Diese 10 seltsamen Studien von Zagato hätten wir fast vergessen

Aufregend-avantgardistische und polarisierende Designs sind seit nunmehr 101 Jahren das Alltags-Geschäft von Zagato. Man mag sie mögen oder hassen – doch stehen diese vergessenen Fußnoten aus Zagatos langer Geschichte für alles, was das Mailänder Designhaus groß gemacht hat...

1948 Ferrari 166 MM Zagato Panoramica 

Als erste Zusammenarbeit zwischen Ferrari und Zagato und als allererstes Ferrari Coupé gilt der 166 MM Panoramica. Er entstand als Folge von Kundenanfragen, die sich eine leichtere Zagato-Karosserie für ihren V12 wünschten. Nur ein Exemplar wurde gebaut, doch nach dem Einsatz bei der Mille Miglia von 1950 mit Besitzer Antonio Stagnoli am Steuer wurde das Auto seiner originellen Karosserie beraubt und in einen offenen Spyder mit Kotflügeln umgewandelt. Was denken Sie? Auf uns wirkt der nach hinten gezogene Aufbau zugleich funktional wie ungehobelt. Und können Sie sich vorstellen, wie man einen Ersatz für diese gekrümmten Plexiglasscheiben bekäme? 

1967 Lancia Flavia Super Sport 

Die ellipsenförmigen Seitenscheiben des Lancia Flavia Super Sport waren ein Geistesblitz des Designers Ercole Spada. Es ist wirklich eine Schande, dass diese sportliche Designstudie, die Teil eines Plans zur Ausweitung der Lancia Modellplatte war, niemals die Produktionsfreigabe erhielt. Denn sie vermengt kantige, geometrische Designelemente wie die komplexe Frontpartie mit weichen, geschwungenen und fast femininen Kurven, die für 1967 sehr eindrucksvoll gewirkt haben dürften. Das ganze Auto wirkt leicht und wie auf dem Sprung, und die weit auseinandergerückten Buchstaben der auf den Hüften prangenden „Flavia“-Schriftzüge waren noch das sprichwörtliche Sahnehäubchen. 

1970 Cadillac N.A.R.T. Zagato 

Angesichts drohender neuer Abgasregeln, die sein Geschäft des Imports von Ferrari nach Nordamerika gefährden könnten, hatte Luigi Chinetti einen Geistesblitz: einen eigenen und europäisch inspirierten Grand Tourer, nur mit einem Unterbau amerikanischer Provenienz. 

Erstaunlicherweise sprangen die General Motors-Oberen auf die Idee an und lieferten ein speziell aufgebautes Cadillac Eldorado-Chassis mit Heckmotor,  Viergang-Getriebe, Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen rundum. Das Chassis wurde nach Mailand zu Zagato geschickt, wo es jedoch nicht von einem der dortigen Designer, sondern von Luigi Chinetti Jnr und einem Absolventen des ArtCenter College of Design in Pasadena eingekleidet wurde. Doch GM verlor das Interesse, wir vermuten aufgrund des langen Produktionsprozesses, und so blieb auch der pompöse N.A.R.T. Zagato ein Einzelstück. 

1981 Lancia Beta Coupé HFZ 

Dass es über diese Lancia Konzeptstudie im Internet bis auf den Namen – Beta Coupé HFZ – nichts zu erfahren ist, erstaunt uns wirklich. Eindeutig als eine motorsportlich angehauchte Version des braven Beta Coupés konzipiert, verlieh Zagato dem Auto dank eines Body-Kits, breit ausgestellter Radkästen, großem Heckspoiler und einer Zweitonlackierung mehr Präsenz. Das Auto ist knackig und dreist, und wir lieben das. Wenn jemand mehr Informationen hat, hören wir nur zu gerne von Ihnen!  

1983 Alfa Romeo Zeta 6 

Hier handelt es sich um einen klassischen Fall von „Was wäre gewesen, wenn...“ Zagato war nie für konservatives Denken bekannt, was der weich gezeichnete Zeta 6 eindrucksvoll bewies. Auf mechanischer Basis des Alfa Romeo GTV6 entwickelte sich der Zeta 6 aus einer Serie kurviger Skizzen von Giuseppe Mittino, der Ercole Spada bei Zagato gefolgt war und das Ziel verfolgte, die lange Durstrecke des Mailänder Studio aus den 70er-Jahren zu beenden. Es tat dem Entwurf keinen Abbruch, dass er in manchen Partien – z.B. Kotflügel-Ausbuchtungen, Türausschnitt - Elemente des zu diesem Zeitpunkt allerdings schon fünf Jahre alten Porsche 928 aufgriff. Doch war er nicht so aus einem Guss wie der Porsche. Doch wirklich ärgerlich waren nur die runden und fummeligen Türgriffe.

1990 Autech Zagato Stelvio AZ1 

Dass Sie vermutlich noch nie was von dieser abgedrehten Zagato-Limousinen-Studie gehört haben, mag an der Tatsache liegen, dass sie auf einem Nissan basiert und auch nur in Japan vertrieben wurde. Mitte der 1980er-Jahre erhielt Nissans heimischer Haustuner Autech den Auftrag, die bescheidene Mittelklasse-Limousine Leopard (F31) aufzupeppen. Vermutlich, um auf der Welle des Wohlstands mit zu schwimmen, die zu jener Zeit durch das Land zog. 

Autech hatte kein Problem, sich um die naheliegenden Dinge wie den Antriebsstrang und das Fahrwerk zu kümmern – schließlich war Autech Präsident Shinichiro Sakurai „Vater“ des legendären Skyline. Nur für die Karosserie und deren Styling suchte man nach etwas, dass die Kunden umhauen würde wie ein Schlag des fiktiven Karatemeisters Mr Miyaga aus den Karate Kid-Filmen. Wer käme da anders infrage als die Karosseriemeister von Zagato in Italien, die – bei Betrachtung ihrer damaligen Kreationen – offenbar ein wenig zu viel vom stärksten lokalen Grappa gekostet hatten? Mit 18 Millionen Yen war der Stelvio, so hieß er – sogar noch teurer als ein Honda NSX-R, damals der Spitzensportwagen Japans. Zusammen mit dem kontroversen Design waren damit von vornherein größere Stückzahlen ausgeschlossen; angeblich verkaufte Nissan Anfang der 90er-Jahre nur 88 Exemplare, ehe die Baureihe abgelöst wurde. 

1993 Ferrari FZ93 

Ende 1992 war das Designwunderkind Ercole Spada wieder zurück im Haus und nahm sich des Wunsches der Brüder Elio und Gianni Zagato an, die zur Illustration ihrer mutigen und leuchtenden Zukunft einen gestochen scharfen und die Grenzen sprengenden Sportwagen forderten. Das Ergebnis war der Ferrari FZ93, eine wilde Mittelmotor-Mischung aus dem Testarossa und dem 643 Formel 1 aus Maranello. Zagato präsentierte das Auto auf dem Genfer Salon in einer Zweiton-Lackierung, mit gigantischen Springenden Pferden auf jeder Seite. Bald sah man wohl ein, dass dies ein wenig „too much“ war, und lackierte den Prototypen ganz in Rot. Eine weitaus bessere Lösung, doch wurde der FZ93 trotzdem nicht mehr zum Hingucker. 

1998 Audi Zuma 

Da Audi bereits eine Studie des kommenden TT gezeigt hatte, wundert es uns, dass Zagato 1998 seine Hand an einen kompakten dreitürigen Audi Sportwagen legte. Der Zuma, wie man ihn taufte – war ein Auto, auf das man bei Zagato besonders stolz war. Das Briefing für die Designer lautete, das für das Studio so typische Designvokabular so zu übersetzen, dass noch möglichst viel vom Spenderfahrzeug Audi A3 zu erkennen war. Auch wenn die Studie viele Designelemente des Lancia Hyena aufnahm, kommen wir nicht um das Gefühl herum, dass sie an einem milde Fall von Identitätskrise litt.

1999 Lamborghini L147 Canto 

In einem alternativen Universum hätte der Lamborghini L147 Canto an der Wende zum neuen Jahrhundert den alternden Diablo abgelöst und wäre sehr schnell zum Lieblingsspielzeug milliardenschwerer Playboys, Rapper und Fußballstars geworden. In Wahrheit wurde die von Zagato gestylte Studie schon kurz nach der Übernahme von Lamborghini durch Audi im Jahr 1998 von keinem Geringeren als Ferdinand Piëch beerdigt. Anstelle des krude gestylten Cantos mit seinen von Jet-Fightern inspirierten Lufteinlässen folgte der bulligere, von Luc Donckerwolke gezeichnete Murciélago.

2007 Spyker C12 Zagato 

Als die traditionsreiche holländische Marke Spyker 2006 das Midland Formel 1-Team übernahm, schien CEO Victor Muller die Welt offen zu stehen. Er hatte über die Jahre nicht nur schon viele Zagato Modelle besessen, sondern war auch eng befreundet mit Andrea Zagato. Angetrieben von Spykers neu entdeckter Dynamik  fiel die Entscheidung zum Bau einer Kleinserie des Spyker C12 mit 6,0-Liter-W12-Motor von Volkswagen und Zagato-Design. Obwohl locker auf der absurden Lamborghini/Zagato Studie Raptor basierend, war das finale Design wie aus dem Zagato-Lehrbuch. Das Showcar für den Genfer Salon von 2007 wurde in nur vier Wochen zusammengebaut, und dabei durften auch viele auf die Formel 1 und auf die aeronautische Vergangenheit von Spyker und Zagato verweisende Details nicht fehlen. Spykers Flamme der Moderne brannte zwar hell, aber auch schnell wieder ab – und kein einziger C12 Zagato wurde verkauft. 

Fotos: Zagato, Mathieu Bonnevie, JB Classic Cars, Lopresto Collection, Spyker, eBay