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Warum redet niemand über diese 4 vergessenen DeTomaso?

Bei Broad Arrows Zürich-Auktion am 7. November kommen gleich vier seltene De Tomasos unter den Hammer – und erzählen gemeinsam die Geschichte des argentinisch-italienischen Autobauers, der mit seiner Kombination aus Italo-Design und US-Power Berühmtheit erlangte.

De-Tomaso-Sammler sollten sich den 7. November im Kalender markieren. Broad Arrow bringt an diesem Herbstsamstag nämlich gleich vier Modelle unter den Hammer, die jeweils auf ihre ganz eigene Art eine wichtige Rolle in der Geschichte des argentinisch-italienischen Autobauers spielen. Nachdem der in Buenos Aires geborene, aber väterlicherseits italienischstämmige Rennfahrer Alejandro de Tomaso in den Fünfzigerjahren aus politischen Gründen in die Alte Welt übergesiedelt war, fuhr er zunächst Rennen auf Maserati und OSCA und gründete 1959 mit Unterstützung seiner gut betuchten Ehefrau Isabelle Haskell in Modena das Unternehmen De Tomaso Automobili.

Anfangs konzentrierte er sich voll und ganz auf Rennwagen, 1963 folgte dann der Schritt zum Straßenauto. Mit dem nach einer Rennstrecke bei Rom benannten Vallelunga debütierte auch das Grundrezept, das künftig die bekanntesten De Tomasos prägen sollte: ein Zentralrohrrahmen-Chassis sowie ein mittig positionierter Großserienmotor von Ford. Im Erstling, von dem nur rund 50 Exemplare entstanden, arbeitete allerdings noch ein Vierzylinder aus dem Ford Cortina. Die eng mit der Marke verbundene V8-Power aus den USA hielt erst mit dem Nachfolger Einzug.

1969 De Tomaso Mangusta

Der Turiner Autosalon 1966 markierte den Wendepunkt, ab dem De Tomaso als ernstzunehmender Autobauer wahrgenommen wurde. Auf der Messe debütierte nämlich der Mangusta, die Keimzelle der späteren V8-De-Tomasos und ein Sportwagen mit unverkennbarem Renngen. Enthüllt wurde er jedoch nicht auf einem eigenen Messestand des jungen Herstellers, sondern auf dem Stand des Karosseriebauers Ghia. Gezeichnet hatte den für damalige Verhältnisse ausgesprochen modern wirkenden Mangusta nämlich niemand Geringerer als Giorgetto Giugiaro. Der Entwurf war ursprünglich für einen Mittelmotor-Iso gedacht, den der Hersteller letztlich nie realisierte. De Tomaso war von der Linienführung begeistert und kombinierte sie mit einem weiteren Projekt, das kurz zuvor gescheitert war: dem Mittelmotor-Rennwagen P70, den er gemeinsam mit der amerikanischen Motorsportlegende Carroll Shelby entwickelt hatte.

Neben der schieren Kraft des 4,7 Liter großen und 305 PS starken Achtzylinders der europäischen Version waren auch die zweigeteilte, nach oben öffnende Motorhaube sowie ein Sperrdifferenzial charakteristische Merkmale des Vorläufers heutiger Supersportler. Die US-Version hatte mit 4,9 Litern etwas mehr Hubraum. Mit dem Mangusta schaffte es der Hersteller aus Modena langsam, aber sicher aus der Nische – bis 1971 wurden immerhin 401 Stück gefertigt. Das von Broad Arrow angebotene Exemplar aus dem Jahr 1969 wurde einst in den USA ausgeliefert, fand aber bereits 1990 seinen Weg zurück über den Atlantik und wurde anschließend in Deutschland restauriert. Broad Arrow gibt das Estimate mit 230.000 bis 275.000 Schweizer Franken an, was umgerechnet rund 245.000 bis 295.000 Euro entspricht.

 

 

 

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1980 De Tomaso Deauville

Mit dem 1970 vorgestellten und nach dem berühmten normannischen Badeort benannten Deauville erweiterte De Tomaso sein Angebot um eine Sportlimousine. Mit dem neuen, eher komfortorientierten Ansatz sollten nicht nur die Stückzahlen gesteigert, sondern auch die Lücke geschlossen werden, die der im Vorjahr eingestellte Maserati Quattroporte I hinterlassen hatte. Als weiteren Konkurrenten für den von Ghia gestylten viertürigen GT hatte der Hersteller den Jaguar XJ6 auserkoren – böse Zungen behaupteten damals, die Italiener hätten sich etwas zu stark in Coventry inspirieren lassen. Auch beim Deauville setzte De Tomaso auf einen V8 von Ford, der hier allerdings logischerweise vorne saß und in dem Reisewagen aus 5,7 Litern Hubraum rund 290 PS schöpfte. Passend zum Charakter der Limousine war der Deauville zudem das erste Modell der Marke, das mit Automatikgetriebe erhältlich war.

1978 stellte De Tomaso eine zweite Auflage der Limousine vor, bei der das Aggregat aus Gründen der Gewichtsverteilung zehn Zentimeter weiter nach hinten versetzt wurde. Zudem wurde das Fahrwerk überarbeitet und eine neue Lenkung von ZF verbaut, wovon sich De Tomaso ein nochmals verbessertes Handling erhoffte. Das Auto, das Broad Arrow am 7. November unter den Hammer bringt, stammt aus dem Jahr 1980 und ist eines von insgesamt nur 244 gebauten Exemplaren der Deauville-Baureihe. Ausgeliefert wurde es zunächst in die Niederlande, die vergangenen zwölf Jahre verbrachte der bestens dokumentierte Wagen in einer Münchner Sammlung. Das Estimate liegt bei 30.000 bis 55.000 Schweizer Franken (rund 32.000 bis 59.000 Euro).

 

 

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1991 De Tomaso Pantera Si

Der Pantera, im Grunde ein massentauglicherer Nachfolger des Mangusta, ging als das bekannteste und meistverkaufte De-Tomaso-Modell in die Geschichte ein. Mit der 1971 eingeführten Raubkatze schielten die Italiener vor allem auf den US-Markt – De Tomaso und Ford hatten sich auf eine Vertriebskooperation geeinigt, in deren Rahmen der Sportwagen in den USA über das Händlernetz der Konzernmarken Lincoln und Mercury vertrieben wurde. Seine Positionierung machte das Coupé zu einem echten Erfolg: Es war auf dem US-Markt zwar teurer als eine Chevrolet Corvette, dank seiner Großserientechnik inklusive Fords Cleveland-V8 aber deutlich günstiger als italienische Sportwagen wie der Dino aus dem Hause Ferrari oder der Lamborghini Miura. Der Pantera war sozusagen ein Exot zum Schnäppchenpreis.

Der Baureihe war eine überaus lange Karriere beschert. 1990 bekam der Pantera eine finale Überarbeitung, für deren Design Marcello Gandini verantwortlich zeichnete – der Vater der Keilform und Schöpfer italienischer Legenden wie des Lancia Stratos oder des Lamborghini Miura. Mit seinem Spoilerwerk und den Kunststoffanbauteilen war der Pantera Si ein typisches Kind der frühen Neunzigerjahre. Hinter den Sitzen arbeitete eine 5,0 Liter große Version des Ford-V8, die 247 PS an eine Fünfgang-Handschaltung von ZF abgab. Das Auktionsauto ist eines von nur 41 gebauten Exemplaren der bis 1993 angebotenen letzten Ausbaustufe – bei insgesamt 7.260 Panteras. Es wurde 1991 über einen Händler in Stuttgart ausgeliefert und verbrachte die vergangenen 35 Jahre durchgehend in deutschem Besitz. Das Estimate liegt bei 210.000 bis 255.000 Schweizer Franken (rund 225.000 bis 275.000 Euro).

 


 

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1996 De Tomaso Guarà

Über zwei Jahrzehnte hatte der Pantera die Fahne der Marke hochgehalten, doch Anfang der Neunzigerjahre war unübersehbar, dass seine Zeit abgelaufen war. Auf dem Genfer Salon 1993 präsentierte De Tomaso schließlich den lange erwarteten Erben – und mit ihm das letzte Kapitel, das Alejandro de Tomaso noch selbst schreiben sollte, bevor er 2003 starb. Optisch ging der Guarà einen eigenwilligen Weg, technisch orientierte er sich an einer Maserati-Studie: Die Barchetta Stradale von 1991 lieferte die Grundlage. Unter der Haut steckte ein Rückgrat aus wabenförmig strukturiertem Aluminium, die Karosserie bestand aus einem Materialmix aus Kevlar, Kohlefaser und Glasfaser. Für die Radaufhängung mit Uniball-Gelenken zeichnete mit Enrique Scalabroni ein erfahrener Formel-1-Konstrukteur verantwortlich. Auch das Motorenkonzept folgte der Hausphilosophie, nur kam das Herz in diesem Fall aus Bayern: Ein BMW-V8 mit vier Litern Hubraum sorgte für Vortrieb. Lange hielt die Kooperation mit München allerdings nicht, denn schon bald griffen die Modenesen wieder zu einem günstigeren 4,6-Liter-V8 von Ford.

Sein Antriebsstrang macht den in Zürich angebotenen Guarà zu etwas Besonderem. Nur etwa 21 Coupés entstanden insgesamt, und nach 1995 erhielten lediglich ein paar wenige davon noch den Münchner Achtzylinder. Das 1996 gebaute Exemplar trägt bis heute seine Originalfarbe Porsche Blue Metallic, kombiniert mit grauem Leder, und verließ das Werk dem beiliegenden Zertifikat zufolge im September 1997. Seine Erstzulassung erhielt es zwei Jahre später in London. Unter seinem zweiten britischen Halter schaffte es der Exot sogar auf die Seiten von „BMW Car“ und „Classic & Sportscar“. Der heutige Besitzer übernahm den Wagen 2012, legte ihn 2014 still und fuhr ihn seitdem nur sporadisch, weshalb der Zähler erst bei rund 25.000 Kilometern steht. Broad Arrow taxiert das Coupé auf 70.000 bis 110.000 Schweizer Franken (rund 75.000 bis 120.000 Euro).

 

 

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