellen können, ist einzigartig in der Branche.

Was verändert sich durch die Übernahme durch RM Sotheby's in Ihrem Showroom und für Ihr Team?
Im Grunde genommen gar nicht viel. Ich bin weiterhin vor Ort, hoffentlich für immer. Wir können das Geschäft nun etwas organischer ausbauen, da wir tatkräftige Unterstützung aus dem Londoner Backoffice erhalten. Außerdem haben wir Verstärkung für den Vertrieb geholt. Bisher habe ich alles allein gestemmt, was auf Dauer nicht gesund ist. Seit dem 1. Juli steht mir Bob van Loon im Showroom zur Seite. Das bringt uns mehr Struktur und ermöglicht ein noch höheres Qualitätsniveau. Rein geschäftlich bleibt alles beim Alten: Wir kaufen nach wie vor Automobile an, verkaufen sie und vermitteln Verträge.
Worin unterscheidet sich ein diskreter Privatverkauf für Sammler von einer klassischen Live-Auktion?
Eine Live-Auktion funktioniert gewissermaßen wie ein Supermarkt: Man macht großen Lärm um das Angebot, lockt ein breites Publikum an und präsentiert die Wagen auf der Bühne. Privatverkäufe laufen deutlich diskreter ab. Viele Kunden suchen lieber im Stillen. Sie schildern uns ihre Wünsche, möchten aber nicht selbst auf die Suche gehen. Also wenden sie sich an uns, und wir spüren die passenden Autos für sie auf. Auch auf Verkäuferseite gibt es Kunden, die weder ihren Besitz noch den Verkauf eines bestimmten Wagens öffentlich machen wollen. Hier ist maximale Diskretion gefragt. Mit RM Sotheby's im Rücken bieten wir zudem eine Dokumentation auf institutionellem Niveau, wie man sie sonst nur von Großbanken kennt. Das ist eine völlig andere Welt als das klassische Auktionsgeschäft.

Können Sie uns das Sealed-Konzept genauer erklären?
Hier verbinden sich Auktionswesen und Diskretion. Wir streben an, jeden Monat eine Sealed-Auktion durchzuführen. So können Eigentümer ihre Autos anmelden, ohne monatelang auf den nächsten großen Auktionstermin warten zu müssen. Wir vermarkten die Wagen professionell, und Kaufinteressenten registrieren sich für die Gebotsabgabe. Es handelt sich um eine Live-Auktion, allerdings sieht man die Angebote der Konkurrenz nicht, sondern stets nur die eigene Platzierung. Angenommen, wir bieten einen Carrera GT an, der auf 2,5 bis 3 Millionen Euro geschätzt wird. Sie bieten eine Million Euro und das System zeigt Ihnen Platz 10 an. Sie erhöhen schrittweise, bis Sie schließlich auf Rang eins stehen. Nun heißt es abwarten.
Der Auktionsschluss liegt vielleicht noch zwei Tage entfernt, und eine halbe Stunde später erhalten Sie die Nachricht, dass zwei Bieter an Ihnen vorbeigezogen sind. Sie bieten also bis zum Ende weiter. Für die drei Höchstbietenden verlängert sich die Auktion mit jedem neuen Gebot um 90 Sekunden. Da man das Spitzengebot nicht einsehen kann, gewähren wir diesen Komfort gezielt den Top Drei. Würde man das allen Teilnehmern anbieten, könnten ständige Minimalgebote den Reiz für ernsthafte Interessenten schmälern. Der Reiz liegt auf der Hand: Es ist absolut diskret. Nur der Höchstbietende, der Verkäufer und ein kleiner Kreis des RM-Teams erfahren den finalen Preis. Die Verkaufssumme wird nie öffentlich bekannt gegeben. Das kommt Verkäufern entgegen, nützt aber auch Käufern wie beispielsweise Händlern, deren Einkaufspreis somit geheim bleibt. Derzeit bieten bereits zahlreiche Händler auf unserer Plattform mit.

Welche Autos, Epochen und Kategorien begeistern Sie persönlich derzeit am meisten?
Betrachtet man den Markt, ziehen Autos unter 30 Jahren die größte Aufmerksamkeit auf sich, allen voran Ferraris und Kleinserienmodelle. Während der Trend unaufhaltsam zu Elektro- und Hybridantrieben geht, spürt man deutlich, welche pure Freude analoges, unverfälschtes Fahren bereitet: Zwölfzylinder von Mercedes-Benz, der Carrera GT oder handgeschaltete Porsches und Ferraris. Aus meiner Sicht markieren sie das Ende einer Ära. Nehmen wir einen Renault Clio V6 mit Mittelmotor und Hinterradantrieb. Wie um alles in der Welt konnte der Renault-Vorstand ein solches Projekt jemals genehmigen und dann gleich zwei Generationen davon bauen lassen? Das war aus heutiger Sicht absolut verrückt.
Jeder Sammler begreift, dass solche Autos wohl nie wiederkommen werden, weder in dieser Stückzahl noch mit dieser Konstruktionsphilosophie. Der Carrera GT ist schlicht das Beste, was man derzeit erwerben kann: Le-Mans-Technologie für die Straße, ein frei saugender V10-Motor, Zentralverschluss-Räder, Carbon-Monocoque, Keramikbremsen und dazu ein manuelles Schaltgetriebe. Es gibt noch viele weitere Kandidaten dieser Art: etwa der Mercedes-Benz SL 65 AMG Black Series, der BMW M5 E60 mit seinem V10 oder ein handgeschalteter Lamborghini Murciélago. Meine Generation wird sich Autos dieser Kategorie vermutlich nur noch in den kommenden fünf bis zehn Jahren leisten können, weshalb man mit ziemlicher Sicherheit von einer Wertsteigerung ausgehen kann.

Was sind die zentralen Ziele für "Private Sales" in den kommenden Jahren, insbesondere in Europa?
Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Qualität, sowohl wenn es um die Autos als auch um die Kundenbeziehungen geht. Wir jagen keinen reinen Verkaufszahlen nach. Unser Anspruch ist es schlichtweg, die Besten zu sein und unseren Kunden ein rundum erstklassiges Erlebnis zu bieten, während sie ihrer Leidenschaft nachgehen. Denn am Ende des Tages verkaufen wir nichts, was man zum Überleben braucht. Es soll das Leben bereichern. Wir verkaufen schließlich keine Fiat 500 oder VW Golf für den täglichen Arbeitsweg. Wir stiften Freude, und genau das leitet uns im Showroom, in der Werkstatt, beim Transport und bei allen weiteren Dienstleistungen. Wir möchten unseren Kunden das Gesamterlebnis so angenehm wie möglich gestalten. Zudem bieten wir ein eigenes Zolllager an, was in der Branche einmalig ist. So können unsere amerikanischen Klienten ihre Wagen direkt bei uns in Europa einlagern.
Die aktuell über RM Sotheby's Private Sales angebotenen Automobile finden Sie im Classic Driver Markt.




















































