Mercedes-Benz SL Pagode: Im Schatten des Flügeltürers

Die „Pagode“ von Mercedes-Benz ist kein Geheimtipp. Und doch wird sie mit ihrer sachlichen Form immer noch unterschätzt. Dabei zählt der 1963 bis 1971 gebaute Sportwagen zu den ganz großen Würfen von Daimler.

 

„Handsome!“ So würden die Briten den Mercedes-Benz der Baureihe W113 nennen. Kein Frage, die „Pagode“ sieht einfach attraktiv und dabei ernst zu nehmen aus. Ein echter Mercedes eben. Lange Haube, flache Schulterlinie, gut proportioniertes Heck. Dazu der typische SL-Grill in der Front mit großem Stern - eine Hommage an den Vorgänger 300 SL und stilbildendes SL-Merkmal. Aufrecht stehende Hauptscheinwerfer, aus welcher sich die klar begrenzte Gesamtform des Fahrzeugs entwickelt. Eindeutig: Designer Paul Bracq hatte ganze Arbeit geleistet. Das gesamte Auto wirkt mit jedem Jahr eleganter und zeitloser. Ein Fahrzeug, der Mode entflohen. Das sehen auch viele Liebhaber so. Und der Oldtimer-Markt: Perfekte Exemplare werden mittlerweile für rund 100.000 Euro angeboten.

 

Mercedes-Benz SL Pagode: Im Schatten des Flügeltürers
Mercedes-Benz SL Pagode: Im Schatten des Flügeltürers Mercedes-Benz SL Pagode: Im Schatten des Flügeltürers

Die Kehrseite: Sprüche, auf die Sie nichts geben sollten! „Eine Pagode kauft der, dem nichts anderes einfällt“, oder „Eine Pagode? Zu perfekt, daher langweilig“. Unsere Empfehlung: Geben Sie nichts darauf. Der Mythos der „perfect Pagoda“ kommt zwar nicht von ungefähr, jedoch ist das Auto alles andere als langweilig. Die Pagode ist ein zuverlässiger Begleiter, der im Alltag smart wirkt und mit tollem Fahrspaß belohnt.

 

Der Spitzname „Pagode“, rührt vom Hardtop her, welches nach innen leicht gewölbt ist und so an die typische Pagodendachform erinnert. Knapp 49.000 Fahrzeuge entstanden zwischen 1963 bis 1971. Es gab den SL nur mit Sechszylinder-Reihenmotoren, die sich in Hubraum und ergo in ihrer Leistung unterschieden. Der 230 SL gilt als solider Einstieg, der 250 SL als über viele Jahre verschmähtes Nischenmodell und der 280 SL als der SL der Wahl. Vor allen Dingen, wenn er mit Automatikgetriebe ausgestattet ist. Denn dies betont den insgesamt sehr ausgewogenen Charakter des Roadsters. Unser Fotofahrzeug ist so ein solcher Repräsentant - mit einer ausgesprochen geschmackvollen Farbkombination in Dunkel-Olive/Cognac.

 

Mercedes-Benz SL Pagode: Im Schatten des Flügeltürers
Mercedes-Benz SL Pagode: Im Schatten des Flügeltürers Mercedes-Benz SL Pagode: Im Schatten des Flügeltürers

Die SL Pagode wurde ab Werk als Zweisitzer mit solidem Faltverdeck ausgeliefert. Optional gab es einen quer eingebauten Rücksitz. Eine besondere Variante ist der 2+2-Sitzer mit Hardtop aber ohne großem Verdeck und Verdeckkasten. Dieses Modell erhielt eine durchgehende Rücksitzbank und die Bezeichnung „Sonderausführung ohne Roadsterverdeck mit vergrößertem Fond“. In wissenden Kreisen spricht man hier heute vom „California-Roadster“. Diese Fahrzeuge rangieren wertmäßig leicht unter den echten Zweisitzern; eine Umrüstung ist jedoch möglich.

 

Mercedes-Benz SL Pagode: Im Schatten des Flügeltürers

Erstmals kam mit dem SL der Baureihe W113 in einem Mercedes-Benz-Sportwagen der Sicherheitsgedanken zum Tragen. Steife Fahrgastzelle, Sicherheitslenksäule mit Pralltopf, Knautschzonen und solide Bodengruppe bilden das Rückgrat. Das Fahrwerk weist eine Eingelenk-Pendelachse auf - bei schneller Fahrweise im kurvigen Geläuf leicht gewöhnungsbedürftig. Erst gab es Scheibenbremsen nur vorne. Ab 1966 auch hinten. Rundum kamen Gasdruckstoßdämpfer und statt Radial-Pneus nun Gürtelreifen zur Verwendung. Bei den Motoren ist der 230 SL mit 150 PS bereits eine gute Wahl. Nur ein Jahr lang wurde der ebenfalls 150 PS starke 250 SL gebaut. Er wurde 1968 durch den 170 PS starken 280 SL ersetzt.

Man sollte sich beim Kauf also vergewissern, ob Motor und Fahrzeug schon immer zusammengehörten. Das Baukastenprinzip macht einen nachträglichen Tausch von Aggregaten möglich. Derzeit kehren viele SL-Pagoden aus den USA nach Europa zurück. Diese Autos müssen nicht schlecht sein, sollten jedoch karosserieseitig penibelst geprüft werden. Fazit: Echte Schnäppchen sind selten. Der teurere Wagen ist meist der bessere Kauf. Wie eine Vintage Rolex Submariner ist so ein Fahrzeug ein echtes Wertaufbewahrungsmittel – mit weiterem Potenzial nach oben.

 

Weiterführende Links

Den gesamten Fahrzeugbestand des Händlers E. Thiesen Berlin GmbH finden Sie im Classic Driver Marktplatz.

Zahlreiche weitere SL Pagoden stehen im Classic Driver Marktplatz zum Verkauf.

 

 

Fotos: DERDEHMEL (www.derdehmel.de)