Porsche hat Cabriolet-Versionen des 911 traditionell nur für die komfortorientierten Varianten des Sportwagen-Ikone angeboten. Ein oben offener GT3 würde für die meisten Puristen wenig Sinn ergeben, denn ein konsequentes „Track tool“ erfordert maximale Karosseriesteifigkeit und eine gute Aerodynamik bei gleichzeitig hohen Sicherheitsstandards. Qualitäten, die ein offenes Dach schlicht nicht unterstützt.
Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Kenner wissen, dass das Zuffenhausener Unternehmen bereits ein offenes GT3-Derivat gebaut hat, nämlich den 911 Speedster der Generation 991.2. Jenes Sammlerstück, das auf 1.948 Einheiten limitiert war und zur Feier des 70. Geburtstags der Marke aufgelegt wurde.
Der neueste Zuwachs in der Modellfamilie, der 911 GT3 S/C, tritt in die Fußstapfen dieser puristischen Fahrmaschine, wählt dabei aber einen zivilisierteren Ansatz. Während sein geistiger Vorgänger eine niedrigere Windschutzscheibe und ein manuelles, leichtes Stoffverdeck besaß, das in einem eigenen Fach unterhalb des markanten Doppelgewölbe-Heckdeckels aus Kohlefaser verstaut wurde, setzt der GT3 S/C auf ein komfortorientierteres, wenn auch schwereres Vollautomat-Verdeck. Durch den Einsatz von Magnesium-Elementen erreicht das Dach eine coupéähnliche Silhouette sowie eine vergleichbare aerodynamische Effizienz. Es öffnet und schließt in lediglich zwölf Sekunden bei Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h.



Das Fliegengewicht unter den offenen Elfern
Um einem durch das Mehrgewicht beeinträchtigten Fahrgefühl entgegenzuwirken, kombinierte Porsche im neuen offenen Zweisitzer Komponenten des GT3 und des S/T. Das macht ihn nicht nur zu einem Leichtgewicht im Vergleich zu den weniger sportlichen 911 Cabriolets, sondern verleiht ihm auch ein unverwechselbares Erscheinungsbild. So wurden etwa Motorhaube, Kotflügel, Türen und Überrollbügel aus CFK vom S/T übernommen, um das durch das Verdeck hinzugekommene Gewicht auszugleichen. Eine weitere Maßnahme zur Gewichtsreduzierung sind die Magnesiumräder, die bislang ebenfalls dem S/T vorbehalten waren. Mit 1.497 Kilogramm ist der GT3 S/C nur 30 Kilogramm schwerer als der deutlich kompromisslosere 911 Speedster und mehr als 80 Kilogramm leichter als ein Carrera Cabriolet in der Grundausstattung. Selbst den 911 Carrera 4 GTS Cabriolet unterbietet er um 170 Kilogramm, was sich in der Fahrdynamik deutlich bemerkbar macht.
Das Herzstück des neuen 911 GT3 S/C ist der 4,0-Liter große Sechszylinder-Sauger, der bereits aus den anderen 992-GT3-Versionen bekannt ist. Er wurde überarbeitet, um mit zwei Partikelfiltern und vier Katalysatoren die aktuellen Abgasnormen zu erfüllen. Porsche betont, den emotionalen Klang des Motors erhalten zu haben, der mit offenem Verdeck noch deutlich intensiver wirkt. Die Ingenieure überarbeiteten zudem die Zylinderköpfe, während schärfere Nockenwellen aus dem 911 GT3 RS für eine noch direktere Kraftentfaltung im oberen Drehzahlbereich sorgen. Dazu kommen strömungsoptimierte Einzeldrosselklappen und verbesserte Ölkühler.
Der 510 PS starke Motor ist mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe gekoppelt, das dieselbe kurze Gesamtübersetzung wie der 911 S/T und der Standard-GT3 aufweist. Damit sprintet der 911 GT3 S/C in 3,9 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 313 km/h. Puristen wird jedoch der einnehmende Charakter der Fahrmaschine mit ihrem serienmäßigen Schaltgetriebe mehr am Herzen liegen als diese Zahlen. Darüber hinaus markiert dieses Modell das Debüt der Doppelquerlenker-Vorderachse in einem oben offenen 911. Mit einem Fahrwerks-Setup, das dem 911 GT3 mit Touring-Paket entspricht, und griffigen Sportbereifung soll das Fahrzeug ein Maß an Handling und Präzision auf kurvenreichen Straßen bieten, das für ein Cabriolet bislang als unmöglich galt.



Ein historischer Name mit neuer Bedeutung
Porsche hat für diese neueste, nicht limitierte Version einen Einstiegspreis von 269.000 Euro bestätigt. Angesichts dieser Preispositionierung ist das S/C-Kürzel im Rückblick durchaus ironisch. In den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren verwendete das Unternehmen das SC-Kürzel (Super Carrera) für das Kernmodell der 911-G-Baureihe. Während das ursprüngliche SC als der quintessenzielle, breit zugängliche 911 seiner Ära konzipiert war, positioniert sich der neue S/C als hochexklusives Hochleistungsfahrzeug an der Spitze der Porsche-Hierarchie.
Es überrascht kaum, dass das Unternehmen seinen S/C-Kunden exklusiv eine Sonderuhr von Porsche Design anbietet, mit der sie die Ästhetik des Fahrzeugs am Handgelenk tragen können. Ein optionales "Street Style"-Paket ist für zusätzliche 27.941,20 Euro erhältlich. Es umfasst auffällige Pyrored-Grafiken auf den Kotflügeln sowie Slate Grey Neo-Räder mit Victory Gold lackierten Bremssätteln. Die Front erhält abgedunkelte HD-Matrix-Scheinwerfer und karosseriefarben lackierte Airblades. Im Innenraum findet sich ein zweifarbiges Leder in Slate Grey und Guards Red, während die Sitzmittelbahnen aus einem vierfarbig geflochtenen Leder gefertigt sind. Ein besonderes Detail ist der abgedunkelte Schalthebel mit einem Knauf aus offenporig laminiertem Holz, eine Hommage an den legendären Carrera GT und das Rennsporterbe der Marke.
































