Der Aestec GTS ist eine Hommage an den legendären Porsche 904

In einer Synthese aus zeitloser Ästhetik und moderner Technologie hat Aestec Design aus Werl in Nordrhein-Westfalen einen der seltensten und begehrtesten Homologations-Sportwagen der Geschichte, den Porsche 904 GTS, neu interpretiert. Classic Driver hat sich dieses spannende Projekt angesehen.

Das Konzept des „Restomods” als Optimierung eines Automobils von gestern mit heutiger Technologie, um die Persönlichkeit und den Geschmack des Besitzers auszudrücken, findet immer mehr begeisterte Anhänger. Aber was wäre, wenn man einen modernen Sportwagen baut und ihm eine zeitlose Form aus der Vergangenheit verleiht? Ein Unternehmen in Nordrhein-Westfalen hat diesen Weg gewählt und das Schlaglicht einmal nicht auf den Porsche 911, sondern ein anderes Modell aus der illustren Geschichte der Zuffenhausener Marke geworfen hat: der Porsche 904 GTS.

Die von Alexander Schäferhoff und seiner Firma Aestec Design entwickelte Sonderanfertigung mit der passenden Bezeichnung GTS basiert auf einem erheblich modifizierten Unterbau eines Porsche Boxster der Generation 986, der in eine Karosserie gekleidet wurde, die trotz moderner Linienführung demberühmten Original allen Respekt zollt. Schäferhoffs reichhaltige Erfahrung mit dem Restaurieren und Vorbereiten historischer Porsche ließ ihn auch über das Wissen und die technische Expertise verfügen, um Entwicklung und Produktion selbst in Angriff zu nehmen. Wir besuchten ihn in seiner Manufaktur, um diesen Mann und sein außergewöhnliches Projekt kennenzulernen.

Was sind Ihre frühesten Erinnerungen ans Auto?

Als ich klein war, nahm mich mein Vater regelmäßig mit zu einem Freund, der Mercedes-Benz-Händler war und einen SSK restaurierte. Es war für mich fantastisch zu beobachten, wie sich dieses Projekt entfaltete.

Würden Sie uns erzählen, was Sie gemacht haben, bevor Sie Aestec gründeten?

Bis ich 20 Jahre alt war, habe ich klassische Porsche restauriert, historische Porsche-Rennwagen gebaut und zugleich Teams im historischen Motorsport unterstützt, die mit Porsche-Fahrzeugen am Start waren. Im Jahr 2016 gründete ich dann mein eigenes Unternehmen, das sich zunächst um die Restaurierung klassischer Porsche und die Überarbeitung ihrer Motoren drehte, ehe diese Idee, eine moderne Interpretation des legendären Porsche 904 zu schaffen, in mir reifte.

Warum hat gerade der Porsche 904 GTS Sie so in seinen Bann gezogen?

Weil er für mich die Ikone schlechthin darstellt. Ein solches Design in den frühen 1960er-Jahren zu schaffen, war für Porsche eine unglaubliche Leistung. Auf der technischen Seite markierte er in der Autoindustrie den Anfang des Leichtbaus durch den Einsatz von Glasfaser. Heute ist es schon sehr viel gebräuchlicher, Serienwagen mit Kunststoffpaneelen auszustatten, um das Gewicht zu minimieren. Der 904 ist der Vorläufer dieser so gefertigten Sportwagen.

Was ist die Philosophie hinter dem Aestec GTS?

Wir wollten an eine wahre Ikone der Automobilgeschichte erinnern – in Form einer modernen Hommage an den Porsche 904. Dabei nutzten wir alle technologischen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen. Ein Beispiel: Glasfaser galt in den 1960er-Jahren als der Werkstoff schlechthin, während sich heute alles um kohlenstofffaserverstärkte Polymere dreht. Wir hatten nie vor, eine exakte Replik des Porsche 904 zu bauen – Butzi Porsche hätte sich bei dem Gedanken, dass wir dasselbe Auto fünfzig Jahre später immer noch genauso bauen, schließlich in seinem Grab umgedreht. Unser Ziel war vielmehr,  einen richtigen Grand Touring-Sportwagen zu entwickeln, der einerseits genügend Raum für Gepäck bietet, aber zugleich auch mit der Leistung für schnelle Runden auf einer Rennstrecke aufwartet. Nie haben wir dabei die DNA des Porsche 904 aus den Augen verloren: Ein Mittelmotorkonzept, umfangen von einer der schönsten Karosserien, die je entworfen wurde.

Würden Sie uns bitte durch den Entwicklungsprozess des Aestec GTS führen?

Ich hatte immer den P/904 von GWA in Texas bewundert, wusste aber, dass es sich hier um ein Photoshop-Rendering handelte. Weil der originale Porsche 904 so klein war, hatten Fahrer immer wieder Probleme, hinters Steuer zu schlüpfen. Heute sind die Fahrzeuge subtil modifiziert, damit die Piloten komfortabler sitzen können. Ich beschloss also, eine 904-Karosserie zu kaufen und sehr genau die Dimensionen und Maße zu studieren, ehe ich nach einem passenden modernen Chassis Ausschau hielt – eines, dass etwas größer als das Original war aber eine gute technische Grundlage für den weiteren Aufbau und das Update erlaubte. Das konnte natürlich nur ein Porsche-Chassis sein, und so entschieden wir uns für jenes des 986. Wir fingen an, ein Modell zu bauen und nutzten dazu Windkanal-Simulationen, außerdem mussten wir die Werkzeuge entwickeln. Danach haben wir die technische Seite in Angriff genommen und Bremsen, Unterboden, Chassis und Motor auf den neuesten Stand zu bringen. Ziel war es, eine Sportwagen-Grundlage zu schaffen, die zeitgemäße Ansprüche an Exzellenz und Leistung erfüllen sollte. Danach haben wir den Innenraum mit aufwändigen Teppichen, Leder und anderen Materialien sowie einem modernen Infotainmentsystem neu gestaltet.

Wie erzielen Sie die Balance zwischen klassisch und modern  gerade im Hinblick auf das Styling?

Es gibt einen Satz von Ferdinand Alexander Porsche, der auch heute immer noch seine Gültigkeit besitzt. „Form folgt Funktion”. Lässt man sich von dieser Philosophie anleiten, dann folgt das Design ganz von selbst. Das Wichtigste für mich ist, jedem noch so kleinen Detail meine ganze Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn jede einzige Komponente mit Leidenschaft und Hingabe gestaltet wurde, dann entsteht daraus ein kohärentes Design.

Wie kann man sich das Handling des Aestec GTS vorstellen?

Also, ich bin wirklich sehr stolz und zufrieden mit der Performance dieses Autos, vor allem, wie leicht es sich anfühlt, beim dynamischen Verhalten neutral bleibt und wie steif sich das Chassis dank integriertem Überrollkäfig erweist. Uns ist ein echter Gran Turismo-Sportwagen gelungen.

Was war Ihre größte Herausforderung während der Entwicklung des Autos?

Eine der größten Herausforderungen bestand darin, den Wasserkühler sowie das Lufteinlasssystem in der Front zu integrieren. Es gab vorne nicht allzu viel Platz für die Kühlungsanlage, was insofern schwierig war, weil unsere größeren Motoren einen höheren Kühlungsbedarf verlangten. Vor allem, weil der Aestec als Mittelmotorkonzept ausgelegt ist. 

Was gefällt Ihnen am Aestec GTS am besten?

Ich liebe den Sound des Lufteinlasses und wie man im Cockpit den direkten Luftstrom zum Triebwerk spürt. Ich bin auch begeistert, dass alle modernen Sicherheitsaspekte an Bord sind, dass es genügend Gepäckraum gibt und sogar Apples CarPlay-System – alles verpackt in einem klassischen Design aus den 1960er-Jahren.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Wir wollen ganz offiziell unsere moderne Interpretation eines Porsche 904 vorstellen und damit Menschen auch daran erinnern, dass der Elfer nicht der einzige Sportwagen in der Porsche-Familie ist. Unser Ziel ist es, zehn Fahrzeuge pro Jahr zu produzieren und an der Weiterentwicklung des Aestec GTS zu arbeiten.

Fotos: Mathieu Bonnevie for Classic Driver © 2019 

Die Herstellung dieses Beitrags wurde freundlich unterstützt von Aestec Fahrzeugbau. Sie finden den kleinen aber feinen Bestand an modifizierten Porsche des Unternehmens zum Verkauf im Classic Driver Markt.