Grazie, Zagato, dass der Porsche Carrera Speedster Z wieder lebt

Dieser traumhafte Porsche wurde 2012 von Zagato gebaut - eine Nachempfindung wie schon beim Jaguar E-Type und Aston Martin DB4GT. Doch es gibt einen Unterschied: Einige Exemplare dieser bedeutenden Grand Tourer der Sechziger existieren noch, der einzige originale 356 Carrera Speedster Z aber nicht.

Als wir kürzlich Zagato in Mailand besuchten, bekamen wir die Gelegenheit, diesen faszinierenden Porsche 356 Carrera Speedster für ein spontanes Fotoshooting in die schmeichelnde italienische Sonne hinaus zu rollen. Zwar entstanden die ersten Entwürfe für dieses Auto 1957, aber dieses Exemplar bildet eines von neun Fahrzeugen, die in diesem Jahrzehnt als Teil von Zagatos Programm „Sanction Lost” entstanden - ein Projekt, das Juwelen der illustren 100-jährigen Historie des Studios wiederbeleben will. 

Das ursprüngliche Auto wurde 1957 von dem bekannten französischen Rallye- und Rennfahrer Claude Storez in Auftrag gegeben. Storez hatte damals bereits einige Klassensiege bei der Mille Miglia und den 24 Stunden von Le Mans auf seinem Konto sowie zwei französische Rallyemeisterschaften errungen. Obwohl er mit dem Porsche 356 schon einige beachtliche Resultate erzielt hatte - darunter eine Platzierung als Gesamtsechster bei der Tour de France Automobile 1957 -, wünschte sich der junge Rennfahrer noch mehr Leistung für seinen GT aus Zuffenhausen. 

Nachdem er 1958 gerade einen neue 356A Carrera Speedster mit GS-Spezifikation von Porsche gekauft hatte, wandte sich Storez an Zagato, jenes italienische Designstudio, das sich auf avantgardistische und extrem leichte Rennkarosserien spezialisiert war. Das Chassis wurde nach Mailand geschickt, wo Zagatos Ingenieure für den Porsche ähnlich dem 550 Spyder eine schlanke offene Karosserie aus federleichtem Aluminium entwarfen. Die Schöpfung besaß auch eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem später entstandenen 356 Carrera GTL Abarth  - ein Auto, dessen Karosserie von Zagato entworfen werden sollte, aber als Projekt dann doch nicht realisiert wurde. 

Nach einer Handvoll vielversprechender Resultate mit diesem Rennwagen, verunglückte Storez tödlich 1959 und der Unfallwagen verschwand, ohne eine Spur zu hinterlassen. Das war der Stand der Dinge bis fünfzig Jahre später der amerikanische Porsche-Sammler Herb Wetanson an Zagato mit der Bitte herantrat, sich diesen fesselnden Speedster noch einmal für einen umfassenden Neuaufbau vorzunehmen. 

Mit Hilfe der wenigen Schwarzweißfotografien und Unterlagen von damals, die in den Archiven von Zagato und Porsche ruhten, gelang es dem Studio, in akribischer Arbeit eine digitale Vorlage zu entwickeln, ehe das Auto unter Einsatz der Techniken der Karosseriebauer aus den fünfziger Jahren authentisch wie das historische Original entstehen konnte. 

Betrachtet man heute diesen zierlichen kleinen Rennwagen mit seiner Haifischschnauze und dem aufreizenden Hüftschwung, dann erlebt man die Verkörperung von Zagatos Philosophie der bellezza necessaria, jener essentiellen Schönheit - ein rationales Design, dessen kaum unterbrochene Oberflächen und vom Flugzeugbau inspirierten Volumina Vorrang vor den Details besitzen. Dieser nachempfundene Porsche ist atemberaubend schön, seine unmittelbare Präsenz noch ausgeprägter, als die Fotos vermuten lassen.

Zu Ehren von Claude Storez und Porsches 60. Jubiläum wurde entschieden, eine exklusive Serie von neun 356 Carrera Speedster Zagato für wahre Connaisseure der Marke zu bauen. Dass sowohl Guy Berryman, Bassist der Gruppe Coldplay und ein kenntnisreicher Klassikersammler, und Afshin Behnia, der Gründer von Petrolicious, diesen von Zagato konzipierten Speedster für ihre Garagen sichern konnten, spricht für sich. 

Egal, als was man diese „neu-alten” Nachschöpfungen, Faksimile, Werkstattkopien nun bezeichnen will, sie sorgen in der Klassikerwelt für Zündstoff. Man kann diese Kontroverse durchaus nachvollziehen. Aber wenn man weiß, dass das einzige, ursprüngliche Exemplar dieses deutsch-italienischen Juwels verschollen ist, dann dürften neun komplett authentische Erinnerungsstücke nicht wirklich einen Streit entzünden, oder?

Fotos: Mathieu Bonnevie für Classic Driver © 2019