Unter der Sonne Kaliforniens in Volkswagens neuem Elektro-Buggy

Der Manx Buggy ist spätestens eine Ikone, seitdem Steve McQueen im Film „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ an der Seite von Faye Dunaway mit ihm durch die Dünen fegte. Mit dem elektrischen ID Buggy Concept hat Volkswagen dem Kunststoff-Strandflitzer nun die Ehre erwiesen.

Auf dem kalifornischen 17 Mile Drive herrscht and diesem Samstagmorgen geschäftiges Treiben. Die idyllische Pazifikküstenstrasse führt nämlich zum Golfkurs von Pebble Beach, an dem am nächsten Tag der legendäre Pebble Beach Concours of Elegance stattfinden wird und schon jetzt Automobilraritäten von Weltrang in Richtung des Grüns gebracht werden. Auch die vollelektrische Freizeitmobil-Studie ID Buggy von VW soll in Pebble Beach auf dem Konzeptrasen stehen – und gegen spektakuläre Showcars wie Bugattis La Voiture Noire um den Klassensieg streiten. Doch vorher dürfen wir noch eine Runde in dem wertvollen Einzelstück drehen. 

In einer geheimnisvollen SMS mit den Koordinaten 36° 36’37.5“N & 121°56’50.1 und der Uhrzeit 9:30 wird der Treffpunkt für die spaßversprechende Testfahrt mitgeteilt. Die Koordinaten führen uns zu einem Parkplatz mit Meersicht, auf dem gerade die ersten Surfer ihre Bretter von den Pick-Up-Trucks laden und sich auf den Sprung in den Pazifik vorbereiten. Etwas Abseits steht auch der ID Buggy fertig zur Abfahrt, neugierig von Passanten und den Surfer-Dudes begutachtet. Die Gene des Manx Buggy – dem von Bruce Meyers in den 1960er Jahren entwickelten Spaßmobil, das nicht nur in Kalifornien Kultstratus genießt – sind beim ID Buggy unverkennbar. Wie beim klassischen Manx scheint die matt-neongrüne Kunststoffkarosse über dem Unterbau zu schweben. Bewußt wurde auf Türen und Fenster verzichtet, um die Nähe zum Original zu erhalten. Angetrieben wird der ID Buggy allerdings nicht von einem schweren und laut tuckernden Corvair-, Porsche- oder Käfermotor, sondern von einer flüsterleisen E-Maschine mit einer Leistung von 204 PS. 

 

Der zweisitzige ID Buggy ist als unterhaltsames, offenes Freizeitmobil konzipiert. Vom passenden Longboard im Heck bis zur mobilen Bluetooth-Musikanlage ist an Bord alles auf den Spaßfaktor ausgerichtet. Und der ID Buggy hält, was er verspricht. Das minimalistisch ausgestattete Interieur erlaubt es derweil, sich darauf zu konzentrieren, was um einem herum passiert. Beim Starten begrüßt einen der ID Buggy mit einem kalifornisch-lässigen „Hey you…“ und der Info, dass der Buggy bereit ist zur Abfahrt. Schnell ist noch die Beach-Boys-Playlist bei Spotify geladen und begleitet von „Good Vibrations“ beginnt unsere Fahrt entlang der Pazifikküste. 

Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit der Konzeptstudie noch auf etwa 30 Stundenkilometer begrenzt ist, lässt sich erahnen, welchen Spaß man mit dem puristischen Freiluftgefährt haben kann. Tatsächlich soll der ID Buggy im unwahrscheinlichen Fall einer Serienproduktion bei 160 km/h begrenzt werden, was für locker-lässige Strandfahrten aber völlig ausreichend sein dürfte. Viel wichtiger als die Höchstgeschwindigkeit ist ohnehin der optionale Allradantrieb, damit das Dünenvergnügen nicht jäh im Sand endet.

Wie universell die Anziehungskraft des Buggy ist, zeigt sich bei unseren letzten Zwischenstopp: Eine Familie aus Schweden, offensichtlich auf dem Weg zum Pebble Beach Concours, kann sich gar nicht mehr einkriegen vor Begeisterung – und bieten uns allen Ernstes an, ihren Koenigsegg sofort gegen den ID Buggy einzutauschen. Da hätte wohl auch Steve McQueen überlegen müssen. 

Fotos: Ingo Barenschee für Classic Driver © 2019