


Schon der erste Porsche, der „Nr.1“., war offen. Ein Roadster mit Mittelmotor. Als dann 1950 der 356 in Serie ging, gab es ihn vom Start an neben dem Coupé auch als Cabriolet. Als Urvater des 356 Speedster gilt jedoch der 356 America Roadster (Projekt 540). Er erschien 1952, und zielte wie seine Bezeichnung schon signalisierte auf amerikanische Kunden, die eine erschwingliche Alterative zu englischen Roadstern suchten. Für die Straße, aber auch die Rennstrecke. Dank der handgefertigten Aluminiumkarosserie war der America Roadster 160 Kilogramm leichter als das 356 Coupé und erreichte mit 70 PS eine für damals imposante Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Am Ende entstanden aber nur 17 Exemplare (16 in Alu, eines in Stahl), wobei der Konkurs des Karosseriebauers Gläser/Heuer den Produktionsstopp erzwang.
Doch die Liebesbeziehung Porsche/Roadster war damit keineswegs zu Ende, sondern fing nun erst richtig an. Wie schon beim America Roadster gab erneut Max Hoffman, der umtriebige US-Importeur europäischer Luxusmarken mit Sitz in New York, erneut den Anstoß. Der gebürtige Österreicher wünschte sich von Porsche ein offenes Auto mit reduzierter Ausstattung für unter 3000 Dollar – sprich 1500 Dollar unter dem Preis des Cabrios. Im Herbst 1954 erfüllte ihm Porsche mit einem erstmals „Speedster“ getauften 356 den Wunsch. Er kombinierte die Stahlblechkarosserie des Cabriolets mit einer flachen Frontscheibe, einer abgespeckten Innenausstattung und einem Notverdeck. Zum Preis von 2995 Dollar.



Die beim Karosseriewerk Reutter gefertigte Karosse hielt sich jetzt enger an das normale 356er Kleid, wirkte insgesamt auch stimmiger als der wegen seines unproportionierten Heckbuckels kritisierten America Roadster. Eine flache, aber gebogene Frontscheibe und ein minimales Verdeck reichten zusammen mit Steckscheiben und einfachen Sitzen, um das Gewicht des Speedsters auf 760-770 Kilo zu senken. Auch ein Teil der Geräuschdämmung, die Sonnenblenden, die hinteren Notsitze und noch ein paar andere zum Fahren nicht zwingend benötigte Sachen fielen dem Diätprogramm zum Opfer. Mit 1,22 Meter war der Speedster noch mal deutlich flacher als das 356 Coupé, bot aber deutlich mehr Wetterschutz als der ohne Kurbel- oder Steckfenster ausgestattete America Roadster.
Im September 1955 profitierte auch der Speedster von den Modifikationen, die aus dem Porsche 356 den 356 A machten. Der Hubraum stieg von 1,5 auf 1,6 Liter, und ab nun konnte man ihn auch in Deutschland kaufen. 1956 wuchs die Windschutzscheibe mit ihren abgerundeten oberen Ecken um fünf Zentimeter, 1957 erhielt der Speedster tropfenförmige Heckleuchten. Ansonsten wurde er bis August 1958 weitgehend unverändert gebaut, insgesamt 4822-mal (inklusive der wenigen und sehr teuren Carrera-Versionen mit Königswellen-Motor).



Der Beitrag, den der Speedster zum Erfolg von Porsche in den USA leistete, war bedeutend, schließlich gingen im Jahr 1955 fast die Hälfte aller Autos in die Staaten. Nicht ganz unbeteiligt am Erfolg war Hollywood-Ikone James Dean, der 1955 seinen MG TD gegen einen 356 Speedster Super eintauschte und mit ihm sogar einige Rennen bestritt. Man kann nachvollziehen, dass die Amerikaner fast schon süchtig nach dem kompakten Sportwagen (3,95 Meter Länge, 1,67 Meter Breite) aus Germany waren. Gerade in Kalifornien passte auch das Wetter zum offenen Wagen, während der Speedster in Deutschland eher eine Ausnahmeerscheinung blieb. Und wenn dann vor allem von Motorsportlern in Erwägung gezogen wurde.
1958 ersetzte der Convertible D den Speedster. Mit „normalen“ Seitenscheiben und bequemeren Sitzen, was neben mehr Gewicht und weniger Sportlichkeit auch höhere Preise bedeutete. Der Charme des Speedsters war damit verflogen – doch dieser nun bei RM Sotheby’s am 28. Oktober zur Auktion kommende 356 A 1600 Speedster (Typ 356A T1) transportiert uns und den künftigen Besitzer direkt zurück in die Zeiten von James Dean, California Dreaming und Surfin' USA. Das im Juli 1957 neu über Max Hoffman in die USA gelieferte Modell kehrte 2012 zurück nach Deutschland, wo es 2015 vom Vater des heutigen Besitzers erworben wurde. Das Auto mit Chassisnummer 83554 hat bislang rund 160.000 Kilometer zurückgelegt und hatte 2011 einen vielbeachteten Auftritt in der Preservation Class des Pebble Beach Concours.



Das mit den bügelartigen Stoßstangen der US-Version bestückte Modell bezirzt durch seine Farbe Rubinrot, Sealed beam-Scheinwerfer, die auf Höhe der Türgriffe verlaufende Chrom-Zierleiste und an den Vorderkotflügeln angebrachte goldene Speedster-Schriftzüge. Glanzstücke im Interieur sind drei VDO-Instrumente mit englischen Beschriftungen – mit dem Drehzahlmesser etwas höher und mittig platziert. Das Zündschloss sitzt anders als sonst bei Porsche rechts, und statt eines Handschuhfachs gibt es einen weiteren Schriftzug und einen Haltegriff für den Beifahrer.
Lauf Porsche Spezialist Jochen Bader hat dieser Speedster noch immer seinen originalen 1600er-Motor (Typ 616/1 mit 60 PS) und das Viergang-Getriebe Typ 644. Er trägt bis auf ein paar wenige kosmische Ausbesserungen auch seine Original-Farbe. Auch das Interieur ist authentisch – bis hin zu den Sitzbezügen und Bodenteppichen. Sogar der Tank trägt das Datum „Juni 1957“.



Dieser Speedster ist zum Hinschmelzen schön gealtert und bezaubert mit einer für ein über 70 Jahre altes Auto einmaligen Patina, die durch eine Voll-Restaurierung für immer verschwinden würde. Vor allem aber ist er fahrfertig und wäre somit ein Traumauto für die Teilnahme an der Mille Miglia 2027 – der großen Jubiläumsausgabe zum 100-jährigen Bestehen der legendären Langstreckenhatz durch Italien.
Für jeden Sammler, der Originalität mehr schätzt als eine Komplett-Restaurierung, ist dieser Porsche eine einzigartige Chance, einen der bemerkenswertesten noch existierenden Porsche 356 zu erwerben.








































