Bonhams Paris Auktion verwandelt das Grand Palais in ein Theater der Träume

In den letzten fünf Jahren hat sich die Bonhams Sale im atemberaubenden Grand Palais zu einem Highlight der Pariser Klassikwoche entwickelt. Wir werfen einen genaueren Blick auf die fünfte Auflage der „Les Grandes Marques du Monde“-Versteigerung....

Als Appetizer hatten wir bereits eine Auswahl an Motorrädern präsentiert – nun ist es Zeit, das Hauptmenü zu kosten. Mangels echter „Halo cars“ ein blauer „torque tube“ Ferrari 275 GTB Berlinetta (Schätzpreis €2,5-3,5 Millionen) von 1966 und ein Mercedes-Benz CLK-GTR Baujahr 2000 die größten Erlöse. Beim für €800.000-1,2 Millionen vorgewetteten Daimler handelt es sich um eines von 25 Exemplaren mit Straßenzulassung, die AMG zwecks Homologation des Modells in die GT1-Klasse auf Kiel legte. 

Groß die Zahl von extrem begehrten klassischen Alfa Romeos: Neben dem in den vergangenen Jahren in Pebble Beach sowohl im Zustand vor und nach seiner Restaurierung gezeigten 6C 2300 B von 1937 (€700.000-1,1 Millionen) stehen zwei Sprint Zagato mit Coda Ronda und Coda Tronca (Rund- und Kammheck) für €450.000-650.000 respektive €600.000-800.000 zur Offerte. Es wird interessant sein zu sehen, ob sie alle zu ihrem wahren Wert entsprechenden Ergebnissen unter den Hammer kommen. Schön sind sie alle, vor allem, wenn sie vom seltenen Alfa „Autotutto“ Romeo 2 Minibus (€60.000-90.000) zum Rennmeeting gezogen werden.

Wer einen originellen Franzosen kaufen oder verkaufen will, findet im Katalog von Bonhams eine reiche Auswahl. Zu nennen sind der Citroën 2CV Sahara 4x4 (€85.000-125.000) und der 1967 von Henri Chapron für den Pariser Salon gebaute Citroën DS Le Caddy – zusammen mit dazu passendem Kofferset für €250.000 – 300.000 im Angebot. Wir mögen auch den Citroën Visa 1000 Pistes – für €20.000-30.000 eine selten günstige Gelegenheit, an ein Gruppe B-Rallyeauto zu kommen.

Doch unser erklärter Favorit unter den gallischen Attraktionen ist der 61er Facel Vega HK500 (€140.000-180.000). Dieses Exemplar verbrachte den Großteil seines Autolebens im Besitz von Bill Murray - nein, nicht der Hollywood-Star, sondern ein Namensvetter, der als Pilot der American Airlines gut betuchte Reisende zwischen Paris und den USA hin- und herflog. 1965 erwarb er die mit platten Reifen auf einem Parkplatz abgestellte Schönheit als „herrenloses Gut“ und verfrachtete sie zur Beautykur nach Kalifornien – wo der Facel Vega dann bis zum letzten Jahr blieb. Das Modell scheint in einwandfreiem Zustand, und seine franko-amerikanische Vergangenheit verleiht ihm zusätzlichen Charme. 

Auch eine Anzahl von Maserati fallen ins Auge – nicht nur wegen ihrer schrillen Farben. Das für €260.000-300.000 offerierte 3500 GTI Coupé von 1962 gehörte einmal dem Frontman der bekannten Sechzigerjahre-Rockgruppe J. Geils Band. Ein 4,7-Liter-Bora mit schön gealtertem Interieur (€260.000-300.000) und eine SS-Version des Ghibli mit Handschalter und Rot/Beigem-Farbmuster (€300.000-350.000) sind ebenfalls nicht zu verachten. Modelle der Dreizack-Marke haben im Windschatten des Ferrari-Hypes in den letzten Jahren an Wert gewonnen – und es gibt keine Anzeichen für eine baldige Flaute. 

Sogar neue Höchstpreise könnten einige der von Bonhams ausgesuchten Ferrari erzielen. Das Potenzial dazu haben ein 2005er 575 Superamerica (€300.000-400.000) und eine 2002er 550 Barchetta Pininfarina (€450.000-550.000) – letzteres Modell ist nur 395 Kilometer alt und besticht durch eine seltene Farbkombination aus Zeltweg Grün über hellbraune Leder. Es muss sich messen am bisherigen Rekord von 670.000 Euro – bezahlt 2015 bei einer Auktion von Gooding für einen 550 Barchetta mit nur 250 Kilometer Laufleistung.

Ginge es darum, für eine Weinprobe im Süden am Tag nach der Auktion das stilgerechte Fahrzeug zu finden, würden wir uns für die schöne Barchetta aus Maranello oder das Aston Martin Volante V8 Cabrio von 1984 in den Farben Weiß/Chocolate (€150.000-180.000) entscheiden....

Fotos: Bonhams