Ferrari California 30: Weniger ist mehr

30 PS mehr Leistung, 30 Kilo weniger Gewicht – der Ferrari California geht wohltrainiert in seine zweite Amtszeit. Für uns eine guter Grund, auch die Cabrio-Saison in die Verlängerung zu schicken.

 

Mit dem Ferrari California begann 2008 in Maranello eine neue Zeitrechnung. Erstmals gab es zum Cavallino Rampante auf dem Kühler ein automatisches Hardtop, einen vernünftigen Kofferraum und einen leicht zu beherrschenden V8-Motor. Jetzt geht der von Pininfarina gezeichnete Spyder in die Verlängerung – und erhält zwar kein Facelift, dafür aber eine umfassende Leistungskur: Der neue Ferrari California 30 hat – wie der Name schon sagt – 30 Kilo abgespeckt und bei der Leistung 30 PS zugelegt, die Performance des 4,3 Liter großen V8-Motors liegt nun bei 490 PS und 505 Nm. Dazu bietet Ferrari ein optionales Handling-Paket mit elektronisch gesteuerten Dämpfern, stafferer Federung und sowie einer direkteren Lenkung. War das nötig? Wir sagen nein – schon die erste Version des California, mit dem wir im Herbst 2010 an der hessischen Goldküste unterwegs waren, hatte mehr Biss als zunächst vermutet. Ob sich das Update trotzdem gelohnt hat, haben wir in den Schweizer Bergen ausprobiert.

 

Ferrari California 30: Weniger ist mehr
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Wenn man das Dynamikverhaltens eines Sportwagens im Stop-and-Go-Verkehr analysieren möchte, ist die Züricher Innenstadt ein ideales Testgelände. Für Fahren oberhalb der Schrittgeschwindigkeit sollte man das Stadtgebiet dagegen großräumig umfahren – und lieber ungewohntere Gegenden aufsuchen. Wie etwa die Berge und Täler um das vielversprechend benannte Örtchen Einsiedeln im Kanton Schwyz. Es ist Mitte November und in der Luft liegt der Duft des ersten Schnees, aber mit dem passenden Roadster-Outfit, aufgedrehter Sitzheizung und hochgeklapptem Windfang kann man im California noch gut offen fahren. Denn ohne Dach lässt sich nicht nur die spätherbstliche Landschaft genießen, auch das charismatisch-abgehackte Knallen, Bellen, Brüllen, Husten und Fauchen des Achtzylinders beim Gasgeben und Runterschalten kommt so erst voll zur Geltung.

 

 

Ferrari California 30: Weniger ist mehr
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Schön übrigens, dass man solch einen Tremolo noch immer nur in Italien hinbekommt. Den Amplitudenvibrato eines Ferrari erkennt man eben aus fünf Kilometern. Mit ein wenig Übung spielt man den California-Sound so anarchisch wie ein junger Eddie Van halen, und die dunklen Fichten- und Lärchenwälder zu beiden Seiten der Serpentinenstraße dienen als Verstärker. Und der California zieht – und zwar ganz hervorragend! Das Gaspedal ist schön sensibel, die Annahme direkt, auch die Lenkung ist leichtgängig und knackig zugleich und erlaubt uns dank kleinem Wendekreis, von Zeit zu Zeit schnell zu drehen und die schönsten Kurvenkombis gleich noch einmal vor den Kühler zu nehmen. Auch die Federung kann mit den großen Modellbrüdern mithalten. Dennoch bleibt der California 30 ein ganz und gar beherrschbarer Sportwagen, ohne dabei berechenbar oder langweilig zu sein.

 

 

Ferrari California 30: Weniger ist mehr
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In 3,8 Sekunden beschleunigt der California auf gerader Strecke auf 100 km/h – und wieder ist es der Sound, der beim Fahren den Spass ausmacht. Klappt man schließlich das Hardtop nach oben, kann man wie mit jedem Sport-GT aus Maranello locker die Tempo-300-Marke knacken: Bis 312 km/h zieht der California mit sattem Dröhnen nach vorn. Nun mag man sich fragen: Ist dieses Loblied tatsächlich ernst gemeint? Oder hat Ferrari die gesamte Redaktion großzügig mit Langzeit-Testwagen lebenslangen Pasta-Lieferungen bestochen? Natürlich hat der Ferrari California 30 auch seine Schwachstellen: Das Design ist aus mancher Perspektive grenzwertig, das Interieur überladen, die hintere Sitzreihe ein Fall für den Orthopäden. Was aber stimmt, sind die Emotionen. Er ist kompakt, unkompliziert, charismatisch und rasend schnell – kurz: ein echter Ferrari zum Pferdestehlen. Und das ist es am Ende, was zählt.

 

Fotos: Jan Baedeker

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