Bei diesem Porsche 356 Speedster liegt die Schönheit nicht nur im Auge des Betrachters

Restaurieren – ja oder nein? Und wenn ja, wieviel? Fragen, die Experten und Sammler zunehmend beschäftigen. Patina als Wert an sich und begehrtes Zeugnis eines aktiven Autolebens. Bei ChromeCars steht nun dieser seltene und authentische Porsche 356 A Speedster als Probe aufs Exempel.

Es war in 2015, ChromeCars in Laasdorf bei Jena war gerade gegründet worden, als dessen Geschäftsführer Kai Nieklauson diesen Porsche 356 A Speedster bei einer kleinen Auktion in den Vereinigten Staaten entdeckte und sofort zuschlug. Wo andere sich ein Projekt für eine umfassende Restaurierung ausgemalt hätten, sah Nieklauson die Schönheit und den Wert gerade in den Gebrauchsspuren und Blessuren, die sich über Jahrzehnte angesammelt hatten und die er erhalten wollte. „Damals war ich mit meiner Intuition wohl der Zeit voraus“, erzählt er, „aber in Zukunft wird die zu erhaltende Originalität eine immer gewichtigere Rolle spielen.“ Das ChromeCars-Motto „Automotive Archaeologists“ kommt nicht von ungefähr.

Der Vergleich mag zunächst drastisch erscheinen: Denkmalschützer sprechen von einer kontrollierten Ruine, wenn ein bedeutendes Bauwerk vor dem Verfall bewahrt wird, aber die Maßnahmen nicht dazu führen, dass es wieder quasi schlüsselfertig dasteht. Ein fachkundig restaurierter Rembrandt soll auch nicht wirken, als hätte der alte Holländer eben Pinsel und Palette beiseite gelegt. Patina ausdrücklich erwünscht. Eine Bestätigung seiner puristischen Philosophie erhielt Kai bei einem Besuch in der Garage des ultimativen Car Guy Jay Leno, der stark wippend auf der Motorhaube seines Mercedes-Benz 300SL „Flügeltürer“ saß und meinte: „Das kann ich nur mit einem Originalfahrzeug machen, in restauriertem Zustand würde man sich das doch nicht mehr trauen.“

Dieser 356 A Speedster wurde 1957 für Porsche vom Stuttgarter Karosseriewerk Reutter speziell für den amerikanischen Markt gefertigt – auf Betreiben des berühmten US-Importeurs Max Hoffman, dem Nordamerika auch den BMW 507 und eben jenen Mercedes-Benz 300SL zu verdanken hat. Der Erstbesitzer verkaufte seinen Speedster Anfang der sechziger Jahre. Dieser – vermutlich - zweite Bewahrer hatte Kai berichtet, als der den 356 dort abholte, sein Auto in Kalifornien täglich im Einsatz gehabt zu haben und auch regelmäßig Amateurrennen gefahren zu sein. Der historische Daily Driver gehört zum exklusiven Kreis der begehrten und hoch gehandelten Speedster-Modelle der ersten 356er Serie. Auch James Dean hatte einen Speedster, ehe er sich mit tragischer Konsequenz für einen Porsche 550 Spyder entschied.

Seit 2015 ist der Speedster Teil der Sammlung von ChromeCars und blieb seither in seinem gekauften Zustand belassen. Er war auf Messen ausgestellt und wurde mitsamt seinem – pardon – Shabby Charisma – mit Preisen bedacht. Nur die Technik wurde überholt damit er fahrbereit ist: beispielsweise der Motor instandgesetzt aber nicht revidiert, die Bremsen überholt. „Ich glaube, dass jetzt die Zeit reif ist und er so, wie er eben ist, neben seiner Provenienz von einem künftigen Kunden gewürdigt werden kann“, sagt Kai.

Interessenten für dieses wahrhaft authentische Stück deutscher Automobilgeschichte können auch auf eine einmalige Dokumentation gespannt sein: Guido Eickholz, Leiter von Erlkönig Classic und Historiker sowie archivarischer Bewahrer der Karosseriewerke Reutter, die Ende 1963 von Porsche übernommen wurden, hat 2018 für ChromeCars eine umfangreiche und detaillierte, mit vielen Fotos illustrierte Karosserie-Reutter-Authentizitätsbescheinigung für diesen am 10. April 1957 an Porsche gelieferten 356 mit der Reutter-Karosserienummer 83244 erstellt. Wie das Team von ChromeCars ist auch er ein Verfechter der Authentizität – die man nicht unbedingt immer mit Originalität gleichsetzen sollte. „Dieser Speedster ist ein Survivor! Die Karosserieteile sind alle original, wobei in der Zeit gerichtete Verschleißteile ebenfalls diesen Anspruch erfüllen dürfen.“ Dazu gehören hier neben den Heckleuchten und Blessuren an den Auspuffdurchbrüchen und mit Reflektoren geschlossenen Löcher an den Pufferhörnern auch die Fußmatten, die schon vor Jahrzehnten ersetzt wurden. Wie man sieht, nagte der Zahn der Zeit an den schwarzen Kunstledersitzen wie auch am Dach. Die längst verblasste Lackierung in signalrot, da sind sich weder Nieklauson noch Eickholz hundertprozentig sicher, könnte in period – erneuert worden sein. Aber ihre Patina ist authentisch, auch wenn es womöglich nicht die Originallackierung ist.

Reutter war in dieser goldenen Ära nicht Zulieferer des noch jungen Unternehmens Porsche, sondern gleichberechtigter Partner und Produzent. Das Stuttgarter Unternehmen, das nur einen Katzensprung entfernt lag, fertigte die Werkzeuge zum Bau der Karossen, lieferte 356-Varianten wie Coupé, Cabrio, Variante mit Hardtop-Verdeck und Speedster und noch den frühen 911 mit Karosserie, komplette eingebautem Innenraum inklusive Sitzen und Armaturentafel an Porsche. Dort fand dann die Vermählung mit Motor und Getriebe – und Räder - statt. Zur Endabnahme rollte das Fahrzeug dann wieder zu Reutter. Auch das Thema Matching Numbers kann hier für den profunden Kenner Eickholz zu einem sehr komplexen Puzzle geraten, denn die Reutter-Stempel waren tatsächlich an verschiedenen Stellen verteilt.

Blättert man durch diese Bestandsaufnahme des Experten, spürt man tatsächlich der Geschichtlichkeit des Exemplars, die sich durch langjährigen Besitz ergibt, nach. Jedes Merkmal von den Sitzen und der Persenning bis hin zu Spiegel, Türgriffen, Scheibenwischern oder Blinkern wird entweder als „authentisch gemäß Modelljahr“ gekennzeichnet oder die nachträgliche Veränderung, die natürlich auch vor Jahrzehnten geschah, festgehalten. Eine beeindruckende Transparenz.

Diesen Speedster hatte sich Marktkenner Hoffman wohl in weiser Voraussicht ausbedungen. Er war zu seiner Zeit so etwas wie die Einstiegsdroge des Sportwagenherstellers und kostete damals unter 3.000 Dollar! Deswegen wurde er auch „abgespeckt“ und beispielsweise nicht mit Türfächern, ohne unterfüttertem Verdeck oder einem Handschuhfach ausgerüstet. Die Fenster waren zum Stecken. Ein Leichtes für den 1,6-Liter-Boxermotor – kein Wunder, dass der Zweitbesitzer Rennen gefahren ist. 

Man sagt, Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Aber dieser Begriff ist kein unbewegtes Ideal, sondern verändert sich mit dem Lauf der Zeit. Ist dieses Exemplar nicht eine Schönheit, die ihre Patina mit Würde trägt?

Diesen Porsche 356 Speedster sowie weitere faszinierende Sammlerautos finden Sie bei ChromeCars im Classic Driver Markt.

Dieser gesponserte Beitrag wurde als Teil einer bezahlten Partnerschaft mit ChromeCars produziert und veröffentlicht. Classic Driver ist nicht für den darin enthaltenen Inhalt und die Information verantwortlich.