Classic Concepts: 1966 Alfa Romeo Scarabeo by OSI

Und wenn dieser Alfa Romeo in Serie gegangen wäre? Ist er aber nicht. Dennoch war der Alfa Romeo Scarabeo wegweisend: unter anderem für den legendären Tipo 33 Rennwagen von Alfa. In unserer Classic Concepts Rubrik erklären wir die Hintergründe.

Parallelität der Ereignisse: Das Projekt Scarabeo wurde Mitte der 1960er Jahre vorgestellt, als Alfa Romeo auch an einem Rennfahrzeug arbeitete, um in die großen Rennserien zurück zu kehren, nachdem sich die Mailänder 1953 aus dem Geschehen zurückgezogen hatten. Aufgrund einigen erfreulichen Cash Flows, welche die Giulietta Modelle in die Kasse spülten, konnte Alfa sich diese Projekte und Vorhaben leisten. Und man knüpfte unmittelbar an den Tipo 160 Grand Prix Prototype aus dem Jahr 1954 an.

Der Rennprototyp sattelte auf einem Chassis in H-Form auf. Drei dieser Chassis wurden – neben passendem Giulia GTA Motor – zu OSI nach Turin gesandt, ein Tochterunternehmen von Ghia. Jedem Chassis wurde eine andere Karosserie geschneidert – jeweils auch mit anderen Sitzpositionen. Eines der Prinzipien des Scarabeos lautete, den Fahrer so weit wie möglich nach hinten im Fahrzeug zu positionieren. Diese Idee stammte von Consalvo Sanesi, einem ehemaligen Werksfahrer aus den 1950er Jahren. Das Ergebnis sollte eine optimale Sitzposition sein, welche zur besseren Beherrschung des Fahrzeug beitragen sollte.

Classic Concepts: 1966 Alfa Romeo Scarabeo by OSI
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Der Scarabeo mit der am weitesten nach hinten verlegten Sitzanlage war das silberne Coupé, das 1966 auf der Pariser Autoshow debütierte. Man beachte hier die unterschiedliche Karosserieausführung gegenüber dem gelben Fahrzeug. Ein drittes Auto, eine Spider Version, wurde als reiner Testwagen entwickelt, der sich nah am späteren Renn-Prototypen anlehnte. Seine Karosseriearbeiten wurden allerdings nie zu Ende geführt. Das silberne Exemplar wurde interessanterweise als rechtsgelenktes Coupé hergestellt. Grund hierfür war die Vergaseranordnung im Heck des Fahrzeugs. Tatsächlich waren die Vergaser eng hinter dem Beifahrersitz montiert. Lediglich eine dünne Plexiglasscheibe sollte die Taubheit des Passagiers verhindern.

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Die Konstrukteure wählten für das Chassis-Design einen neuartigen Weg. Die H-förmige Struktur wurde aus großvolumigen Röhren gefertigt, welche gleichzeitig als Tank fungierten. Dadurch wurde der Kraftstoff und das damit einhergehende Gewicht gleichmäßig im Fahrzeug verteilt. Dieses Konzept wurde später auch im Tipo 33 angewandt. Genauso setzte man die Experimente mit Materialien wie Magnesium fort. Weitere bemerkenswerte Merkmale beinhalten eine Kupplung nebst Getriebe, die in den Motorblock integriert waren. Auch das Haupt-Differential wurde integriert. Die hinteren Bremsscheiben wurden ähnlich dem Jaguar E-Type nicht außen an den Rädern, sondern in der Fahrzeugmitte montiert. Das reduzierte die bewegten Massen an der Peripherie des Alfa Romeo.

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Obwohl die konstruktiven Ideen des Scarabeo so innovativ waren, dass sie im legendären Tipo 33 zum Einsatz kamen, schienen sie dennoch nicht gut genug oder aber zu aufwendig, um sie weiter für eine etwaige Serienproduktion zu entwickeln. So sah es der ursprünglich sehr optimistisch gefasste Plan vor. Von den drei gebauten Scarabeos blieben zwei in der Collezione Storica, der historischen Sammlung von Alfa Romeo. Der silberne Scarabeo indes entkam. Es wird vermutet, dass er sich in einer kanadischen Privatsammlung aufhält.

Klassische Alfa Romeo finden Sie im Classic Driver Marktplatz.

Fotos: © Alfa Romeo Automobilismo Storico, Centro Documentazione (Arese, Milano)