Die Highlights der Rétromobile 2016 in Paris

Bei der 41. Ausgabe der grandiosen Rétromobile auf dem Pariser Messegelände an der Porte de Versailles war Classic Driver unermüdlich im Einsatz. Hier sind die Highlights der großen französischen Klassiker-Ausstellung.

Wenn die Rétromobile in Paris ihre Pforten öffnet, dann markiert sie im Kalender den Auftakt zum jährlichen Reigen der Klassikerveranstaltungen. Wo sonst könnte man an einem Ort Panzer aus dem Ersten Weltkrieg entdecken, automobiles Allerlei, bescheidene Auto-Clubs und millionenschwere Klassiker? Sicher, die Rétromobile hat ein paar Falten bekommen, die Auswahl der französischen Organisatoren erscheint liebenswert erratisch, aber wie die Anwesenheit der vielen Händler und hochkarätigen Sammler belegt, ist Paris mehr denn je ein Must.

Wie gewohnt, gab es eine Reihe von thematischen Ausstellungen wie jene, welche die 60 Jahre währende Karriere von Philippe Charbonneaux feierte. Hier haben wir auch das bemerkenswerteste Fahrzeug der Schau entdeckt: den außergewöhnlichen Pathé-Marconi-Bus, dessen modernistisches Design sich geradezu ideal als Classic Driver-Office eignen würde. Woanders war eine große Wand mit Vergrößerungen der wunderbaren Fotografien des Jacques Henri Lartigue versehen, die sehr persönliche Porträts von Motorsport-Heroen wie Steve McQueen und Jackie Stewart zeigten. Kunst war auch das Thema auf vielen Ständen, die Bilder, Drucke und Skulpturen im Angebot hatten, unter anderem Unique & Limited mit einem neuen Druck, der dem Bugatti Type 35 bei der Targa Florio gewidmet ist.

Und was für ein Kontrast: Im Vergleich zu den groß dimensionierten Sportwagen von heute wirkt der Pininfarina-Prototyp des Ferrari „Dino” Berlinetta Speciale, den das Le Mans-Museum des Automobile Club de l'Ouest ausgeliehen hatte, geradezu zierlich in seinen Proportionen. Es bildete zusammen mit anderen Museums-Exponaten die Hommage an das 110-jährige Bestehen dieser bedeutenden französischen Vereinigung. Das Museum an der Rennstrecke von Le Mans ist übrigens ausgesprochen sehenswert und einen Besuch während des Rennens an der Sarthe oder bei der diesjährigen "Classic" wert.

Mittlerweile haben auch immer mehr Hersteller die Bedeutung des Klassiker-Business für sich entdeckt und inszenieren ihre Modelle auf der Rétromobile mit sehr viel mehr Show, als noch vor einigen Jahren. Um 110 Jahre Motorsport zu würdigen, hatte Renault 17 bedeutende Fahrzeuge seiner Historie mitgebracht. Unser Liebling war ein kastenförmiger 21 Turbo aus den späten achtziger Jahren. Citroën hatte sowohl die alte wie die neue Version der Méhari im Gepäck. Wir beobachteten den außergewöhnlichen Sammler Peter Mullin, als er dieses Beach Car extraordinaire studierte - ein weiteres Indiz seiner Passion für französische Autos.

Stilbewußt beging Touring das 90-jährige Jubiläum mit der Präsentation von zwei meisterlichen Restaurierungen - dem Maserati A6G als One-off mit Frua-Karosserie und dem Ferrari 275 GTS, der einst Filmstar Raquel Welch gehört hatte. Miss Welch und ihr Ferrari sind gute Bekannte von Classic Driver, den sie waren die unbestrittenen Stars eines unserer erfolgreichsten Snapshots. Mercedes-Benz, Porsche, Maserati und Bugattis Düsseldorf-Vertretung beehrten ebenfalls die Messe in Paris. Am Stand von Bugatti konnten wir Etienne Salomés atemberaubende Skulptur eines Typ 57SC Atlantic endlich selbst in Augenschein nehmen. 

Wenig Wunder, dass ein unverkennbarer Hauch von Grande Nation diesen Event im Parc des Expositons umwehte. Welche Farbe passt am Besten zur großen gallischen Automobilhistorie? Blau, natürlich. Wir haben uns hoffnungslos in den tiefen, metallisch blauen Ton des Ferrari 275 GTB/2 von Méchaniques Modernes et Classiques verliebt, der noch dazu eine Tricolore besitzt, die sich wie ein Rückgrat über den Sportwagen zieht. Mit diesem Ferrari möchte man die Champs-Élysées entlang fahren, allerdings bräuchte man für den tückischen Kreisverkehr um den Arc de Triomphe eine Polizei-Eskorte. Nicht zu vergessen der brachiale Alpine A310 der Gruppe 4. Er hat Aufkleber von Gitanes und trägt den Namen von Jean Ragnotti an der Seite. Wenn das nicht ein Fall von französischer Coolness ist...

Und auch die Ohren wurden in Paris belohnt: Als Duncan Pittaway das „Biest von Turin” anließ, hatte man den Eindruck, dass das archaische Gebrüll die gesamte Messe zum Erliegen brachte. In keinem anderen zivilisierten Land hätte dieses feuerspeiende und sich schüttelnde Monstrum wohl die feuerpolizeiliche Genehmigung bekommen. Und so wurde der 28-Liter-Fiat im Beisein einer großen, dicht stehenden Menge entfesselt. Zu den besonderen Erinnerungen des letztjährigen Goodwood Festival of Speed zählt die Verfolgungsjagd des monströsen Fiats, der dicht hinter einem arg rutschenden Darracq V8 von 1905 klebte. 

Wie jedes Jahr bei der Rétromobile so war auch diesmal Lukas Hünis Stand einfach einmalig. Man könnte über jedes seiner Exponate, wie beispielsweise über den ehemaligen Bugatti-Werkswagen Typ 59 und den nicht minder faszinierenden schimmernd weißen Jaguar XK-SS, ausführlich schreiben. Wir waren besonders beeindruckt von dem majestätischen Mercedes-Benz 680 S von 1928, dessen mondäne Art Deco-Karosserie von dem Pariser Meister Saoutchik geschaffen worden war. Ähnlich glamourös war die Gruppe von ausgezeichnet restaurierten Mercedes-Benz-Flügeltürern von HK Engineering. Zwei von ihnen haben übrigens eine direkte Verbindung zu David Duncan Douglas, dem Vater des modernen Fotojournalismus, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert.

Die Gallery Brummen zeigte eine Auswahl an Klassikern, die zugleich die Vielfalt des Bestandes unterstrich. Dazu zählte ein Maserati Bora der ersten Serie sowie ein höchst origineller Ferrari 246 GT mit Matching numbers in einem ungewöhnlichen aber kleidsamen Orange. Thiesen hatte unter anderem einen Bentley Blower von 1930 dabei und Serge Heitz besaß unserer Meinung nach mit einer Sammlung Porsches den schönsten Stand. Als wir ihn besuchten, hatte er den düsteren schwarzen 356 Speedster fast verkauft und der sehr begehrenswerte silberne 911 s von 1966 schien auch schon einen Interessenten gefunden zu haben. FA Automobile präsentierte ebenfalls einen 911 S, dessen Cord-Interieur und wundervolle Patina uns sehr gefiel genauso wie die Carrera RS in Ampelfarben, die wir letztes Wochenende vorgestellt haben.

Ein Lancia 037 im Camel-Outfit buhlte auf dem Stand von The Ascott Collection um die Gunst des Publikums - ebenso wie der kostbare Duckhams LM von 1972, den Gordon Murray für Alain de Cadenet entworfen hatte. Gerade dieses Murray-Auto ist ein Liebling von de Cadenet, wie wir in unserem unterhaltsamen Interview mit ihm im letzten Jahr feststellen konnten. Classic Sport Leicht, Jean Lain Vintage, De Widehem Automobiles, Eleven Cars, Monaco Legend Motors und Movendi waren auf der Rétromobile ebenfalls bestens vertreten und unterstrichen einmal mehr die Bandbreite unseres Classic Driver Markts.

Auch die britischen Händler bewiesen bei der Rétromobile durchweg die hohe Qualität ihrer Angebote. Die Sneak Preview von Fiskens beeindruckende Sammlung, den man uns vorab gewährt hatte, war nur ein Vorgeschmack auf den prachtvollen Messestand, bei dem alle 14 Autos jeweils auf Sockeln präsentiert wurden. Der Alfa Romeo 6C mit Coupé-Karosserie, eines von nur zwei gebauten Exemplaren, ließ alle begeistert nach Atem ringen. Hätten wir ein Auto glatt vom Stand wegfahren beziehungsweise in den Hänger laden können, dann wäre es jedoch der Montjuich Ferrari 512 M mit Scuderia-Historie gewesen. Der Rennwagen befindet sich erstaunlicherweise im ursprünglichen Zustand und brachte die goldene Motorsport-Ära wieder zum leuchten. Da der Ferrari fraglos zum Goodwood Members' Meeting und zur Le Mans Classic zugelassen wäre, dürfte das Sammlerinteresse entsprechend hoch gewesen sein.

Aber Fiskens konnte das Rampenlicht an der Porte de Versailles nicht ausschließlich auf sich ziehen. Denn auch Nachbar JD Classics breitete makellos vorbereitete Straßen- und Rennklassiker vor dem Publikum aus. Wenn die schiere Brutalität des giftigen Ferrari F40 LM nicht verlockend genug war, dann gab es noch als Alternative noch den schönen Aston Martin DB4 Series III von 1961. Ursprünglich als Vorführ- und Testwagen für die Presse im Einsatz, könnte man sich gut einmal selbst vorstellen, diesen Sommer dessen ersten Ausflügen durch London nachzuspüren.

Als Dritter im Bunde dieser besonderen Händler hatte William I'Anson unter den vier Fahrzeugen, die er für Paris im Gepäck hatte, einen der historisch bedeutsamsten Porsches dabei: den 911 Carrera 2.8 RSR, der 1971 die Sebring 12 Hours gewonnen hatte. Und einen Ferrari 308 GTB Michelotto Gruppe B, der ebenfalls zu einer Zeitreise einlud.

Paris ist wirklich der ideale Ort, um eine Klassiker-Messe von dieser Güte abzuhalten. Es lag etwas Besonderes in der Luft, als die großen Auktionshäuser, die besten europäischen Händler und die bedeutendsten internationalen Sammler für ein paar Tage in der Stadt Station machten. Ein Hauch von Frühling nach der langen Winterpause. Die Sorge, dass sich das Wachstum im Segment der auktionstauglichen Sammlerautos verlangsamen könnte, war an den Ständen nicht zu spüren. Die Mehrheit der Händler sagte uns, dass sie sehr optimistisch seien und auch während der ruhigen Weihnachtstage gute Verkäufe abgeschlossen hatten. Was für jeden augenscheinlich war: Die Leidenschaft für klassische Fahrzeuge lebt! 

Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2016

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