

Der 934 war Porsches erster GT-Rennwagen mit Turboaufladung, blieb jedoch bemerkenswerterweise sehr nah am als Basis dienenden Serienmodell, dem 930 Turbo. Der in der Gruppe 4 homologierte GT war keineswegs einfach zu fahren; nur sehr wenige Spitzenprofis waren in der Lage, das volle Potenzial dieses Biests auszuschöpfen, das auf Geraden wie der in Le Mans Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h erreichte.
Die Gründe für sein tückisches Fahrverhalten lagen auf der Hand: die verzögerte Leistungsentfaltung des Turboladers – das berüchtigte „Turboloch". Hinzu kamen die verhältnismäßig kleinen Reifen, die beim Einlenken zu massivem Untersteuern führten, dem beim Herausbeschleunigen – sobald der volle Turbo-Schub einsetzte – plötzliches Übersteuern folgte. Ein weiteres Handicap des 934 war der Mangel an Abtrieb an der Hinterachse sowie der geringe mechanische Grip. Nur Leistung gab es fast im Überfluss: anfangs 485, in der Folge 540 und in der Spitze sogar 600 PS für Modelle für Kunden in den USA.


Porsche baute 31 Einheiten des 934. Das hier gezeigte Auto mit Fahrgestellnummer 930 670 0172 war das 22. aus der Serie und wurde vor der Saison 1976 an Richard Leder, deutscher Generalimporteur für Firestone-Reifen mit Sitz in Hamburg, geliefert. Er fuhr den Wagen nur sechsmal, ehe er auf tragische Weise im Juni 1976 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Der 934 wurde dann von Volkert Merl, Baustoffhändler und ebenfalls Hamburger, erworben. Nach ersten Rennen in der Saison 1976 ließ er ihn für 1977 zum 934/5 aufrüsten – jene Interimsversion mit dem großen Heckspoiler des 935 und größeren Kotflügelverbreiterungen an der Hinterachse. Damit bestritt er die Rennen zur „Deutschen Rennsport-Meisterschaft", mit einem vierten Platz in Diepholz als bestem Resultat.
Als Merl für 1978 auf einen neuen 935 umstieg, verkaufte er #0172 an den Schweizer Porsche-Händler Peter Zbinden. Der baute den 934/5 auf die ursprüngliche 934-Karosse zurück und setzte ihn zusammen mit Landsmann Edi Kofel neben nationalen Rennen bei ausgewählten Läufen zur Sportwagen-WM ein. Bestes Resultat: Platz 6 in Silverstone 1979. In dreieinhalb Jahren erzielte Zbinden bei 30 Starts elf Podiumsplätze und 18 Klassen- oder Gesamtsiege. Auch die noch folgenden Besitzer waren Eidgenossen: Pierre Schaerer aus Bern und Peter Baumann aus Zürich, der das Auto 1982 übernahm und es akribisch zurück in den Originalzustand versetzte. Danach stand er lange in einer Sammlung und wurde selten in der Öffentlichkeit gesehen.


Dieser über sechs Jahre intensiv im Rennsport eingesetzte, aber bemerkenswert gut erhaltene 934 wurde in der Werkstatt von Cars International Heritage behutsam so umgerüstet, dass er nun eine Zulassung für den Straßenverkehr in der EU erhielt. Dazu wurde das Fahrwerks-Set-up etwas weicher ausgelegt, und auf die mehrteiligen BBS-Leichtmetallfelgen ein Satz neuer, straßenzugelassener Reifen montiert. Der leicht gedrosselte Dreiliter-Boxer wurde auf eine verbesserte Fahrbarkeit getrimmt, sodass er auch nach einem Kaltstart ruhig im Leerlauf läuft und seine Leistung progressiv entfaltet.
Im Interieur lag die Betonung auf einem mehr an ein Straßen- denn an ein Rennfahrzeug angelehntes Ambiente. Mit komplettem Teppichsatz, den Serien-Türtaschen sowie dem mit schwarzem Leder und grünen Ziernähten überzogenen originalen Überrollkäfig aus Hohlprofil-Aluminium. Darüber hinaus wurden die Recaro-Sitze mit einem auffälligen grün-gelben Karostoff neu gepolstert. Fun fact: Porsche stattete die 31 Autos damals mit elektrischen Fensterhebern aus – auch hier sind sie weiter funktionsfähig. Unser Lieblingsdetail aber sind die eigens für dieses Unikat entworfenen „934"-Aufkleber auf den Heckkotflügeln – eine Reminiszenz an den originalen, geschwungenen „Turbo" Schriftzug des 1973 auf der IAA enthüllten 930-Prototypen.


Alle im Zuge dieses Prozesses demontierten Originalteile hat Cars International Heritage sorgfältig aufbewahrt und zusammengelagert. So ist ein unkomplizierter Rückbau auf die volle Rennspezifikation möglich, falls der neue Eigentümer das Fahrzeug bei Veranstaltungen wie Le Mans Classic oder der Rennsport Reunion wieder an den Start bringen will. Wenn Sie sich also vorstellen könnten, diesem wohl originalsten und bestdokumentierten Exemplar unter allen noch erhaltenen 934ern neues Leben bei historischen Rennmeetings einzuhauchen – oder es als einzigartigen Daily Driver mit unter der Haut schlummernder Renn-DNA zu nutzen –, sollten Sie nicht zögern, Cars International Heritage zu kontaktieren.





















































