


Auf dem Turiner Autosalon 1975 war die optisch am meisten herausstechendste Neuheit kein schnittiger Sportwagen, sondern ein futuristischer Minibus. Der von Marcello Gandini bei Bertone entworfene Fiat Visitors Bus war ein Meisterwerk des italienischen Industrial Chic. Er wurde erschaffen, um eine einfache Werksführung in ein lichtdurchflutetes Erlebnis zu verwandeln und schlug so die Brücke zwischen schlichten Nutzfahrzeugen und der innovativen Ästhetik des Italiens der Siebzigerjahre.
Das Projekt ging auf eine Idee von Fiat-Präsident Gianni Agnelli zurück. Als dieser in den 1970er-Jahren das Netzwerk der Fiat-Werke ausbaute, gab er eine Reihe von Fahrzeugen in Auftrag, um hochrangige Industrielle und Politiker stilvoll durch seine modernen Produktionsstätten zu führen. Das Programm begann mit maßgeschneiderten Fiat 600 Multiplas und entwickelte sich über den 850 T Familiare weiter, bis Agnelli schließlich nach einer noch komfortableren und zukunftsweisenden Lösung verlangte.



Er wandte sich an Bertone, wo Gandini sein Talent auf das Format des Minibusses übertrug. Der Designer war nicht nur der Visionär hinter Stilikonen wie dem Lamborghini Miura und Countach, sondern auch für erschwinglichere, aber fast ebenso revolutionäre Massenware wie den Citroën BX verantwortlich. Obwohl das Ergebnis auf der Plattform des konventionellen Fiat 850 basierte, entstand ein sechstüriges Hingucker, das einen gewöhnlichen Besuch in ein Ereignis mit bleibenden Erinnerungen verwandelte.
Das prägende Merkmal war das Plexiglas-Panoramadach inklusive Blende, das den Gästen einen ungehinderten Blick auf die Architektur der Fabriken bot. Das einzigartige Layout mit sechs Türen ermöglichte ein müheloses Einsteigen in den Innenraum mit sechs Einzelsitzen. Um den Komfort der Passagiere zu jeder Jahreszeit zu gewährleisten, wurde der Bus mit einer speziellen Doppel-Klimaanlage ausgestattet, was zur damaligen Zeit ein überaus seltenes Luxusmerkmal war.



Unter der eleganten Bertone-Karosserie blieb der Bus perfekt auf das Fiat-Betriebsgelände zugeschnitten. Ein im Heck montierter 843-ccm-Vierzylinder sorgte in Kombination mit einem halbautomatischen Idroconvert-Vierganggetriebe für ausreichend Leistung, um mit einem angemessenen Tempo durch das Herz des Automobilimperiums zu gleiten. Bertone beabsichtigte sogar, den Visitors Bus in einer etwas weniger radikalen Form als 850 Familiare in Serie zu bringen, doch dieses Vorhaben wurde letztlich nie verwirklicht.
Obwohl Fiat nie offizielle Produktionszahlen bekannt gab, wird angenommen, dass nicht mehr als sechs Einheiten gebaut wurden. Dieses Exemplar von 1976 mit der Fahrgestellnummer 345355 soll eines von nur zwei Überlebenden sein. Im Jahr 1977 wurde es direkt auf die Fiat S.p.A. an der legendären Adresse Corso Giovanni Agnelli 200 zugelassen und diente daraufhin genau einem Zweck: dem stilvollen Herumkutschieren von VIPs. Dieses außergewöhnliche Stück italienischer Industriegeschichte wird am 16. Mai von Broad Arrow Auctions im Rahmen der Auktion am Concorso d'Eleganza Villa d'Este versteigert.

















































