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Dieser Frontmotor-Ferrari schlägt Ihren 13 Millionen Euro-Enzo in Fiorano

Ferrari Enzos mögen zuletzt für achtstellige Summen versteigert worden sein, doch das Hypercar wurde in Fiorano einst von einem dezenteren und straßenzugelassenen Ferrari abgehängt. Dürfen wir vorstellen: der Ferrari 599 GTO, der bei Aguttes Spring Sale 750.000 bis 850.000 Euro bringen soll.

Seit der Einführung des im Rennsport dominanten und atemberaubend schönen 250 GTO im Jahr 1962 tragen die am stärksten auf die Rennstrecke ausgerichteten Fahrzeuge von Ferrari die drei Buchstaben G.T.O., was für Gran Turismo Omologato steht. Geistige Nachfolger im Sinne der Homologation wie das Gruppe B Monster 288 GTO, der heute als Ferraris Supercar-Pionier gilt, setzten diese reinrassige Ahnenreihe in den folgenden Jahrzehnten fort. Mehr als zweieinhalb Jahrzehnte nachdem das letzte Auto mit dem GTO-Kürzel vom Band gelaufen war, ließ Ferrari es schließlich in Form des 599 GTO wieder aufleben. Damit läutete die Sportwagenschmiede ein neues Jahrzehnt ein.

Die moderne Neuinterpretation dieses exquisiten Rezepts wurde auf der Auto China 2010 in Peking enthüllt und lockte Scharen von Automobiljournalisten sowie begeisterte Besucher an den Ferrari-Stand. Nicht ganz so radikal wie der gewichtsoptimierte und 730 PS starke 599XX, der ein Jahr zuvor in Genf sein Debüt feierte, war er auf Anhieb ein moderner Klassiker. Der Breitbau-Rennwagen 599XX war exklusiv auf die Bedürfnisse von Privatkunden zugeschnitten, die ein waschechtes „track tool“ auf Basis des 599 GTB suchten.

 

Der 599 war zu seiner Zeit die ultimative V12-Berlinetta mit Frontmotor und trat in die Fußstapfen der zeitlos eleganten Modelle 550 und 575 Maranello. Schon der „normale“ 599 GTB, der 2006 eingeführt wurde, gehörte dank seines 6,0 Liter großen und 620 PS starken Zwölfzylinder-Saugers zu den leistungsstärksten Gran Turismos der späten 2000er. Der GTO teilte sich einen Großteil der Technik mit dem 599XX, er geriet jedoch weitaus dezenter und markierte damit die Rückkehr der klassischen GTO-Philosophie.

Seine 670 Pferdchen reichten aus, um das von Pininfarina entworfene Coupé auf über 335 km/h zu beschleunigen, was ihn zum bis dato schnellsten Ferrari mit Frontmotor machte. Zudem brannte er auf Ferraris Teststrecke in Fiorano eine Rundenzeit von 1:24 Minuten in den Asphalt, womit er sowohl dem legendären Enzo als auch seinen Bruder mit dem Dreizack, den Maserati MC12, fast eine Sekunde abnahm.

In Deutschland lag sein Grundpreis einst bei 440.000 Euro, womit der 599 GTO damals zu den teuersten Heißblütern aus dem Maranello-Stall zählte. Ursprünglich wollte Ferrari nur 599 GTO‘s produzieren, doch am Ende wurden trotz des stolzen Preises mindestens 912 Fahrzeuge verkauft. Die Klientel der Marke bettelte förmlich um eine straßenzugelassene Version des 599XX, weshalb die Nachfrage entsprechend hoch war. Die vom XX abgeleitete exotische Technik trieb den Preis in die Höhe. Beide Versionen teilten sich beispielsweise ein komplexes, automatisiertes Sechsgang-Getriebe, dass ein einer ähnlichen Form in der Formel 1 zum Einsatz kam. Ein leicht überarbeitetes, aerodynamisch optimiertes Design mit zusätzlichen Lufteinlässen unterschied den GTO vom zahmeren 599 GTB.

Das Auktionshaus Aguttes bietet bei seinem jährlichen Spring Sale am 15. März ein herausragendes Exemplar an. Der Wagen wurde 2010 über die renommierte Pariser Ferrari-Niederlassung Charles Pozzi ausgeliefert und verbrachte die letzten sechzehn Jahre in den Händen desselben französischen Besitzers. Das Estimate geben die Pariser mit 750.000 bis 850.000 Euro an. Gehüllt in den exquisiten „Tailor Made“ Dreischichtlack „Rosso Formula 1 2007“ in Kombination mit einer tiefschwarzen Alcantara Innenausstattung, ist sein markantestes Merkmal der außergewöhnlich seltene Überrollbügel. Für dieses Extra wurde damals ein Aufpreis von fast 20.000 Euro fällig. Er unterstreicht die Rennsport DNA des Fahrzeugs. Im Gegensatz zu vielen seiner Geschwister, die außer klimatisierten Garagen nicht viel zu sehen bekommen, wurde dieser GTO mit der gebührenden Leidenschaft ausgekostet.

Nach nur einem Monat und 800 abgespulten Kilometern verkaufte der Erstbesitzer den Wagen an den jetzigen Eigentümer. Ein passionierter Ferrari-Enthusiast, der seither knapp über 30.200 km zurückgelegt hat. Diese dokumentierte Laufleistung, kombiniert mit einer lückenlosen Servicehistorie, die ausschließlich Aufenthalte bei offiziellen Ferrari-Vertragshändlern beinhaltet, macht ihn zu einem eingefahrenen GTO im technischen Bestzustand. Im Verkauf inbegriffen ist eine kostenlose Inspektion bei Charles Pozzi in Levallois-Perret, damit sein nächster Besitzer die rohe Kraft des V12 ohne Bedenken auskosten kann. Komplett mit seinen originalen Serviceheften, dem Zweitschlüssel und der speziellen Staubschutzhülle stellt dieser 599 GTO die seltene Gelegenheit dar, eine Legende zu erwerben, die genau so gepflegt und genossen wurde, wie es die Belegschaft in Maranello einst vorgesehen hatte.

 

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