

Während er als Hobby und in eigener Garage so an seinem 1970er Mustang baute, stellte sich Chris Ashton eine Frage: Was würde ein Rennteam aus jener Zeit wohl machen, wenn es Zugang zu heutigen Technologien hätte und ohne alle Fesseln eines Motorsport-Reglements loslegen könnte? Zu diesem Zeitpunkt blickte er schon auf 25 Jahre im Autocross-Rennsport und eine 25-jährige Laufbahn als Künstler, Grafikdesigner und zuletzt Co-Gründer und Design-Direktor des führenden Computerspiel-Studios Turtle Rock zurück. Schon früher in seiner Karriere war er zudem an der Entstehung des populären Ego-Shooters Counter-Strike beteiligt. In dieser Zeitspanne fuhr er viele aufregende und exklusive Autos – vom Lamborghini Gallardo über den McLaren 720S bis hin zu AMG GT-R und Corvette ZR1, um nur einige zu nennen. Doch irgendwann kam er an den Punkt, an dem er sich keine Autos mehr kaufen, sondern sie selbst bauen wollte. Und zwar nicht, um sie zu verkaufen, sondern einfach als etwas Eigenes, an dem er seine Freude haben würde.
Die Frage trieb Ashton so sehr um, dass er sich entschloss, der digitalen Welt den Rücken zu kehren und stattdessen 2022 in Fountain Valley (Orange County, Südkalifornien) zusammen mit einem kleinen Team von Gleichgesinnten Ruffian Cars zu gründen. Ihr Motto: "We do not recreate the past – we make the past relevant for today." Frei übersetzt: „Wir gestalten die Vergangenheit nicht neu, sondern machen sie für die Gegenwart relevant“. Sein Erstlingswerk, der Mustang war auf Anhieb ein Volltreffer. Der Nachfolger, der hier gezeigte Ruffian40 als Neuinterpretation des legendären Ford GT40 Mk1, ebenfalls. Erstmals auf der SEMA 2021 in Las Vegas am Toyo Tires Treadpass gezeigt, ebnete gerade dieses Auto im Jahr darauf den Weg für die Gründung von Ruffian Cars.

Wer die heiligen Werkhallen betritt, kommt aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus. Da stehen neben einem Widebody-Mustang aus 1967 und anderen Wildpferden spektakuläre Unikate wie ein 1000 PS starker Chevrolet El Camino mit Mittelmotor oder ein von einem 1935er Plymouth inspirierter Hot Rod – angetrieben vom mächtigen 9,0-Liter-V10 der Dodge Viper mit 800 PS, der die Kunstfertigkeit eines klassischen Hot Rods mit der Performance eines modernen Rennwagens verbindet. Sein Name: Plymouth GT-1.

CTEK bringt Ruffians Kreationen nach Europa
Zwei Modelle haben es uns aber besonders angetan – nicht zuletzt, weil beide in diesem Jahr am CTEK-Stand auf dem Ultrace Poland in Danzig ihr Europa-Debüt feierten. Die Partnerschaft zwischen dem schwedischen Unternehmen, dem weltweiten Marktführer für Batteriemanagement-Lösungen, und Ruffian begann 2025 auf der SEMA, als Chris Ashton auf dem dortigen CTEK-Stand den Plymouth GT-1 Hot Rod vorstellte. Wie bei allen Ruffian-Modellen ist ein zuverlässiges Energiemanagement von essenzieller Bedeutung; die fortschrittliche Ladetechnologie von CTEK stellt sicher, dass die Hochleistungs-Elektrik der kraftstrotzenden US-Cars sowohl im Straßen- als auch im Rennstreckenbetrieb optimiert bleibt. Der Ruffian GT-1 ist zudem ein perfektes Beispiel für die Leidenschaft und Präzision, die sowohl Ruffian Cars als auch CTEK auszeichnen.
Einer der beiden Ultrace-Showstars bei CTEK war ein 1964er Ford Galaxie 500, mit 700 PS, perfekter 50:50-Gewichtsverteilung, in einer Camouflage-Optik, mit flachem Unterboden, riesigem Heckdiffusor und einem Frontspoiler, der gut und gerne auch als Schneepflug taugen könnte. Penske-Dämpfer optimieren das Handling des tiefergelegten Straßenkreuzers, und für schnelle Reifenwechsel gibt es sogar pneumatische Wagenheber, im Motorsport-Sprech Air Jacks genannt.
Das zweite Highlight war der Ruffian40, eine Carbon-Widebody-Neuinterpretation des legendären Ford GT40 Mk1, der in den 1960er-Jahren neben zahlreichen Siegen in Le Mans auch als straßenzugelassene Version Legendenstatus erwarb. Als Basis nahm Ashton ein rolling chassis, doch anstatt wie zunächst geplant „nur“ einen modernen Motor und ein neues Getriebe einzubauen, entwickelte sich das Vorhaben zu einem auch die Optik massiv beeinflussenden Komplett-Umbau. Der 5,2-Liter-DOHC-V8 von Ford Racing ist eng mit dem Shelby GT350-Motor verwandt, leistet 580 PS bei einem Drehmoment von gut 600 Nm und dreht bis zu einer roten Linie bei 8000/min.


Wie die Le-Mans-GT40 ist auch der Ruffian40 rechtsgelenkt
Optik-Highlights sind der große Ansaugschnorchel am Dachabschluss, der bronzefarben beschichtete, U-förmige Ansaugstutzen und von Ashton selbst entworfene und im 3D-Drucker gefertigte Scheinwerfer. Ein KW-Gewindefahrwerk mit Bilstein-Dämpfern und die um zehn Zentimeter vergrößerte Spurweite optimieren das Handling des mit einer mächtigen Mischbereifung (345/30x19 hinten, 295/30x18 vorn) aufwartenden Unikats. Es gibt sogar eine Rückfahrkamera, aber wie bei den Le-Mans-Einsatzwagen ist auch der Ruffian40 ein Rechtslenker mit rechts liegender Schaltung. Weil die meisten Rennstrecken der Welt im Uhrzeigersinn zu fahren sind und es so mehr Rechts- als Linkskurven gibt. Innen zitieren die mit Alcantara bezogenen und mit Nieten gespickten Sitze ebenfalls das historische Vorbild.
Ruffian Cars nimmt sich bevorzugt Klassiker bis Baujahr 1975 vor, wobei man sich nicht auf ein bestimmtes Jahrzehnt, ein Fahrzeugsegment oder eine Karosserieform festlegen will. Alle Modelle eint die Feier eines ikonischen Designs, kombiniert mit moderner und daher sichererer und zuverlässigerer Technik. Mit Schwerpunkt Elektrik und Energiemanagement, ergänzt um Motorsteuerung, Thermomanagement und Aerodynamik. Laut Ashton sollten die Autos der Kalifornier nicht nur ein unverwechselbares Statement setzen, sondern in der Mischung aus einer Vision, modernem Engineering und hoher Handwerkskunst ein einzigartiges Gesamtkunstwerk bilden.


Jedes Modell ist ein Unikat, wird in Absprache mit dem Kunden rund um ein Thema gestaltet. Vorab wird geklärt, wie und wo er sein Fahrzeug einsetzen will, wie wichtig ihm das Fahrerlebnis und die Performance sind. Eigens dafür werden die Position der Pedale und der Sitze bei einer Sitzprobe exakt der individuellen Statur angepasst.
In der Regel sind die Autos von Ruffian Cars breiter und flacher als das Original, mit maßgeschneiderten Spoilern und Seitenschwellern, reduzierter Bodenfreiheit, aber zum Beispiel modernen Scheinwerfer- und Sicherheitssystemen. Und Motortuning darf nie fehlen. „Denn unsere Autos sollen“, betont Chris Ashton, „nicht nur schnell aussehen, sondern es auch sein.“
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