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Supercar-Feeling zum Hot-Hatch-Tarif? Unsere Kaufberatung zum Aston Martin V8 Vantage

Einst das Einstiegsmodell der Marke, verbindet der V8 Vantage britisches Understatement mit einem emotionalen Achtzylinder. Unsere Kaufberatung in Zusammenarbeit mit den Spezialisten von Nicholas Mee zeigt, warum dieser „Baby-Aston aktuell zu den verlockendsten Sportwagen-Schnäppchen zählt.

Nachdem sich Aston Martin über Jahrzehnte eher auf kraftvolle Gran Turismos als auf agile Sportwagen konzentriert hatte, kehrte das Unternehmen aus Gaydon mit dem V8 Vantage zu seinen Wurzeln zurück. Das vergleichsweise kompakte Modell, erhältlich als Coupé und Roadster, erinnerte mehr an die flinken und mit Rennsport-DNA getränkten Baureihen DB4 bis DB6 aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren als an den DB7 oder die korpulenten V8-Modelle der Neunziger, die oft über zwei Tonnen auf die Waage brachten.

Mit seiner Aluminiumkarosserie und dem Transaxle-Layout mit mittig-vorne positioniertem Motor überzeugte der neue V8 Vantage mit einer nahezu perfekten Gewichtsverteilung von 49:51. Dem britischen Athleten gelang es, der Grundausrichtung der Marke treu zu bleiben und gleichzeitig das Sportwagen-Establishment aus Deutschland und Italien herauszufordern, allen voran den Porsche 911 (997), den Audi R8 und den Ferrari F430.

 Auch wenn die Ikone aus Maranello roher, leistungsstärker und deutlich teurer war, hatte der Aston Martin seinen ganz eigenen Reiz. Einen Sportwagen mit einem massiven V8 als "vernünftig" zu bezeichnen, mag übertrieben klingen, doch verglichen mit den deutlich radikaleren Konkurrenten aus Maranello und Sant'Agata war er deutlich erschwinglicher und eignete sich besser als Alltagsauto sowie Langstreckenauto.

Britisch durch und durch

Was das Design betrifft, war das neue Einstiegsmodell der Marke sofort als Aston Martin zu erkennen: elegant und zurückhaltend, mit muskulösen Proportionen und einem luxuriösen Innenraum aus feinstem Leder und einer großen Detailverliebtheit. "Als jemand, der selbst einen Porsche aus derselben Ära besessen hat, kann ich sagen, dass dessen Verarbeitungsqualität zwar wie erwartet ausgezeichnet war, der Deutsche in Sachen Luxus aber nicht mit dem V8 Vantage mithalten kann. Der Innenraum war wunderschön gestaltet, das Armaturenbrett, die Instrumente, jedes Detail. In den kommenden Jahren werden wir auf dieses Interieur-Design zurückblicken und seine Schönheit bewundern", schwärmt Neal Garrard, kaufmännischer Leiter des britischen Aston-Martin-Spezialisten Nicholas Mee.

Sein großes Herz ist aber letzlich das, was denn V8 Vantage ausmacht. Bis zum Facelift 2008 war ein 4,3-Liter-V8 mit 385 PS die einzige Antriebsoption. Im Vergleich zu seinen Konkurrenten vom Kontinent galt er als leicht untermotorisiert, ein Eindruck, der auch durch sein vergleichsweise hohes Leergewicht von rund 1,6 Tonnen entstand. Doch trotz dieses Handicaps war der "Baby-Aston" bei weitem kein langsames Auto. Eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h und ein 0 auf 100 km/h-Sprint in fünf Sekunden waren vor zwanzig Jahren durchaus respektabel.

Mit dem 4,7-Liter-Herz wuchsen die Muskeln

Mit dem Wechsel vom 4,3- auf den 4,7-Liter-Motor drei Jahre nach der Einführung des V8 Vantage gewann der Antrieb deutlich an Punch. Die Leistung stieg auf 426 PS und das Drehmoment wuchs von 410 auf 470 Nm, während sich die Höchstgeschwindigkeit auf 290 km/h erhöhte. "Die zusätzlichen PS und das höhere Drehmoment des 4,7-Liter-Motors ab dem Modelljahr 2009 waren eine spürbare Verbesserung, ebenso wie das überarbeitete Fahrwerk, das den Fahrkomfort steigerte. Auch wenn sich der Charakter des Autos durch diese Verfeinerungen nicht grundlegend verändert hat, bot es damit definitiv ein besseres Fahrerlebnis", sagt Garrard.

Beide Motoren begeisterten Enthusiasten mit ihrem emotionalen und beinahe vulgären Klang, besonders oberhalb von 4.000 Umdrehungen. Die Achtzylinder-Aggregate haben jedoch zwei Gesichter: Wer behutsam mit dem Gaspedal umgeht, erlebt ausgezeichnete Manieren, ganz wie es das zurückhaltende und elegante Äußere verspricht. Die Triebwerke überzeugen zudem mit einem exzellenten Ansprechverhalten und einer gleichmäßigen Kraftentfaltung.

Das Beste sparte sich Aston für den Schluss auf

In der zweiten Hälfte seines Lebenszyklus brachte Aston Martin mehrere leistungsstärkere Versionen auf den Markt. Der V8 Vantage S war dabei noch vergleichsweise zivilisiert, sowohl wenn es um das Fahrerlebnis als auch um die Leistungsdaten ging. Die zehn zusätzlichen PS reichten aus, um die 300-km/h-Marke zu knacken. Deutlich radikaler wurde es mit dem Vantage GT8. Inspiriert von Aston Martins GTE-Langstreckenrennern und auf nur 150 Exemplare limitiert, ist er leicht an seinem feststehenden Heckflügel, den zahlreichen Leichtbau-Komponenten aus Carbon, einem markanten Diffusor sowie einer Frontpartie mit massiven Lufteinlässen und breiten Schürzen zu erkennen. Seine 446 PS verkürzten die Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h auf 4,5 Sekunden.

Der britische Hersteller bot seinen Kunden die Wahl zwischen zwei verschiedenen Getrieben: Zum einen war da die klassische Sechsgang-Handschaltung, die nicht nur der Favorit der Puristen war, sondern schlichtweg auch den besseren Job machte. Der Name "Sportshift" der anderen Option kann hingegen als irreführend bezeichnet werden. Bei ihr nehmen die Schaltvorgänge unangenehm viel Zeit in Anspruch. Bei einem komfortorientierten Gran Turismo mag das noch in Ordnung gehen, bei einem Sportwagen wie dem V8 Vantage verdarb es aber dann doch etwas den Spaß. "Käufer machen den Fehler, es für eine echte Automatik zu halten, obwohl es sich tatsächlich um ein automatisiertes Schaltgetriebe handelt. Genau dann, wenn es eigentlich am meisten auftrumpfen sollte, etwa im Stadtverkehr, bekleckert es sich nicht gerade mit Ruhm", betont der Experte.

Das Schaltgetriebe ist die bessere Wahl

Neal Garrard erklärt, dass das automatisierte Getriebe erst auf offener Straße so richtig aufblüht, unter den richtigen Bedingungen biete es tatsächlich viel Fahrspaß. Das 2011 eingeführte Sportshift II stelle seiner Meinung nach eine deutliche Verbesserung dar. Seine persönliche Meinung ist aber dennoch eindeutig: Am besten zur Geltung kommt der Charakter des V8 Vantage mit der Handschaltung.

Letzteres ist unter dem Strich auch deutlich zuverlässiger. Die Kupplung des Sportshift verschleißt recht schnell und erreicht oft nicht einmal die 50.000-Kilometer-Marke. Laut dem Spezialisten gibt es dafür jedoch eine Lösung: "Die Zweischeibenkupplung ist ein sehr lohnenswertes Upgrade und war, als ich zuletzt nachgeschaut habe, ironischerweise sogar günstiger als die Standardeinheit. Inklusive Einbau sollte man mit rund 4.000 Pfund Sterling rechnen, also umgerechnet etwa 4.600 Euro."

Beide Getriebe neigen zu Ölverlust, ebenso wie der Motor, der dieses Problem häufig im Bereich des Steuerkettendeckels an der Vorderseite des Blocks zeigt. Der V8 Vantage leidet zudem unter einigen kleineren Elektrikproblemen, die in den meisten Fällen aber nicht dramatisch sind. Frühe Exemplare fallen oft mit einem starken Bremsenverschleiß auf, was sich häufig anhand eines starken Quietschens äußert. Insgesamt ist Aston Martins damaliges Einstiegsmodell aber eher ein treuer Begleiter als eine temperamentvolle Diva.

Zuverlässig, wenn man sich für das richtige Auto entscheidet

Im Grunde ist der V8 Vantage laut Erfahrung des Spezialisten "im Großen und Ganzen nahezu unverwüstlich". Antriebsprobleme kämen sehr selten vor, weshalb sich Besitzer eher auf eine alters- und kilometerstandsbezogene Wartung konzentrieren sollten. Dank einer hervorragenden Ersatzteilversorgung, ein positiver Nebeneffekt der Ford-Eigentümerschaft zum Zeitpunkt der Entwicklung des Modells, kann die Instandhaltung des Autos überraschend erschwinglich sein. Für ein Fahrzeug mit vernünftiger Laufleistung hält Garrard ein jährliches Wartungsbudget von 2.000 bis 2.500 Pfund Sterling für realistisch, was zwischen 2.300 und rund 2.900 Euro entspricht.

Wer eine langfristige Liebesbeziehung mit seinem V8 Vantage anstrebt, sollte in dessen Erhalt investieren, schließlich sind frühe Exemplare inzwischen zwei Jahrzehnte alt. "Viele unserer Arbeiten an diesen Autos zielen heute auf eine Konservierung ab. Die hinteren Hilfsrahmen können je nach Standort und Lagerung korrodieren. Den Hilfsrahmen auszubauen, ihn Pulverbeschichten zu lassen und wieder einzubauen ist eine lohnende Investition, wenn man mit seinem V8 Vantage lange Spaß haben möchte", meint Neal Garrard von Nicholas Mee.

Ein guter Zeitpunkt zum Kaufen

Er stellt fest, dass die Preise für den V8 Vantage derzeit äußerst attraktiv sind. Dass so viel Leistung und Stil aktuell weniger kostet als ein nagelneues Hot Hatch sei, in seinen Worten, "verrückt". Wer ein gutes Exemplar findet und in die jährliche Wartung bei einem Markenspezialisten investiert, wird seiner Einschätzung nach kaum enttäuscht sein. Persönlich empfiehlt er, ein Budget von mindestens 40.000 Pfund Sterling einzuplanen, was etwa 46.000 Euro entspricht. Zwischen dem Coupé und dem Roadster gäbe es dabei keinen nennenswerten Preisunterschied.

Aus seiner Sicht ist der V8 Vantage aufgrund der vergleichsweise hohen Produktionszahlen eher ein Auto zum Fahren als eine Kapitalanlage. Mit über 21.000 zwischen 2005 und 2017 gebauten Exemplaren war er der meistgebaute Aston Martin aller Zeiten, bis er schließlich von dem Power-SUV DBX abgelöst wurde. Auch wenn in naher Zukunft kaum mit einem Wertverlust zu rechnen ist, zumindest bei Fahrzeugen, die alle wichtigen Kriterien erfüllen, erwartet er in den kommenden Jahren keine signifikanten Preissprünge. Bei dem selteneren, prestigeträchtigeren und leistungsstärkeren V12 Vantage sieht die Sache ganz anders aus. Wie Garrard es formuliert: "Der ist gerade heiß begehrt. Ich habe eine Liste mit über 15 Kunden, die nur darauf warten, dass wir das nächste Exemplar finden!"

Prodrive machte den V8 Vantage noch besser

Es gibt jedoch auch seltenere V8-Versionen, die durchaus das Potenzial zum Sammlerstück haben. In Neal Garrards Augen war der N430 eine ausgezeichnete Sonderedition, die wirklich gut ausgestattet war. Interessenten, die es noch exklusiver möchten, empfiehlt der Spezialist die Jagd nach einem SP10, den er als ebenfalls sehr begehrt hält. Und dann ist da noch der GT8, ein würdiger Abschluss für die V8-Vantage-Baureihe. Laut Garrard ist dieses Modell auf dem Markt derzeit sowohl unterschätzt als auch unterbewertet.

"Meine persönliche Wahl wäre letztlich ein Vantage V8 SP10, als Handschalter und mit den optionalen Leichtbau-Carbonsitzen", sagt Neal Garrard. Am verlockendsten sind seiner Ansicht nach aber die von Prodrive modifizierten Fahrzeuge. Die Tuning-Maßnahmen des Rennsport-Spezialisten, die eine Leistungssteigerung um 45 PS sowie eine nachgeschärfte Fahrwerksabstimmung umfassen, sind nicht nur selten zu finden, sondern stärken den Charakter des Sportwagens. Diese modifizierten Exemplare stellen seiner Meinung nach die Speerspitze der Baureihe dar und bieten dank der Motorsport-DNA einen Fahrspaß, der sie zu einem begehrten Sammlerstück und einem Klassiker der Zukunft macht.

Fotos: Nicholas Mee & Co Ltd

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