Exklusiv – Wir flirten mit Tourings neuem Disco Volante Spyder

Nächste Woche zelebriert die Carrozzeria Touring auf dem Genfer Salon ihren 90. Geburtstag. Zur Feier des Jubiläums zeigen die Mailänder ihren neuen Disco Volante Spyder. Schon vor der offiziellen Weltpremiere erhielt Classic Driver exklusiv Zugang zum ersten Exemplar.

In stilistischer Hinsicht präsentiert sich das neue Modell als natürliche Evolution seines Coupé-Vorgängers von 2013, der wiederum seine Inspiration – und seinen Namen – von dem im Volksmund als „Disco Volante“ bekannten Alfa Romeo C52 von 1952 bezog. Für das erste offene Modell der jüngeren Firmengeschichte hat Touring zusammen mit Alfa Romeo-Ingenieuren eigens ein zweiteiliges Hardtop entwickelt. 

Anstatt die Stoffmütze des als Genspender fungierenden Alfa Romeo 8C Spider zu übernehmen, entschied sich Touring für zwei aus Kohlefaser gebackene Dachteile. Sie wiegen nur jeweils 3,5 Kilo und dienen als Brücke zwischen Windschutzscheibenrahmen und den ebenfalls unter Einsatz von Kohlefaserstrukturen gefertigten Überrollbügeln. Diese Lösung führt dank des verringerten Gewichts im oberen Teil des Fahrzeugs zunächst zu einem niedrigeren Massenschwerpunkt. Zweiter Vorteil: Die Dachschalen finden bei schönem Wetter zusammen mit einem maßgefertigten Koffer-Set im erstaunlich großen Kofferraum Platz. „Wir wollten den Genuss des Offenfahrens auf keinen Fall trüben“, betont Tourings belgischer Chefdesigner Louis de Fabribeckers. „Das Auto ist daher so gestaltet, als gäbe es überhaupt kein Dach.“ 

Trotz des Einsatzes moderner Space Age-Materialien bewahrte sich Touring seine zur Perfektion entwickelte Technik, die Aluminium-Bleche der Karosserie von Hand in Form zu dengeln. Um so eine im Automarkt von heute einzigartige Verbindung aus Klassik und Moderne zu erreichen. Eine weitere Verbeugung vor der stolzen Geschichte des Karosseriebauers ist die Bezeichnung „Spyder“ statt „Spider“. Auch andere italienische Carrozzieri der 1960er-Jahren benutzten diese Schreibweise, weil sie auf englischsprachige Kunden vermeintlich exotischer wirkte. Nach dem Auftritt in Genf geht die fliegende Untertasse an einen Kunden, der in seiner Garage neben anderen Preziosen auch Gianni Agnellis ehemaligen Ferrari 166 MM mit Touring-Karosserie geparkt hat. Der Mann hat ganz offensichtlich Geschmack, wie auch die Farbauswahl für seinen Spyder beweist: Lack im himmelblauen Ton „Blu Ceruleo“ mit einem Connolly-Lederinterieur in beige und schwarz. 

Touring benötigte sechs Monate, um aus dem Organspender 8C Spider in überwiegender Handarbeit die ersten offene Disco Volante zu bauen. Nur sieben Stück sollen entstehen, mehr als die Hälfte sind sehr zur Freude von CEO Piero Mancardi schon verkauft. „Der Disco Volante Spyder steht sinnbildlich für jene Haute Couture-Philosophie, die Touring in den letzten Jahren den Status eines respektierten Players im Luxuswagensegment eingebracht hat. Wir sind Alfa Romeo für die Unterstützung bei diesem Projekt sehr dankbar. Kunden und Zulieferer vertrauen uns, und wir sehen zuversichtlich in die Zukunft." 

Wenn die Qualität des jüngsten Babys der Mailänder der Maßstab für kommende Projekte ist, stimmen wir ihm da vorbehaltlos zu – wohl selten wird ein 90. Geburtstag in solch vorwärtsschauender Stimmung gefeiert wie jener der Carrozzeria Touring auf dem Genfer Salon 2016.

Nachdem Sie diesen Beitrag gelesen haben, verspüren Sie vielleicht Lust, im Classic Driver Markt nach verschiedenen Modellen des als Organspender für den neuen Disco Volante Spyder genutzten Alfa Romeo 8C zu suchen.

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