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Diesen französischen Mittelmotor-GT verdanken wir Italien

Broad Arrow versteigert bei seiner „The Quail“-Auktion einen von nur drei Venturi 111 Cup – ein französischer Mittelmotor-GT, der vom Vierzylinder des Renault 21 Turbo befeuert wird und eigens für Italien entstand, um dort die Strafsteuer auf Motoren jenseits der Zwei-Liter-Marke zu umgehen.

 

Die Kernkompetenzen der französischen Autoindustrie liegen seit dem Zweiten Weltkrieg vor allem in clever gemachten und günstigen Alltagsautos wie dem Renault Twingo, agilen Kompaktsportlern wie dem Peugeot 106 Rallye oder komfortablen und innovativen Oberklasse-Modellen wie der Citroën DS – Mittelmotor-Sportler kommen einem dagegen nicht direkt in den Sinn. Dabei gehört die Grande Nation zu den absoluten Pionieren dieses Antriebslayouts, das eine bis dato ungekannt ausgeglichene Gewichtsverteilung ermöglichte und damit die Sportwagen-Welt revolutionierte.

Der französische Konstrukteur René Bonnet, der ähnlich wie Colin Chapman in England eine konsequente Leichtbau-Philosophie verfolgte, präsentierte im Oktober 1962 auf dem Pariser Autosalon den Djet, einen kompakten Sportwagen mit Kunststoffkarosserie, bei dem der Motor vor der Hinterachse saß. Die kleine Sportwagenschmiede bot das Mittelmotor-Konzept also rund drei Jahre, bevor die ersten De Tomaso Vallelunga an die Kundschaft ausgeliefert wurden, in Serie an. Erst 1966 etablierten Lamborghini und Lotus das Konzept mit dem Miura und dem Europa endgültig in der Branche.

 

Mit den volksnahen Matra-Sportwagen und der brachialen Homologations-Ikone Renault 5 Turbo sollten zwar noch weitere Mittelmotor-Modelle folgen, doch im Gegensatz zur italienischen und britischen Konkurrenz brachten die Franzosen dieses Layout lange Zeit nicht ins Gran-Turismo-Segment. Das Segment der luxuriösen und reisetauglichen Sportwagen wurde von den heimischen Herstellern ohnehin vernachlässigt – nur der futuristische Citroën SM, dessen Maserati-V6 kurioserweise als Front-Mittelmotor hinter der Vorderachse saß, hielt die Flagge von 1970 bis 1975 hoch.

In den Achtzigerjahren schickten sich zwei Köpfe, die sich bereits in der heimischen Autoindustrie verdient gemacht hatten, an, den GT-Stolz des Landes wiederherzustellen. Der Designer Gérard Godfroy, der das Design des Bestsellers Peugeot 205 mitverantwortete, tat sich mit dem erfahrenen Ingenieur Claude Poiraud zusammen, der seine Sporen bei Alpine und beim Karosseriespezialisten Heuliez verdient hatte, um unter dem Kürzel MVS (Manufacture de Voitures de Sport) in der Nähe des westfranzösischen Nantes Mittelmotor-Sportwagen auf die Räder zu stellen.

 

Nachdem 1984 auf dem Pariser Autosalon unter dem Namen „Ventury" ein erster Prototyp mit dem Vierzylinder aus dem VW Golf GTI enthüllt worden war, folgte zwei Jahre später das erste Serienmodell „Venturi", dessen Modellbezeichnung 1990 auch als Markenname übernommen wurde. Das Grundrezept mit einem verstärkten Rohrrahmen und einer aerodynamisch geformten GFK-Karosserie war dabei gleichgeblieben, der deutsche Antriebsstrang der Studie war zwischenzeitlich aber durch den berühmten PRV-V6 aus heimischer Produktion ersetzt worden. Insgesamt produzierte der kleine Hersteller bis zu seiner Insolvenz im Jahre 2000 je nach Quelle etwa 600 bis 750 Autos.

Das Auktionshaus Broad Arrow bringt am 14. August bei seiner im Rahmen der Monterey Car Week stattfindenden „The Quail"-Auktion eine der seltensten Venturi-Kreationen unter den Hammer – einen von nur drei speziell für den italienischen Markt gebauten 111 Cup aus dem Jahre 1991, der für etwa 75.000 bis 100.000 Dollar den Besitzer wechseln soll. Grund für dessen Existenz waren die damaligen Regularien des Landes. Auf Autos mit mehr als zwei Litern Hubraum wurden 38 Prozent mehr Steuern fällig, weshalb Venturi den je nach Version 2,5 bis 3,0 Liter großen V6 des Coupés durch den Vierzylinder des Renault 21 Turbo mit knapp zwei Litern Hubraum, Benzineinspritzung und 185 PS ersetzte.

 

Der vor der Hinterachse positionierte Renault-Motor mag zwar schwächer als der Sechszylinder sein, im Grunde passt er aber gut zum Charakter des Venturi – das mit einer Fünfgang-Handschaltung kombinierte Aggregat ist nämlich nicht nur sparsamer, sondern vor allem auch deutlich leichter und kompakter, was sich in Sachen Handling positiv bemerkbar macht. Zeitgenössische Quellen geben die Höchstgeschwindigkeit mit 235 km/h an, während die 100-km/h-Marke aus dem Stand nach weniger als sieben Sekunden erreicht werden soll. Der Sechszylinder war in dieser Disziplin rund eine halbe Sekunde schneller.

Das angebotene Exemplar wurde laut dem Auktionshaus von der italienischen Venturi-Vertretung bestellt und blieb über Jahre in deren Besitz. Später wurde der Wagen in die USA verschifft, wo der aktuelle Eigentümer ihn 2023 bei Broad Arrows Amelia-Island-Auktion erstanden hatte. Viel gefahren scheint er ihn aber nicht zu sein – zum Zeitpunkt der Katalogisierung standen nur 2.000 Kilometer auf dem Tacho des extrem seltenen Italo-Venturis. Der künftige Besitzer hat nun die Wahl – entweder er erhält das mit Magnolia-Leder und edlem Wurzelholz ausgekleidete Coupé als Zeitkapsel, oder er reizt dessen dynamische Fähigkeiten auf engen Bergsträßchen aus – so wie es die beiden Venturi-Gründer einst vorgesehen hatten.

 

 

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