Classic Concepts: Karmann Typ 1 Coupéstudie

Die(se) Schönheit kann man nicht kaufen. Das Design der frühen 50er und 60er Jahre aus Wolfsburg kannte nur eine Form: die Rundung. Mit der Karmann Typ 1 Coupéstudie begann erstmals eine kantigere Designlinie. Ohne Erfolg, denn das Coupé blieb ein Einzelstück.

Nichts ist so vergänglich wie Design. Immer die gleichen Formen machen müde und animieren nur selten zum Kauf. Eine Regel, die wohl nirgends so zutrifft, wie im Autobau. Bereits Ende der 50er Jahre erkannte dies auch Wilhelm Karmann und gab, trotz florierender Verkäufe des Volkswagen Karmann Coupés, die Formensprache der barocken Rundungen zur Überprüfung frei. Seine Vision von einem eleganten Coupé mit der zuverlässigen Volkswagen-Technik in einem neuen, eleganten Outfit sollte das Programm der Osnabrücker auffrischen. Denn Karmann war klar: Nur wer mit der Zeit geht, kann am Markt überleben.

Ghia, eine der besten Adressen, wenn es um modernes Design für den Automobilbau ging, war Karmanns erste Anlaufstelle. Der umtriebige Designer Luigi Segre in Turin, Leiter und Chefstilist der Carrozzeria Ghia, war nicht nur neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen, sondern zugleich noch ein enger Freund Karmanns und Vater des bereits sehr erfolgreichen Karmann Ghia. Wer, wenn nicht er, hätte zudem die Legitimation gehabt, an dem perfekten Entwurf des Coupés Hand anzulegen.

Classic Concepts: Karmann Typ 1 CoupéstudieClassic Concepts: Karmann Typ 1 Coupéstudie

Segre machte sich mit seinem Team kurzfristig an die Arbeit und ließ auf der Basis des Käferfahrgestells ein Coupé entstehen, was deutlich moderner als das Serienmodell wirkte. Stilmittel war vor allem die gerade Linie. Wo zuvor schwülstige Rundungen zu sehr an die Petticoat Ära erinnerten, zog jetzt eine unerhörte Dynamik ein. Eine große gläserne Kuppel am Heck, schmale Dachpfosten und eine verhältnismäßig kleines Dach gaben dem Coupé die gewünschte Leichtigkeit. Reichlich Chrom und eine erheblich steilere Front machten aus dem einst damenhaft anmutenden Wagen ein Auto von Format. Von der besonderen Innovationsfreude Segres zeugt vor allem die Frontscheibe, deren oberer Rand sich weit in das Dach hineinzieht und so den Blick frei macht auf die Schönheit italienischer Alpenregionen.

Dass aber auch die neue Designlinie nicht vollständig auf die runden Formen verzichten mochte, zeigt sich an den Details wie den Scheinwerfern und Blinkern. Im Gegensatz zu der konsequent eckigen Heckansicht findet sich die bewährte Formensprache des Käfers am Bug wieder. Weshalb man in Italien jedoch eine nach unten gekippte hintere Stoßstange verbaute, die stark an einen missglückten Einparkversuch erinnerte, wird eines der ungeklärten Geheimnisse bleiben. Neben dem ungewöhnlichen Design setzte dieser Volkswagen auch neue Maßstäbe im Bereich des Innenraums. Statt nacktem Blech schafften hochwertige Stoffe eine angenehme Atmosphäre und boten den in dieser Hinsicht bislang nicht gerade verwöhnten Volkswagen-Kunden einen Einblick in die Luxusklasse des Automobilbaus.

Classic Concepts: Karmann Typ 1 Coupéstudie

Segre, im Übrigen Mitbegründer der Sportwagenmarke OSI, starb bereits ein Jahr nach seiner Arbeit bei Ghia. Seine Werke – neben dem Karmann Ghia Coupé entwarf er auch das Cabriolet – gelten bis heute als begehrte Designikonen und Maßstab guten Designs. Das hier vorgestellte Coupé gelangte jedoch entgegen der Vorstellungen Karmanns aufgrund des anhaltenden Erfolges des Typ 14 nicht zur Serienreife und blieb Zeit seines Lebens ein Einzelstück, das sogar auf einen Motor verzichten musste.

Dass das Modell aus der von Volkswagen aufgekauften Karmann-Sammlung das Licht der Öffentlichkeit sieht, ist somit äußerst selten. Umso eher sollte man die Chance nutzen, auf der diesjährigen Schloss Bensberg Classics dem rassigen Italiener einen Besuch abzustatten.


Fotos: Volkswagen

Die Website zur Schloss Bensberg Classics 2012: www.sbc2012.de

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