Cremonini Carrozzeria lässt italienische Schönheiten wieder strahlen

Die Spezialisten von Cremonini Carrozzeria in Modena zählen weltweit zu den besten Restauratoren für die Karosserien der italienischen Vollblut-Sportwagen. Rémi Dargegen hat sich für Classic Driver mit Gründer Pietro Cremonini über dessen Arbeit und Philosophie unterhalten.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1986, als sich Pietro Cremonini mit einer eigenen Firma selbständig macht, nachdem er lange für einigen der namhaftesten Karosseriekonstrukteure Italiens gearbeitet hatte. Beheimatet im Großraum Modena, dem italienischen „Motor Valley”, genießt das Unternehmen heute einen internationalen Ruf für seine Lackierungen und Behebung von Karosserieschäden. Vor allem die bedeutenden italienischen Klassiker wie Ferrari, Maserati und Lamborghini erstrahlen dank meisterlicher Zuwendung der Carrozzeria wieder in neuem Glanz. Cremoninis eingeschworenes Team verbindet Leidenschaft mit Können, Enthusiasmus mit Handwerk. Doch vor allem soll der Kunde in einen gemeinsamen, von Begeisterung getragenen Prozess der Restauration eingebunden werden.

Was ist Ihre früheste Erinnerung an ein Automobil?

Vermutlich die Erinnerung an den Fiat 1500. Schon in meiner Jugend war er mein Traum - ein Luxusfahrzeug der Mittelklasse, das ideal für Hochzeiten war. Einen zu besitzen, verlieh Status oder zeigte, dass man gerade jungvermählt ein neues, unabhängiges Lebenskapitel aufgeschlagen hatte.

War das denn auch Ihr erstes Auto, als Sie erwachsen wurden?

Überhaupt nicht! Mein erstes Auto war ein Alfa Romeo GT 1300 Junior aus zweiter Hand, den ich selber lackiert und optimiert habe. An Samstagabenden bin ich damit regelmäßig in den Vororten von Modena nahe den Fabriken von Maserati und Scaglietti Rennen gefahren. Von deren Supersportwagen konnte ich mit dem bescheidenen Gehalt eines Karosseurs nur träumen.

Was haben Sie gemacht, bevor Sie Ihre eigene Carrozzeria gegründet haben?

Ich habe schon immer im Karosseriebau gearbeitet. Ehe ich meinen Wehrdienst absolviert habe, war ich bei Bacchelli und Villa beschäftigt. Danach habe ich die Carrozzeria Autosport gegründet, aber nach drei Jahren bin ich von dort weg, um selbständig als Freelancer zu arbeiten. Ich war dann bei verschiedenen Karosseriebauern wie beispielsweise Bonfatti, Sport Auto und Fantuzzi.

Was hat Sie bewogen, ein Unternehmen unter eigenem Namen zu gründen?

Ich war immer ein unabhängiger Geist und deswegen fühlte es sich richtig an, meine eigene Firma zu gründen. Es ist nicht einfach, eine eigene Meinung zu äußern, wenn man nicht sein eigener Chef ist. Im Interesse der Kunden wollte ich mich nicht zurückhalten müssen.

Welchen Rat würden Sie jungen Gründern geben, die es Ihnen gleichtun wollen?

Für mich sind Leidenschaft, Wille und handwerkliches Können die wichtigsten Merkmale. Erfahrung zu sammeln ist weitaus schwieriger, denn es braucht Jahre, um ein hohes Maß an Kompetenz zu erwerben.

Sie haben ein großes Team. Welche Anforderungen stellen Sie an Ingenieure, die sich bei Ihnen bewerben?

Wie gesagt, Leidenschaft, Wille und handwerkliches Können sind der Schlüssel zum Erfolg. Wir brauchen in unserer Werkstatt absolut spezialisierte Mitarbeiter für Lackiererei, Montage der Karosserieteile, Metallbearbeitung und Elektrik. Vier Mitarbeiter aus meinem neunköpfigen Team sind weniger als 30 Jahre alt, denn ich finde es wichtig, Zeit und Geld in die Ausbildung zu investieren.

Ist das, was Sie leisten, vergleichbar mit der goldenen Ära der Karosseriekunst und Namen wie Touring, Zagato und Bertone?

Ich würde mich nie in einem Atemzug mit diesen Größen unseres Berufs nennen wollen. Aber wenn ich diesen alten Klassikern neues Leben einhauche, dann versuche ich dabei eine neue Form der Emotion zu verkörpern, genauso wie es einst diese legendären Werkstätten taten.

Sie sind vor allem für Ihre Restaurierungen des Lamborghini Miura berühmt. Woran liegt das?

Das hat sich eigentlich erst in den letzten Jahren ergeben. Miuras wurden im Lauf der letzten fünf oder sechs Jahren zu Sammlerstücken, weswegen die Preise gestiegen sind - alle wollen auf einmal einen Miura besitzen. Als ich noch bei Autosport beschäftigt war, habe ich für die Lamborghini-Fabrik Countach-Karosserien lackiert. Dadurch hatte ich immer gute Beziehungen zur Marke, außerdem kenne ich den berühmten, ehemaligen Testfahrer Valentino Barboni seit Jahren. Das dürfte auch eine Rolle gespielt haben.

Welche anderen Autos gehören zu Ihrem Kerngeschäft?

Ferrari spielt für die Werkstatt eine zentrale Rolle, aber Maserati und Lamborghini sind natürlich auch wichtig. Zur Zeit restaurieren wir vier Lamborghini Miuras, neun Ferraris, zwei Maseratis und drei Porsches.

Wie ist das mit Ihrer Spezialität, dem Porsche 356 Pre-A, der sich so völlig von Ihren anderen Aufträgen unterscheidet?

Da ich in den 1980er Jahren schon Porsche 356er für italienische und Schweizer Kunden restauriert habe, ist das Unterfangen nicht ganz neu für mich. Seit 2012 besteht der Vorstand von Cremonini aus drei weiteren Partnern, die sich alle für den Pre-A und Carrera 356 begeistern. Unser Experte ist Andrea Coriani, der den zwölften Pre-A der Serie nicht nur restauriert, sondern auch besessen hat und auch gerade dabei ist, den allerersten Carrera Instand zu setzen. Er recherchiert regelmäßig in Archiven und Fachbüchern der Epoche, um die korrekten Details zu sichern.

Was zeichnet eine großartige Restauration aus?

Es geht um die Emotion. Am Ende eines Restaurierungsprozesses scheint es fast, als hätte der Kunde eine lange Therapie durchlaufen. So intensiv ist diese emotionale Erfahrung. Ich spiele gerne Musik, um das Design erlebbar zu machen. Fast so, als wäre die Musik vom Stift des Designers geschrieben worden.

Wie sehen Sie den Gegensatz zwischen dem Erhalt der Ursprünglichkeit und der Anpassung eines Automobil an den Geschmack des Besitzers?

Ich denke, dass man keinen Fehler macht, wenn man der originalen Konfiguration eines Fahrzeugs folgt. Das ist auch mein Rat an die Kunden, aber manchmal sehen sie das anders und wählen eine eigene Farbe. In unserem kollektiven Gedächtnis verbinden wir Ferrari mit Rot. Manche Kunden mögen das, andere weniger.

Sind klassische Autos für Sie Arbeit oder Leidenschaft?

Es ist eine Passion, die ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens ist. Ich sehe das nicht als Arbeit.

Gibt es ein Auto, dessen Instandsetzung Sie besonders stolz gemacht hat?

Der Ferrari 315 mit dem Taruffi die Mille Miglia gewonnen hat. Es ist ein Rennwagen mit einer grandiosen Historie, deswegen war es für mich eine große Ehre, als mich Albert Obrist, einer der wichtigsten Ferrari-Sammler weltweit, mit der Restaurierung beauftragte. Dieser Mann besitzt wahre Leidenschaft, umfassendes Wissen und Kompetenz. Wir sind seitdem Freunde geworden.

Gibt es Autos, die Sie gerne restaurieren würden, aber noch nie die Chance dazu hatten?

Mich würde ein Bizzarrini reizen, denn das wäre eine ganz neue Herausforderung.

Was ist Ihrer Meinung nach das schönste Auto, das je entwickelt wurde?

Definitiv der Alfa Romeo 33 Stradale. Es ist keine Frage des Geldes, sondern der Emotion. Aber wir sind alle verschieden: Was den einen bewegt, lässt den anderen kalt.

Wer ist der beste Designer oder Karosseur aller Zeiten?

Ich gebe Ihnen eine italienische Antwort: Pininfarina ist Gott, Frua der Sohn und Bertone der Heilige Geist.

Fotos von Rémi Dargegen for Classic Driver © 2015

Besuchen Sie cremoninicarrozzeria.it, um mehr über Pietro Cremonini und seine Angebote zu erfahren.

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