Die automobilen Ursprünge von Marc Newsons Orgone Chair

Die Formen, die Geschwindigkeit und die Symbolik der größten Nachkriegsautos haben schon immer die Arbeit des Industriedesigners Marc Newson beeinflusst. Wohl nirgendwo sonst wird das so deutlich wie beim Orgone Chair, der mit Hilfe eines Spezialbetriebs für Aston Martin-Restaurierungen entstand...

Der renommierte australische Industriedesigner Marc Newson lernte lange vor seinem Studium der Schmuck- und Silberschmiedekunst an der Hochschule der Künste in Sydney die Grundlagen der guten Form und guten Materialien. Denn schon als Kind sah der heute 56-Jährige mit offenem Mund staunend zu, wie sein Onkel unzählige Oldtimer in seiner Garage restaurierte. Als Teenager baute er dann schon seine eigenen Seifenkistenrenner. Über die Jahre erwarb sich Newson ein beneidenswertes Wissen über klassische italienische Nachkriegs-Sportwagen, die für ihre schnittigen und betörenden Karosserien bekannt waren. Von den Anfängen seiner Designerkarriere hat diese Faszination für das Auto seine Arbeit beeinflusst – sei es bei Möbeln, Innenräumen, Flugzeugen oder Industrieobjekten. 

Es gibt kein Objekt, bei dem dieser Einfluss so deutlich wird wie beim Orgone Chair aus dem Jahr 1993. Dessen fließende und organische Sanduhr-Form zitiert die per Hand von italienischen Karosseriebauern in Form gebrachten stromlinienförmigen Aluminium-Karossen. Newson verbrachte Jahre mit den Vorstudien für den Orgone Chair; er experimentierte und entwickelte Techniken mit Aluminium, ein anspruchsvolles Material, mit dem er zuvor in größerem Rahmen zu kämpfen hatte. Passenderweise geschah es dann während eines Besuches bei der auf Aston Martin Restaurierungen spezialisierten Firma Body Lines, dass er Aluminium-Spezialisten traf, die fachkundig genug waren, um ihm seinen Traum zu erfüllen: einen Aston DB4. Indem er mit ihnen arbeitete lernte er, Aluminium in jene spektakulär skulpturalen Formen zu hämmern und zu biegen, die Sie hier sehen. Für Newson war es der Stuhl, von dem er immer schon geträumt hatte. Zusätzlich zu einem Prototypen und zwei „Artist’s proofs“ produzierte er nur sechs Orgone Chairs, von denen dies hier das dritte Exemplar ist. Das Glanzstück wird von Philipps im Rahmen der Londoner Design-Auktion am 19. Juni versteigert; zu einem Schätzpreis von £200.000–300,000. Dieses kurze Video mit Philipps europäischem Designchef Domenico Raimondo präsentiert noch einige andere Highlights der Auktion und ist absolut sehenswert. 

Fotos: Phillips