

Es ist das starke Herz des Ferrari 458, das ihn historisch so wertvoll macht, gerade in einer Zeit, in der es für Sammler zunehmend schwerer wird, Supersportwagen ohne Turboaufladung oder gar Hybrid-Unterstützung zu finden. Der Motor des 458 war der letzte mittschiffs installierte Sauger-V8 aus Maranello, ehe Ferrari im Nachfolger 488 GTB auf Turboaufladung umstellte. Schon dieser historisch bedeutende Paradigmenwechsel sichert dem Modell – neben seiner Performance und dem Design aus dem Hause Pininfarina – seit Jahren konstant hohe Restwerte. Bewegt sich die Basisversion, das Italia Coupé, im Bereich zwischen 165.000 und 260.000 Dollar, rangieren die beiden Speciale-Versionen um ein Vielfaches darüber. Das nach gängigen Schätzungen rund 1300-mal gebaute Coupé (offizielle Zahlen hat Ferrari nie veröffentlicht) wird im Schnitt knapp unter der Millionen-Dollar-Marke taxiert, der nur 499-mal gebaute Aperta etwa doppelt so hoch.
Ein außergewöhnliches 458-Duo mit aufeinanderfolgenden Fahrgestellnummern, das gemeinsam konzipiert und nahezu identisch ausgestattet wurde, kommt am 31. Oktober bei der Auktion von RM Sotheby’s in London ohne Mindestpreis unter den Hammer.


2015 Ferrari 458 Speciale
Der auf der Frankfurter IAA von 2013 enthüllte 458 Speciale ähnelt nur auf den ersten Blick dem Basismodell 458 Italia. Vielmehr heben ihn ein ausgefeilteres Aero-Paket, eine weiterentwickelte Fahrdynamik-Elektronik, der 605 PS starke 4,5-Liter-V8 (ein Plus von 35 PS) und das von 1380 auf 1290 Kilo gesenkte Trockengewicht auf ein deutlich höheres Niveau. Mit einem Verdichtungsverhältnis von 14:1 dreht sein Achtzylinder bis zu 9000-mal pro Minute und war zum Zeitpunkt seiner Einführung der leistungsstärkste Saug-V8 der Ferrari-Geschichte.
Der Erstbesitzer dieses Exemplars orderte über das Ferrari-Tailor-Made-Programm neben der seltenen Außenfarbe Alluminio Grezzo Opaco blaue NART-Rennstreifen und freiliegende Carbon-Details. Schwarze Bremssättel, Scuderia-Ferrari-Wappen auf den Vorderkotflügeln und Titan-Endrohre komplettieren den respektheischenden Auftritt. Kleine Luftleitbleche vor den hinteren Radausschnitten glätten den Luftstrom an den Flanken, während aktive Aerodynamik-Klappen an Front und Heck je nach Fahrsituation maximalen Abtrieb oder minimalen Luftwiderstand bereitstellen. Ein Fahrwerks-Lift-System beugt unliebsamen Kontakten mit zum Beispiel hohen Bordsteinen vor.


Bei Technologie-Highlights wie dem Siebengang-F1-Doppelkupplungsgetriebe, adaptiven magnetorheologischen Dämpfern, einem elektronischen Hinterachsdifferenzial und der Driftwinkelsteuerung SSC griff Ferrari auf die in der Formel 1 und bei der Entwicklung des LaFerrari gesammelten Erfahrungen zurück.
Maßgeschneidert präsentiert sich auch das Interieur dieses neu ins Vereinigte Königreich gelieferten Speciale Coupés, das bei der Katalogisierung erst rund 3190 Kilometer zurückgelegt hatte. Dachhimmel, Oberteil des Armaturenträgers, Radhausverkleidungen und Mitteltunnel sind mit Alcantara bezogen. Für die Carbon-Rennsitze wählte der Besteller dagegen den Hightech-Stoff „Mycro Prestige“. Auf die weißen Kontrastnähte abgestimmt sind ebenfalls weiße, in die Kopfstützen eingestickte „Cavallino Rampante“-Logos. Ein Überrollbügel rundet die Ausstattung ab.


2015 Ferrari 458 Speciale Aperta
Auf dem Pariser Salon von 2014 ließ Ferrari den auf 499 Einheiten limitierten 458 Speciale Aperta folgen. Das Cabrio wirkt dank nahezu identischer Tailor-Made-Optik wie ein Klon des Speciale Coupés und wurde wie dieses neu ins Vereinigte Königreich geliefert. Wie beim Coupé haben auch seine beiden Vorbesitzer ihn bislang nur knapp 2820 Kilometer ins Sonnenlicht gerollt.
Der Speciale Aperta vereint als ultimative Evolution der 458-Plattform die messerscharfe Fahrdynamik des 458 Speciale mit der ungefilterten Freiheit eines Cabriolets mit versenkbarem Hardtop. Auch unter seiner aerodynamisch optimierten Karosserie arbeitet der auf 605 PS gesteigerte 4,5-Liter-V8-Sauger aus der Baureihe F136. Die 35 Zusatz-PS gegenüber dem Standard-458-Italia verdankt er neben der erhöhten Verdichtung überarbeiteten Kolben, neu gestalteten Brennräumen und einem Ansaugsystem aus Carbon. In Kombination mit dem blitzschnell schaltenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe beschleunigt der Speciale Aperta wie das Coupé in nur 3,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Spitze von 320 km/h, begleitet vom unnachahmlichen Crescendo seines frei saugenden Mittelmotors.


Ferrari hat das Aluminiumchassis des Aperta gezielt verstärkt, um trotz des fehlenden festen Dachs eine hohe Torsionssteifigkeit zu gewährleisten. Das komplett aus Aluminium gefertigte, versenkbare Hardtop lässt sich in nur 14 Sekunden einklappen. Der Aperta bringt gegenüber dem Speciale Coupé 50 Kilogramm mehr auf die Waage, ist aber mehr als 90 Kilogramm leichter als ein serienmäßiger 458 Spider – ein Beleg für die akribischen Maßnahmen zur Gewichtseinsparung.
In nahezu identischer Optik und Ausstattung und mit direkt an das Coupé anschließender Fahrgestellnummer wird dieser Ferrari 458 Speciale Aperta zusammen mit seinem Zwilling am 31. Oktober bei der Londoner Auktion von RM Sotheby’s versteigert. Sein Schätzpreis liegt mit 1,2 bis 1,5 Millionen Pfund mehr als doppelt so hoch wie der des Coupés, das auf 500.000 bis 700.000 Pfund taxiert ist. Denn den gut 1300 Coupés stehen nur 499 Aperta gegenüber, und keine andere Version verbindet die Speciale-Technik bei Bedarf mit offenem Fahren. Damit gilt der Aperta als gesuchtester aller 458.


Für jeden Ferrari-Sammler dürfte die Versuchung, beide Lose zu ersteigern und dieses einzigartige Duo zusammenzuhalten, groß sein. Zumal beide mit aufeinanderfolgenden Losnummern im Katalog stehen – der Aperta als Los 132, das Coupé als Los 133 – und der Auktionator sie unmittelbar nacheinander aufrufen wird.
Fotos: Alex Penfold für RM Sotheby's






















































