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Die einzigartigsten Defender der Welt stammen aus dieser Amsterdamer Fabrik

Eine leere Amsterdamer Fabrik, ein ramponierter Militär-Geländewagen und absolut keine mechanische Erfahrung – so begannen The Landrovers vor fünfzehn Jahren. Heute fertigen 75 Handwerker auf genau demselben Gelände einige der weltweit individuellsten und am sorgfältigsten konstruierten Defender.

 

In den letzten Jahrzehnten wurden in ganz Europa unzählige alte Fabrikgebäude zu Lofts, Ateliers und kreativen Workspaces umgestaltet. Das Areal in Amsterdam, das heute The Landrovers beherbergt, nahm genau auf diese Weise seinen Anfang. Zwei Universitätsstudenten zogen in eine leere Fabrik in einem Gewerbegebiet innerhalb des Stadtrings ein, wohnten dort mietfrei, verliebten sich in einen ausrangierten Militärlastwagen und bauten dann den gesamten Ort in eine Werkstatt um. Was als persönliche Obsession begann, wurde zu einer echten Produktionsstätte: ein Ort, an dem Lackierung, Polsterung, Holzarbeiten, Verkabelung und Technik unter einem Dach stattfinden und die am konsequentesten maßgeschneiderten Defender der Welt entstehen.

 

Die Afrika-Durchquerung, die noch durchgeführt werden muss

Die Geschichte beginnt um 2009, als Peter und sein Freund Daniel in Amsterdam studierten und ihnen ein gemeinsamer Freund einen Deal anbot: Sie sollten in eine leere Fabrik in einem Gewerbegebiet einziehen, dort kostenlos wohnen und das Gebäude vor Hausbesetzern schützen. Sie sagten zu.

Daniel brach bald darauf zu einem akademischen Austausch nach Südafrika auf, verliebte sich in das Land und in eine Südafrikanerin – und schlug Peter schließlich etwas Waghalsiges vor: Sie sollten einen Geländewagen kaufen und dorthin fahren. In ihren Augen gab es für eine solche Reise nur ein einziges geeignetes Fahrzeug. Sie kauften einen rechtsgelenkten Ex-Militär-Defender der britischen Armee aus den 1980er-Jahren mit dem Saugdiesel, der ursprünglich 68 PS leistete – wovon sich gefühlt noch etwa 18 PS am Leben befinden dem Erdboden. Keiner von beiden hatte mechanische Erfahrung. Sie brachten es sich einfach unterwegs selbst bei.

„Wir verliebten uns in das Fahrzeug und in den Prozess“, erinnert sich Peter. „Wir investierten unsere gesamte Zeit und unser gesamtes Geld darin.“ Dann ging die interkontinentale Beziehung in die Brüche, das Geld ging aus und sie stellten den Defender online. Bereits am nächsten Morgen standen zwei Interessenten vor der Tür. Der Erste kaufte ihn auf der Stelle. Der Zweite kam zu spät, war aber von der Arbeit der beiden Jungs so beeindruckt, dass er ihnen stattdessen einen Vorschlag machte: „Baut mir einen, der genau so ist.“ Er zahlte im Voraus. „Das war im Prinzip unser erster individueller Auftrag“, erklärt Peter.

 

Aus einem Jahr wurden fünfzehn

Ein Auftrag führte zum nächsten. Jeder Kunde wünschte sich etwas, das noch ein wenig ehrgeiziger war als der vorherige: größere Projekte, maßgeschneiderte Innenausstattungen, komplette Motorüberholungen oder gleich der vollständige Austausch. Aus fünf Personen wurden zehn; aus zehn wurden allmählich fünfundzwanzig. Die Fabrik, in die sie als Studenten eingezogen waren, wurde still und heimlich zu ihrer Werkstatt, ihrem Atelier, ihrem Firmensitz.

Es ist keine gewöhnliche Fabrikhalle, in der alles ordentlich aufgereiht steht, sagt Peter. Es gibt viele kleine Gebäude, kleine Werkstätten. Genau diese Kombination aus allem ist The Landrovers. Today arbeiten über 75 Menschen auf dem Gelände. Ein dritter Eigentümer, Frank Tijs, kam hinzu, weil er seinen alten VW-Camper elektrifizieren wollte. The Landrovers boten ihm die Werkstatt kostenlos im Austausch für sein Fachwissen an. Dies führte direkt zur Entwicklung der Panterra-Plattform – dem proprietären Radnabenmotorsystem, das heute die Elektro-Defender des Unternehmens antreibt – und zu Franks Aufstieg zum Miteigentümer.

 

Eindrucksvolle EV-Technologie

Im Jahr 2018 stießen die drei Gründer auf einen Hersteller, der elektrische Radnabenmotoren produzierte, und erkannten deren Potenzial. „Einen Motor unter der Haube zu haben, dann ein Getriebe, ein Verteilergetriebe und Antriebswellen, um die Kraft auf die Räder zu übertragen: Das ist irgendwie unsinnig“, sagt Peter. In der Vergangenheit gab es keine andere Lösung. „Aber Radnabenmotoren – das ist die Zukunft.“

Einen Defender um diese Motoren herum zu bauen, erforderte eine völlige Neukonzeption des Fahrgestells: eine Einzelradaufhängung, um die zusätzliche ungefederte Masse auszugleichen. Durch den Wegfall des Antriebsstrangs wurde der Unterboden frei für selbstentwickelte Batteriepakete von bis zu 200 kWh. Das ist beachtlich – Teslas Cybertruck zum Vergleich verfügt lediglich über eine maximale Kapazität von 123 kWh.

Doch die elektrifizierten Defender benötigen einfach größere Batterien, um ihren miserablen Cw-Wert auf dem Niveau eines Ziegelsteins auszugleichen. Das Ergebnis ist eine beeindruckende Reichweite von bis zu 600 Kilometern oder 375 Meilen. Derzeit machen die E-Varianten etwa zwanzig Prozent der Produktion aus, aber The Landrovers rechnen damit, dass dieser Anteil in den kommenden Jahren signifikant steigen wird.

 

Nein ist nicht der Standard

Was The Landrovers von jedem anderen Defender-Spezialisten abhebt, ist das Engagement für die Vision des Kunden. „Bei den Spezifikationen gibt es keinerlei Limits“, sagt Peter. Wir bauen wirklich ihren Traum. Der Projektleiter wird sogar noch deutlicher: „Wir sagen zu Beginn niemals Nein. Unser Design- und Ingenieurteam prüft die Möglichkeiten, denn wir finden es das Coolste überhaupt, den Traum eines Kunden wahr werden zu lassen. Das ist unsere Stärke.“

Ein perfektes Beispiel hierfür ist das Schiebedach. Ein Kunde sagte zu uns: „Ich liebe diesen typischen Look des Defender-Hardtops, aber ich möchte einen Knopf drücken können, damit das Dach von vorne nach hinten aufschiebt. Könnt ihr das machen?“ Die Antwort lautete wie gewohnt: „Das wissen wir noch nicht, aber wir werden es versuchen.“

Was folgte, war die Entwicklung eines vollautomatischen Schiebeelements, das sich nahtlos in die Dachlinie des Hardtops einfügt. Ein einziger Knopfdruck genügt, und das Dach gleitet innerhalb von fünf Sekunden vollständig auf oder zu. Das Feature erwies sich als so beliebt, dass mittlerweile etwa die Hälfte aller Kunden es bestellt. Es illustriert anschaulich, wie The Landrovers arbeitet: Eine scheinbar ausgefallene Anfrage eines Kunden wird zum neuen Standard. Ehe jedoch ein solches Feature endgültig freigegeben wird, prüft das Team dessen Kompatibilität mit den lokalen Zulassungsvorschriften des Landes, in das das Fahrzeug ausgeliefert werden soll. Das Letzte, was man sich nach fast einem Jahr Arbeit wünscht, ist ein Auto, das keine Zulassung erhält.

 

Der Designprozess

Der Designprozess entfaltet sich in einem Raum, den The Landrovers den „Dream Room“ nennen, wo Kunden von Materialmustern und Farbvorlagen umgeben sind und jedes kleinste Detail ihres Fahrzeugs durchgehen. Es gibt keinen festen Zeitplan: Einige Kunden kommen nur einmal und entscheiden schnell, andere kehren mehrmals zurück, während sich ihre Ideen weiterentwickeln und verfeinern.

„Die Leute sind es gewohnt, in ein normales Autohaus zu gehen, die Schlüssel in Empfang zu nehmen und davonzufahren“, sagt Peter. Hier hingegen erstreckt sich dieses Erlebnis über neun bis zwölf Monate. Die Entscheidungen werden schrittweise im Verlauf des Aufbaus getroffen, wobei man sich – ausgehend von der Außenfarbe – durch Hunderte einzelner Details nach innen vorarbeitet. Es ist eine super organische Reise, erklärt der Projektleiter. Alles entwickelt sich ganz natürlich während des Bauprozesses.

Und dann ist da noch der Name. Jeder Kunde gibt seinem Defender einen eigenen: Einige benennen ihn nach einem Hund, andere nach ihren Kindern und wieder andere nach den Reisezielen, die sie mit ihrem neuen Abenteuermobil erreichen wollen.

 

Das Handwerk steht über allem

Fast alles wird in Amsterdam gefertigt – und zwar in Handarbeit. Lackierarbeiten, Polsterung, Holzarbeiten, Kabelbäume sowie CNC-gefräste und 3D-gedruckte Bauteile: All das wird direkt vor Ort produziert. Das Unternehmen hat sogar seine eigene Software entwickelt, um die volle Kontrolle über jeden einzelnen Stromkreis in jedem Fahrzeug zu behalten. Die so gut wie einzige Ausnahme bildet die Galvanisierung des Fahrgestells. Alles andere bleibt im Haus.

Spenderfahrzeuge werden weltweit beschafft; die meisten kommen aus Spanien und Portugal, oder, in einem denkwürdigen Coup, aus Gambia, wo das Netzwerk der Gründer auf einen Schlag 42 Fahrgestelle ausfindig machte. Der rote Lehm der westafrikanischen Pisten ließ sie katastrophal verrostet aussehen; in Realität befanden sie sich jedoch in einem strukturell hervorragenden Zustand, da es dort keine gesalzenen Straßen und nur eine geringe Luftfeuchtigkeit gibt, die verborgene Schäden verursachen könnten. Die Karosserieteile, Bleche und Zierelemente werden ohnehin vollständig durch neue, zertifizierte Land-Rover-Komponenten ersetzt.

Das Motorenangebot reicht von den originalen Defender-Antrieben – dem 200 Tdi, Td5 und Puma – bis hin zu den LS3-, LT1- und LT4-V8-Motoren von Chevrolet. Der 650 PS starke Corvette-Motor beschleunigt den modernisierten Offroader in nur 4,5 Sekunden auf 100 km/h. Beim Getriebe bieten The Landrovers zwei Optionen an, nämlich eine Einheit von General Motors oder die Achtgang-Automatik von ZF. Die V8-Motoren sind zudem auch mit Schaltgetriebe erhältlich. Der Aufbau eines Fahrzeugs nimmt zwischen neun und elf Monaten in Anspruch, wobei pro Jahr rund 30 Fahrzeuge die Werkstatt verlassen.

 

Auf den Lifestyle des Kunden maßgeschneidert

Der Kalahari, der sich derzeit im Bau befindet, veranschaulicht, was all das möglich macht. Benannt nach der namibischen Wüste, präsentiert er sich in einem klassischen Old-School-Beige – jenem Farbton, den Toyota jahrzehntelang für Land Cruiser verwendete. Der Auftraggeber ist ein passionierter Ironman-Wettkämpfer, und das Projekt spiegelt dies in jeder Hinsicht wider. Ein Dachgepäckträger, zusätzliche Kraftstoff- und Wassertanks, modulare Stausysteme sowie maßgefertigte Heckträger für Rennräder gehören zur Ausstattung.

Die Rücksitze sind für den schnellen Ausbau über Schnellverschlussmechanismen konzipiert, wobei spezielle Befestigungspunkte nahe der Vorderachse dafür sorgen, dass der Träger auch unter Last stabil bleibt.

„Wir stellen immer sicher, den Kunden genau kennenzulernen, damit wir ein persönlicheres Bild von der Person und ihrem Leben gewinnen. So können wir das Auto genau darum herum bauen.“ Dies ist kein Auto, das in einer Garage verstauben wird. Es ist ein Fahrzeug, das für den harten Einsatz gebaut wurde – genau unter den Bedingungen, für die der Defender geboren wurde.

Aus dem Englischen von Thomas Imhof

 

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