Outlaws - Die so ganz anderen Porsche 356er von Emory Motorsports

Als Rod Emory und sein Vater in den späten achtziger Jahren damit anfingen, Porsche 356er zu modifizieren, war das fast ein Sakrileg, denn Klassiker sollten ursprünglich und auch Concours-tauglich sein. Heute, 150 Autos später, sind die Outlaws von einst Vorreiter einer Gegenbewegung.

„Ich baue zwei  Typen von Autos: die Outlaws und jene, die ich Emory Specials nenne,” sagt Rod Emory, Gründer von Emory Motorsports, das kalifornische Unternehmen, das diese anarchisch anmutenden Porsche 356er geschaffen hat.

Höchst unterschiedliche Typen

Ein typischer „Outlaw” wie das silberne Auto auf unseren Bildern besitzt einige subtile Veränderungen an der Karosserie, Zierelemente sowie optimierte Leistung. Ein „Emory Special” wie das schwarze Auto hat einen extremeren optischen Auftritt und deutlich mehr Leistung. Diese Spezialausführung wird nur einmal im Jahr oder maximal alle zwei Jahre gebaut.

Sowohl beim Aussehen wie auch bei der Leistungssteigerung bewirken die vielen kleinen Details den entscheidenden Unterschied. Beispielsweise wurden die B-Säulen des Special-Modells fein und sorgfältig nach hinten gedreht, um eine fließende Form zu erzeugen. Sehr geschmackvoll sind auch die vom Rallye-Sport inspirierten Lederauskleidungen im Innenraum sowie die Luftauslässe, die nicht nur an den 550 Spyder erinnern, sondern zugleich praktischerweise den Zugang zum Ölbehälter ermöglichen. Bei den Emorys ist jedes Teil durchdacht.

Evolution oder Revolution

„Ich nehme ein Serienmodell und versuche, das Design so zu entwickeln, dass man die Modifikationen nicht wahrnimmt,” erklärt Emory. „Man sieht zwar, dass es anders ist, aber nichts sticht zu stark hervor.” Die schlichten, von Hand gefertigten Lüftungslamellen auf der Motorhaube sind beispielhaft für den Emory Touch: sie sind statt nach außen nach innen aufgestellt, um ein ästhetisches und aerodynamisches Maximum herzustellen.

Emory hat sich der Marke verschrieben, weil unter anderem die Einzelteile von Modell zu Modell austauschbar sind. Damit können die Kunden ihre Lieblingskomponenten aus verschiedenen Typen auswählen, um am Ende einen wahrhaft maßgeschneiderten Porsche 356 zu bekommen.

Ein Traum-Porsche entsteht

„Ich liebe Porsche, weil sich das Unternehmen zusammen mit seinen Fahrzeugen über die Jahrzehnte stetig entwickelt, statt sich mit jedem Modell neu zu erfinden. Das bedeutet, dass ich als Experte für Exemplare der fünfziger und sechziger Jahre durchaus auch moderne Komponenten in den Umbau integrieren kann.”

Die historische Pendelachse ist ebenso verschwunden wie das Viergang-Getriebe, dafür werden jetzt beispielsweise technische Komponenten aus dem 911 eingebaut. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Motoren, wo die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt sind. Emory verrät, dass er gerade an einem 356-„Carrera 4”-Projekt arbeitet, dessen Frontdifferenzial aus dem 996 Turbo entlehnt wird. Auf diese Vermählung darf man gespannt sein. 

Wie fährt sich ein Emory?

Wie fährt sich denn ein Emory-356? „Sie verhalten sich nicht wie ein 911er mit kurzem Radstand, weil die Gewichtsverteilung hier kein Thema ist,” weiß Emory aus Erfahrung. „Sie sind sehr ausbalanciert und fahrbar, allerdings mit einem deutlichen Unterschied zum Serienmodell. Mich erinnert der Fahreindruck eher an einen sehr guten 911er, Baujahr 1972 oder 1973.”

Anders als andere Kinder wuchs Emory nicht mit Lego-Bausteinen auf, sondern mit einer Schachtel voller Porsche-Ersatzteile, denn sein Vater handelte damit. Inspiriert vom Großvater, der bereits in den vierziger Jahren als einer der ersten damit begonnen hatte, Karosserien zu veredeln, beschlossen Vater und Sohn ihre 356er zu individualisieren.

Längst kein Outlaw mehr

„In den späten achtziger Jahren fügten wir noch Nebelleuchten und Gurte für die Motorhaube hinzu und senkten auch noch das Fahrwerk ab. Das zu einer Zeit, als es ein Sakrileg war, an einem Porsche herum zu schneiden. Wir dachten aber anders und hatten auch keine Angst vor Eingriffen. Unsere Freunde kamen regelmäßig in der Werkstatt vorbei, um zu sehen, was wir treiben und nannten uns irgendwann Outlaws.”

Das Etikett für die beiden Rebellen blieb hängen. Ein Freund hat dann das Logo gestaltet, das den Adler der alten deutschen Fünf-Mark zeigt und seitdem auf jedem „Outlaw”, der die Werkstatt verlässt, zu sehen ist. Aber längst ist das Markenzeichen zum renommierten Wahrzeichen avanciert, denn immer mehr modifizierte 356er werden heute weltweit als Outlaws bezeichnet. Das Unternehmen hat sein Emblem sogar Umbauten von anderen überlassen, die Customizing im Geiste der Emorys betreiben.

Fahrspaß als Ziel

Letztlich wünscht sich Emory nur eines: diese Fahrzeuge wurden ursprünglich gebaut, um gefahren zu werden und nicht um auf dem feinen Rasen eines Concours zu parken oder in einer Garage zu verharren. „Meine Emory Specials sind für mich wie eine Evolution des 356, hätte sie Porsche weiter gebaut. Ich nehme wie sie das Basismodell als Grundlage und optimiere stilsicher das Styling und die Leistung für noch mehr Fahrvergnügen. Diese Autos verkörpern alles, was ich an Porsche so liebe.”

Fotos by Drew Phillips