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Dieser Koenigsegg war Teil eines Skandals. Jetzt steht er zum Verkauf.

Galt als verschollen, war aber tatsächlich nie weg: Der Koenigsegg One:1 mit der Chassisnummer 7108 stand in den vergangenen Monaten im Mittelpunkt einer der kuriosesten Geschichten der Hypercar-Szene – und wird am 4. Juli bei RM Sotheby's für 8 bis 10 Millionen Euro versteigert.

 

Koenigseggs One:1 stellte bei seinem Debüt im Jahre 2014 die absolute Speerspitze des Automobilbaus dar. Bei dem schwedischen Technologieträger trifft ein auf 1.360 Pferdestärken getriebener Biturbo-V8 auf eine Leermasse von 1.360 Kilo. Unter dem Strich steht also ein namenspendendes Leistungsgewicht von einem PS pro Kilogramm. Der Sprint von Null auf 400 km/h soll in nur 20 Sekunden abgeschlossen sein, während das aerodynamisch optimierte Coupé rein theoretisch bis zu 440 km/h rennen soll. Damit sprengt der One:1 selbst die Grenzen des Hypercar-Segments, weshalb Christian von Koenigsegg bei dem Boliden vom ersten „Megacar" der Welt sprach.

Zu den ungeheuren Fahrleistungen, der innovativen Technik – unter dem Carbon-Kleid steckt ein hoch vernetztes und in Echtzeit verstellbares Fahrwerk mit Carbon-Federn und Triplex-Dämpfern an der Hinterachse – und ausgeklügelten aktiven Aero-Elementen kommt eine maximale Exklusivität. Insgesamt haben nur sieben Exemplare die Koenigsegg-Produktionsstätte in Ängelholm verlassen. Davon wurden nur sechs regulär verkauft, bei dem ersten Exemplar handelte es sich nämlich um einen Prototyp, der sich bis heute im Besitz des Herstellers befindet.

 

Der Neupreis lag bei 3,33 Millionen Euro. Im Vergleich zu den 8 bis 10 Millionen Euro, die RM Sotheby's als Schätzwert für das Exemplar aufruft, das am 4. Juli bei der hauseigenen Tegernsee-Auktion unter den Hammer kommt, war der One:1 damals ein echtes Schnäppchen. Ein Beweis dafür, dass die schwedische Ikone auch zwölf Jahre nach ihrer Premiere immer noch mehr als spektakulär ist und sogar noch an Faszination gewonnen hat.

Bei diesem Exemplar mit der Chassisnummer 7108, das in der Koenigsegg-Gemeinde als „JC" bekannt ist, handelt es sich um keinen „gewöhnlichen“ One:1, sondern um den Gegenstand einer Kontroverse, die im vergangenen halben Jahr für einige Schlagzeilen gesorgt hatte. Ende 2025 wurde der ehemalige Formel-1-Fahrer Adrian Sutil in Sindelfingen verhaftet; ihm werden Betrug und Unterschlagung im Zusammenhang mit Leasinggeschäften rund um Luxusfahrzeuge vorgeworfen. Sutil bestreitet die Vorwürfe. Im Januar 2026 meldete dann eine ihm zugeordnete Firma Insolvenz an, und aus dem Umfeld seiner Familie kamen Berichte, wonach mehrere Männer unter Androhung von Gewalt Fahrzeuge aus einer monegassischen Garage herausverlangt hätten – einer von ihnen soll sogar behauptet haben, der berüchtigten russischen Söldnergruppe Wagner anzugehören. Der One:1 galt daraufhin in Teilen der Szene als gestohlen, laut Gerüchten sollte angeblich Interpol nach ihm fahnden.

 

Die Realität erwies sich als deutlich nüchterner. Durch Einsicht in die Fahrzeugpapiere und Rücksprache mit dem zuständigen Koenigsegg-Händler konnte geklärt werden, dass Sutil zu keinem Zeitpunkt als Halter des Fahrzeugs eingetragen war. Eingetragener Halter war stets die Pace Cars International GmbH aus Düsseldorf, eine Tochterfirma von Esser Automotive, dem Händler, über den das Hypercar im April 2015 erstausgeliefert wurde. Das LKA Baden-Württemberg hatte den One:1 zwischenzeitlich sichergestellt, ihn jedoch längst wieder freigegeben – die Behörden wussten wohl die ganze Zeit über, wo er sich befand. Interpol wurde in den Fall nie eingeschaltet. Was bleibt, ist ein Fahrzeug mit einer ungewöhnlichen Biografie und einem Spitznamen, der übrigens nicht auf Sutil, sondern auf den chinesischen Erstbesitzer Yin Xidi zurückgeht. Dieser ist auch unter dem Namen JC Yin bekannt und ließ die Initialen seines Spitznamens auf der Motorabdeckung verewigen.

 

Äußerlich ist das Auto direkt an den Akzenten in „China Pink“ erkennbar, welche die ansonsten sehr dunkle Farbgebung der Sichtcarbon- und Kevlar-Karosserie deutlich aufhellen. Der auffällige Ton findet sich auch auf den Bremssätteln und wurde im Interieur unter anderem für die Ziernähte auf den mit schwarzem Leder und Alcantara bezogenen Carbon-Schalensitzen verwendet. Das Auto wurde in den vergangenen elf Jahren regelmäßig bei Esser Automotive gewartet und hat aktuell 4.233 Kilometer auf dem Tacho stehen. Der zukünftige Besitzer wird durch den wohl berühmtesten One:1 Teil der „Ghost Squadron“-Gemeinschaft von Koenigsegg. Das private Netzwerk veranstaltet exklusive Events, Ausfahrten und Treffen. Angesichts der homöopathischen Stückzahlen werden Interessenten wohl nicht so bald wieder die Gelegenheit bekommen, sich überhaupt einen One:1 sichern zu können.

 

Fotos: Stephan Bauer für RM Sotheby's


 

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