
Der Porsche 911 ist wohl das begehrteste Objekt für Unternehmen, die sich auf Restomods spezialisiert haben – wie etwa Singer, Gunther Werks oder Tuthill, um nur einige zu nennen. Airion Automotive (AIR-ON ausgesprochen) aus Berlin ist ein neuer Akteur in diesem Bereich: ein kleines, engagiertes Team, das die gemeinsame Leidenschaft für moderne – statt rein retro-orientierte – Restomods vereint und über Fachwissen aus den Bereichen Luxusautomobilbau und Motorsport sowie von Tier-1-Zulieferern und Start-ups der Automobilbranche verfügt. Für die Weltpremiere ihrer ersten Kreation, eines Porsche 911 (Typ 993), wählten die Berliner gemeinsam mit ihren Projektpartnern BorromeodeSilva und HWA die prestigeträchtige Bühne der diesjährigen Veranstaltung „The Quail – a Motorsports Gathering".
Laut Projektleiter Constantin Rau wurde dieser in Deutschland entwickelte und gefertigte Sportwagen auf Basis des Porsche 993 mit einer ganz bestimmten Zielsetzung konzipiert. „Wir sind nicht der Ansicht, dass mehr Leistung, mehr Grip und mehr Aerodynamik zwangsläufig zu mehr Fahrspaß auf öffentlichen Straßen führen. Ebenso wenig steigert das bloße Aufgreifen ikonischer Designelemente der Vergangenheit unbedingt die Substanz des Gesamtprodukts", erklärt er. „Unser Ziel war es, das Gewicht zu reduzieren, Sicherheit und Steifigkeit zu erhöhen – eine integrierte Kohlefaserstruktur steigert die Überrollfestigkeit um 250 Prozent – und das mechanische Gesamtpaket zu optimieren. Damit wollten wir das verkörpern, was für uns den Kern eines analogen Fahrerlebnisses ausmacht, ergänzt durch einzigartig schöne Details im gesamten Fahrzeug."

Beim Design arbeitete das Team eng mit dem in Mailand ansässigen Designstudio BorromeodeSilva zusammen. Das Ergebnis ist kein vordergründiges Retro-Design, sondern die Verkörperung dessen, wie sich der 993 hätte weiterentwickeln können, wenn Porsche den luftgekühlten Motor nicht aufgegeben, sondern an der klassischen Formel festgehalten hätte. Entstanden ist so ein recht modern anmutender 911 mit organischen, fließenden Formen, inspiriert vom Industriedesign der frühen 2000er-Jahre – wie etwa Arbeiten der Designgrößen Zaha Hadid und Ross Lovegrove. Jedes Element des Exterieurs wurde neu entworfen und technisch überarbeitet. Dieser konsequente Ansatz zeigt sich besonders deutlich im Interieur: Hier versprühen aus Aluminium gefertigte Komponenten – wie der Schalthebel, die Handbremse, die Pedale und diverse Bedienelemente – in Kombination mit Applikationen aus europäischem Walnussholz das mechanische Flair einer hochwertigen Uhr, bei der jedes Element an der Schnittstelle von Kunst, Funktion und kreativem Erfindungsreichtum angesiedelt ist.
Auf technischer Seite holte sich Airion Automotive Unterstützung von HWA – dem in Affalterbach ansässigen Kraftzentrum, das hinter einigen der aufregendsten Renn- und Straßenmodelle von Mercedes und AMG steht. Das Ziel war es hier, sowohl die leichteste straßenzugelassene als auch die leistungsstärkste Saugmotor-Variante eines 993 zu entwickeln. Während Airion noch keine genaue Gewichtsangabe veröffentlicht hat, wird das zweite Versprechen in Gestalt eines auf 4,3 Liter aufgebohrten, luftgekühlten Sechszylinder-Boxers mit über 400 PS und einem maximalen Drehmoment von 430 Nm eingelöst. Constantin Rau betont, dass der Airion unter Berücksichtigung der deutschen Straßenverkehrs-Zulassungsvorschriften entwickelt wurde und daher auch die ursprüngliche Porsche-Fahrgestellnummer (VIN) beibehält. Gute Fahrbarkeit und hohe Zuverlässigkeit hätten im Lastenheft ebenfalls ganz oben gestanden.

Airion Automotive plant eine Kleinserie von 50 Fahrzeugen, die jeweils individuell nach den Wünschen des Auftraggebers gefertigt werden. Die Preise beginnen bei 895.000 Euro (zzgl. MwSt.), wobei das Spenderfahrzeug nicht im Preis enthalten ist. Die ersten Auslieferungen sind für das dritte Quartal 2027 geplant.
Fotos von Lina Zangers

























