La Vita è Bella: Im Ferrari 458 Spider nach Bellagio

Schon die alten Römer ritten im Sommer an den Comer See, um auf der Halbinsel von Bellagio ihren Urlaub zu verbringen. Wir haben die Tradition wieder aufleben lassen – und sind mit dem neuesten Ferrari Spider Richtung Süden gebraust.

 

Was sind schon zweitausend Jahre gegen die Ewige Anmut des Comer Sees? Schon Ende des ersten Jahrhunderts A.D. reiste Plinus der Jüngere, ein angesehener römischer Anwalt und Senator, in den Sommermonaten an den „Larius Lacus“, um unter Palmen und Zitronenbäumen zu spazieren, zu fischen und zu jagen. Das milde Klima und ein beeindruckendes Berg- und Seepanorama ist seitdem unverändert – hinzugekommen sind prachtvolle Villen und Hotels sowie einige der charmantesten, aber auch kurvigsten und schmalsten Straßen Norditaliens. Hier möchte man keinen großen Streitwagen manövrieren, sondern schnell, agil und am besten an der frischen Luft unterwegs sein. Ganz oben auf unserer Wunschliste: Der neue Ferrari 458 Spider – und ein Anruf in Maranello genügt, um unsere Flucht aus dem Schweizerischen Frühherbst perfekt zu machen.

 

La Vita è Bella: Im Ferrari 458 Spider nach BellagioLa Vita è Bella: Im Ferrari 458 Spider nach Bellagio

Tief wie in einem Norwegischen Fjord hängen die Wolken in den Bergen. Dazu regnet es aus den sprichwörtlichen Kübeln, die Wischerblätter können die Wassermassen kaum von der Scheibe schaufeln. Und auch die Belüftung kämpft nach Kräften gegen das Römische Dampfbad, das gerade im Cockpit entsteht. Eine frühsommerliche Ausfahrt im offenen Ferrari hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Aber sei’s drum – unser Aluminium-Klappdach ist bombendicht, das Manettino am Lenkrad auf „Wet“ gestellt und aus der Surround-Anlage dröhnt der passende Weltuntergangs-Soundtrack von Carl Orff. Dann das Licht am Ende des Sankt-Gotthard-Tunnels, den wir wegen verschneiter Passstraßen nehmen müssen, als Zeichen einer besseren Welt: Espresso in Melide Bissone, dann Dach auf, Fenster runter – und der Ferrari darf endlich Ferrari sein.

 

 


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Wir haben das Loblied auf den ultraschnellen und hochpräzisen Ferrari 458 Spider ja bereits ausführlich gesungen – doch in den schmalen Gassen und engen Serpentinen, die findige Straßenbauer in die steilen Hänge zwischen Bergwand und See gegraben haben, wirkt das 570-PS-Pferdchen noch ungestümer und kraftvoller als bei unseren letzten Fahrten. Fahrwerk auf Sport, Schaltung in den manuellen Modus und einige beschwichtigende Worte Richtung Beifahrer, dann steht dem ganz großen Kurvenraub nichts mehr im Weg. Fantastisch, wie leicht und absolut präzise man dem Spider die Sporen geben kann, um ihn im richtigen Moment wieder im Zaum zu halten. Mit dem ersten offenen Mittelmotor-V8 aus Maranello, dem 308 GTS aus den 1970ern, wäre man in diesen Kurven schon ziemlich ins Schwitzen gekommen. Heute übernehmen diesen Part die wackeren Radrennfahrer, die sich neben uns im Tross des Giro d’Italia die steilen Straßen hochkämpfen.

 

 

La Vita è Bella: Im Ferrari 458 Spider nach Bellagio
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Wer kurvenreiche Straßen für zwei oder vier Räder sucht, wird auf der Reise nach Bellagio etwa um das Bergdörfchen Erba fündig. Wir sparen uns die nächste Bergetappe für den kommenden Tag und nehmen ab Cadenabbia am Westufer des Comer Sees die Fähre, um auf die Halbinsel zu gelangen. Während sich die temporäre Bootsgemeinschaft um unser rotes „G’schoss“ versammelt, gönnen wir uns eine Atempause und Zeit, die Landschaft sacken zu lassen: Eigentlich sind die norditalienischen Seen keine liebliche Landschaft, sondern vielmehr ein dramatischer, aber auch etwas morbider, leicht klaustrophobischer Ort. Wenn der Himmel blau ist und die weißen Schaumkronen auf den Wellen um die Riva-Boote tanzen, ist die Grandezza zum greifen nah. Doch schon eine Stunde später kann sich der See in ein klammes „Regenloch“ verwandeln. Wahrscheinlich liegt gerade in dieser Unberechenbarkeit der Reiz.

 

 

La Vita è Bella: Im Ferrari 458 Spider nach Bellagio
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Im Grand Hotel Villa Serbelloni, einst bekannt als Hotel Bellagio, residierten einst Kaiser und Hollywoodstars. Während der Achtzylinder in der Auffahrt knistert, die Luft über dem Heck von der Hitze flimmert, nehmen wir auf der Terrasse den verdienten Apérol Spritz, lassen uns von den livrierten Kellnern über die Wetterprognosen informieren und suchen auf der Landkarte nach neuen Abenteuerserpentinen. Plinus der Jüngere hätte es sicher nicht anders gemacht.

 

 

Weiterführende Links

Zahlreiche klassische und moderne Ferrari finden Sie auch im Classic Driver Marktplatz.

 

 

Fotos: Jan Baedeker