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Diese legendäre Chevy Corvette wurde zum Cobra-Fresser

Trotz Widerständen seitens des GM-Vorstands setzte der legendäre Ingenieur Zora Arkus-Duntov unbeirrt seinen Traum einer ultimativen Renn-Corvette durch. Das nun bei RM Sotheby angebotene Exemplar war eine von nur fünf gebauten Corvette Grand Sport – mit der Mission, zum „Schlangentöter“ zu werden.

Die Bedeutung dieses durch und durch amerikanischen Sportprototypen für den US-Motorsport im Allgemeinen und das Rennsporterbe von General Motors im Speziellen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Obwohl das Projekt nie die volle Unterstützung der GM-Unternehmensführung genoss, ja sogar teilweise bewusst torpediert wurde, trieb Zora Arkus-Duntov – der als „Vater der Corvette“ bekannte Ingenieur – die Entwicklung stoisch weiter voran. Am Ende wurden fünf Chevrolet Grand Sport aufgebaut, drei Coupés und zwei Roadster. Das hier gezeigte Coupé mit Fahrgestellnummer 003 wurde Ende 1963 erfolgreich bei der Bahamas Speed Week eingesetzt. Später erzielte es bei den 12 Stunden von Sebring der Jahre 1964 und 1965 jeweils Podiumsplätze in seiner Klasse, pilotiert von damaligen US-Rennsportgrößen wie A.J. Foyt, Jim Hall, Roger Penske oder Augie Pabst.

Während die 1953 eingeführte Serien-Corvette bereits für sich genommen zu einer amerikanische Sportwagen-Ikone wurde, avancierte die Grand Sport-Version – entwickelt für die Rennsaison 1963 mit dem Ziel, Carroll Shelbys Cobras herauszufordern und zu schlagen – zum ultimativen Inbegriff brachialer Corvette-Performance.

Nur wenige Persönlichkeiten haben die Geschichte der Corvette so maßgeblich geprägt wie Zora Arkus-Duntov. Der 1909 in Brüssel als Sohn russischstämmiger Eltern geborene Ingenieur und Amateur-Rennfahrer erkannte sofort das ungenutzte Potenzial des Wagens, als er 1953 von England kommend bei Chevrolet anheuerte. Der bei der kommenden RM Sotheby’s-Auktion in Monterey zur Versteigerung kommende Grand Sport trägt die Fahrgestellnummer 003 und ist das erste der drei Coupés. Wie schon Bilder des Exterieurs zeigen, präsentiert sich der Grand Sport als ein eigens konstruierter Prototyp, der sich durch Hunderte einzigartiger Bauteile von jedem Serienmodell unterschied.

Der neue „Split-Window” Sting Ray als idealer Ausgangspunkt

Die Einführung des neuen Sting Ray (Stachelrochen) im Jahr 1963 (mit der ikonischen geteilten Heckscheibe) bildete die ideale Basis für das, was später zum Grand Sport werden sollte. An der Spitze der C2-Modellpalette stand zu jener Zeit das Hochleistungspaket Z06. Dessen Erfolg war jedoch nur von begrenzter Wirkung, da es im Vergleich zur Cobra zu übergewichtig war. Daher verfolgte Arkus-Duntov eine kompromisslose Leichtbaustrategie. Der daraus resultierende Grand Sport ähnelte zwar noch entfernt dem Serien-Sting Ray, doch dank einer leichten Gitterrohrkonstruktion und einer Karosserie aus Glasfaser sank das Gewicht von den 1.451 kg des Standardmodells auf lediglich 862 kg. In Kombination mit V8-Power und umfangreichen Modifikationen am Fahrwerk war diese Corvette nun bereit, es auf Augenhöhe mit der Shelby Cobra und sogar dem Ferrari GTO aufzunehmen.

Da sich GM einige Jahre zuvor aus dem werksseitig unterstützten Motorsport zurückgezogen hatte, stand der Gran Sport im direkten Widerspruch zur aktuellen Unternehmenspolitik. Folglich wies der Vorstand Arkus-Duntov an, das Projekt einzustellen und alle Fahrzeuge zu verschrotten. Er willigte zwar ein, die Arbeiten zu beenden, übergab jedoch diskret die drei Coupés an sorgfältig ausgesuchte Privatteams und lagerte die verbleibenden zwei Exemplare (die später zu Roadstern umgebaut wurden) in einer Forschungsgarage von Chevrolet ein. Chassis 003 ging an Dick Doane, dem Inhaber eines Chevrolet-Autohauses in Illinois, der in der Werbung stolz als „weltweit bekanntester Corvette-Händler“ vermarktet wurde. Zwischen Juli und November 1963 setzte Doane den noch mit einem „nur” 5,3 Liter großen V8 mit Graugussblock bestückten Wagen bei acht SCCA-Rennen ein und erzielte Klassensiege in Wilmot und Greenwood. Legendär ist sein Auftritt beim „Road America 500“, wo er das prestigeträchtige Rennen über 93 Runden im Gesamtklassement anführte, bevor ein Motorschaden seiner ansonsten makellosen Vorstellung ein Ende setzte. Im Herbst 1963 kehrten die Chassis 003 und 004 zur Entwicklungsabteilung von Chevrolet zurück, um im Hinblick auf die renommierte „Bahamas Speed Week“ umfassend modifiziert zu werden. Die Fahrzeuge erhielten weitreichende Verbesserungen, mit einem einzigen Ziel: Carroll Shelby und seine Cobras zu schlagen.

Nach Nassau erhielt die Corvette den Spitznamen „Schlangenfresser“

Für die Bahamas Speedweek wurden die drei Grand Sport Coupés offiziell vom Team des texanischen Öl-Magnaten und Rennstallbesitzers John Mecom genannt. Mit nochmals größeren Magnesium-Felgen von Halibrand und darauf aufgezogenen Goodyear Stockcar-Reifen machten die mit breit ausgestellten Radkästen und zusätzlichen Lufteinlässen gespickten Corvetten einen respektheischenden Eindruck. Unter ihren Hauben saßen neue und komplett in Aluminium gegossene 6,2-Liter-V8, die von vier Weber Vergasern gefüttert über 485 PS aus dem Kurbelgehäuse wuchteten. Sie ließen alle Konkurrenten um bis zu zehn Sekunden hinter sich und ließen auf den langen Geraden des Flugplatzkurses von Nassau auch die Cobras verhungern. Es war dieses Wochenende auf den Bahamas, dass der Chevrolet Grand Sport den Spitznamen „Snake Eater“ einbrachte. 

Beflügelt vom Erfolg in Nassau, begann Arkus-Duntov umgehend mit den Vorbereitungen für die Saison 1964. Während Daytona aus dem Rennkalender gestrichen wurde, blieben die 12 Stunden auf dem holprigen Flugplatzkurs von Sebring weiterhin eine Option. Für das strapaziöse Langstreckenrennen wurden die leichten Aluminiummotoren der drei Coupés durch robustere 5,7-Liter-V8 mit Graugussblock ersetzt; um so maximale Zuverlässigkeit bei zugleich hoher Leistung zu gewährleisten. Chassis-Nummer 003 wurde erneut John Mecom Racing anvertraut und vom Kanadier John Cannon sowie dem aufstrebenden jungen Superstar A.J. Foyt pilotiert. 

Technische Probleme im Qualifying ließen sie ans Ende der Startaufstellung zurückfallen. Doch was dann folgte, ging als eine der legendären Startphasen in die Geschichte von Sebring ein: Bereits in der ersten Runde überholte Foyt rund 50 Konkurrenten. Innerhalb weniger Stunden arbeitete sich die Corvette in die Top 10 der Gesamtwertung vor und kam zeitweise bis auf Platz 8 vor. Kurz nach Rennmitte löste sich aufgrund einer verschlissenen Achsverzahnung ein Rad, was einen außerplanmäßigen Boxenstopp erzwang. Trotz dieses Rückschlags beendeten Cannon und Foyt das Rennen auf dem 23. Gesamtrang und als Zweite ihrer Klasse.

„Wie bei einem Dragster hoben in allen vier Gängen die Vorderräder ab“ 

Chassis 003 verblieb zunächst noch bei John Mecom, ehe es im Januar 1965 der 19-jährige texanische Corvette-Fan Alan Sevadjian erwarb. Auch nach der Einstellung aller Aktivitäten seitens Chevrolets leistete Arkus-Duntov weiterhin jede erdenkliche Unterstützung. Er stellte dem Team einen neuen Big-Block-Motor aus einer Serien-Corvette zur Verfügung. Mit dem der Grand Sport 1965 in Sebring mit dem Trio Delmo Johnson, Ed Sevadjian und Dave Morgan antrat. Gegen starke internationale Konkurrenz belegten sie Platz drei in ihrer Klasse. Johnson fasste die Eindrücke am Steuer des Grand Sport später treffend so zusammen: „Er fuhr sich wie ein Dragster – es war das einzige Auto, das ich je gefahren bin, bei dem sich in allen vier Gängen die Vorderräder vom Boden abhoben.“

Im weiteren Verlauf des Jahrzehnts wechselte 003 dann allmählich aus dem aktiven Renneinsatz in die Hände sachkundiger Liebhaber und Sammler. Glücklicherweise blieb durch diese Phase relativer Ruhe einer der größten Stärken von #003 erhalten: seine bemerkenswerte Originalität. Im Gegensatz zu vielen Rennwagen, die wiederholte Unfälle, umfangreiche Umbauten oder den kompletten Austausch von Bauteilen über sich ergehen lassen mussten, bewahrte dieses Fahrzeug seine ursprüngliche Struktur, seine einzigartige Leichtbaukarosserie und zahlreiche nahezu unersetzliche, damals ab Werk montierte Komponenten.

Mit Investitionen in Höhe von $1 Million zurück auf den Stand Sebring 1964

Im Jahr 2003 begann für Chassis 003 das vielleicht einschneidendste Kapitel seiner bemerkenswerten Geschichte, als es sein heutiger Besitzer – ein renommierter Sammler aus Kalifornien – erwarb. Übrigens erst der dritte Mann, der das Auto im Zeitraum von fünf Jahrzehnten über einen längeren Zeitraum – in diesem Fall 23 Jahre – besaß. Anstatt das Auto lediglich zu erhalten, verfolgte er ein ehrgeiziges Ziel: #003 exakt in jenen Zustand zurückzuversetzen, in dem er 1964 beim Rennen in Sebring angetreten war.

Mit dieser Aufgabe betraut wurde Terry Scarborough Racing (TSR) aus Sonoma, Kalifornien – ein Unternehmen, das landesweit als eine der ersten Adressen für historische Renn-Corvettes gilt. Es folgte eine mehr als vierjährige Restaurierung, in deren Verlauf annähernd eine Million Dollar investiert wurden. Das Ergebnis zählt zu den umfassendsten Restaurierungen, die je an einer Corvette Grand Sport getätigt worden sind. Erleichtert durch die Tatsache, dass das Fahrzeug außergewöhnlich vollständig und in bemerkenswertem Originalzustand war – selbst das Armaturenbrett und die Sitze galten als Originalteile.

Nach Abschluss der Arbeiten schlüpfte Chassis 003 wieder in die Rolle, für die es einst gebaut worden war: die eines lebendigen, authentischen Rennwagens. Besonders hervorzuheben ist die Überquerung des Atlantiks im Jahr 2010 zur Teilnahme am Goodwood Festival of Speed. Auf heimischem Boden war das Fahrzeug bei bedeutenden Veranstaltungen des historischen Motorsports zu sehen, darunter beim Sonoma Motorsports Festival und (bereits mehrmals) bei der Rolex Monterey Motorsports Reunion.

Mehr als 60 Jahre, nachdem Zora Arkus-Duntov still und leise seinen scheinbar unerfüllbaren Traum verfolgte, ist Chassis 003 nach wie vor die reinste Inkarnation dieses Ehrgeizes – eine werksseitig, gleichwohl fast im Verborgenen gebaute Renn-Corvette, konzipiert, um die Cobra zu schlagen. Nun wird sie in altem (neuem) Glanz bei der Monterey Auktion von RM Sotheby’s – zusammen mit einem umfangreichen Bestand an Ersatzteilen – als einer der bedeutendsten amerikanischen Rennwagen angeboten, die je öffentlich zum Verkauf standen.

 

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