Showstar von 1938: William Lyons einmaliges SS100 Coupé

Die Besucher der Earl‘s Court Motor Show staunten nicht schlecht. Damals im Jahr 1938, als der junge William Lyons seine Interpretation eines Gentleman-Coupés ins Rampenlicht fuhr. Und prompt an einen gewissen Leo March veräußerte.

Eine sehr großzügige Geste, wenn man bedenkt, dass Gordon March gerade einmal 17 Jahre alt war...

Das SS100 Coupé schien den vergleichbaren Fahrzeugen vom Kontinent auf Anhieb ebenbürtig. In punkto Ästhetik, Kraft und Sportlichkeit. Und der solitäre Zweisitzer war ähnlich teuer: Stattliche 595 Pfund Sterling machten den Gleiter mit festem Dach sogar zum teuersten Vertreter der klassischen SS-Modelle. Dennoch verkaufte Lyons, der schon mit 37 Jahren ein genialer Geschäftsmann war, direkt an keinen anderen als an Leo March, der diese Schönheit für seinen Sohn erwarb. Eine sehr großzügige Geste, wenn man bedenkt, dass Gordon March gerade einmal 17 Jahre alt war und fortan mit diesem sportlichen Unikat durch Südengland brausen durfte.

Auch dieser SS entstand in Coventry. Die Karosserie aus Aluminium wurde von einem Karosseriebauer außerhalb des Unternehmens ganz von Hand gefertigt und dann vorsichtig auf einen hölzernen Rahmen montiert. Zudem erhielt der Wagen unter der Haube das Spektrum der damaligen technischen Möglichkeiten und eine besondere Verkleidung an der Hinterachse. Kenner sehen hierin schon den späten Nachfolger in Gestalt des XK-Coupés mit den typischen „Spats“-Radabdecken. Der SS100 Prototyp hat eine umfangreiche Restauration erhalten und steht nun beim Londoner Händler DD Classics zum Verkauf.

Gordon Marchs Touren führten ihn damals schon bald immer wieder zum Flugfeld der Royal Air Force. Doch er überlebte den Weltkrieg. Und als endlich Frieden einkehrte, trennte er sich von seiner „grauen Lady“, um mit dem Startkapital eine eigene Firma zu gründen. Hiernach wechselte das Fahrzeug schnell in Sammlerhände – zu beiden Seiten des Atlantiks. 1987 gewann der Wagen beim Pebble Beach Concours d´Elegance den Lord Montague Award für das bemerkenswerteste britische Fahrzeug.

Die Restauration hat dem SS100 wieder seinen originalen Farbton in Gunmetal Grey mit rotem Leder zurückgegeben. Das passt perfekt und regt die Phantasie an. Was steckt in diesem Jaguar-Wegbegründer? Optisch vielleicht ein wenig vom Bugatti Atlantic? In jedem Fall aber die Gene für den späteren XK120 FHC. Ohne den zweiten Weltkrieg hätte es vielleicht mehrere dieser bemerkenswerten Coupés gegeben. Doch so blieb es bei dem nur einen Exemplar. Und auch oder gerade diese Tatsache macht diesen SS so begehrenswert.

Text: Aus dem Englischen übersetzt von Mathias Paulokat
Fotos: Jan Baedeker

Der Jaguar SS100 3.5-litre Coupé Prototype steht beim Händler DD Classics in London zum Verkauf.