Auf der Suche nach dem perfekten Porsche 911 mit Paul Stephens

Mit seiner lebenslangen Leidenschaft für Automobile ist Paul Stephens inzwischen zu einem der führenden Porsche-Spezialisten gereift. Wir haben ihn besucht, um den jüngsten Restomod-911 von AutoArt zu bewundern und zu erfahren, warum ihn Porsche so bewegt.

Wenig Menschen können von sich behaupten, dass sie im zarten Alter von neun Jahren am Steuer eines Porsche 911 160 Stundenkilometer schnell waren. Paul Stephens kann das. Aber in dem alter war er bereits ein versierter Autofahrer, denn er lernte mit sechs Jahren auf der elterlichen Farm mit einem Land Rover Autofahren - vielleicht kommt es nicht wirklich überraschend, dass er ein Jahr später bereits seinen ersten Unfall erlebte.

„Es gab da einen örtlichen Autoclub, der regelmäßig Autocross und Sprints auf einem ehemaligen Flugfeld organisierte”, erinnert er sich. „Weil diese Events außerhalb der Clubregeln der RAC abgehalten wurden, konnte ich schon ab acht Jahren Rennen fahren.” Obwohl er die Anfänge seiner Rennkarriere - mit beachtlichem Erfolg - bereits in klassischen Minis und Ford Escorts bestritten hatte, was es diese ganz spezielle Fahrt in diesem Porsche 911, die einen prägenden Eindruck hinterließ. So sehr sogar, dass er sich das Ziel setzte, mit spätestens 21 Jahren selbst diesen Sportwagen zu besitzen. Und so war es dann auch.

Aus dieser Vorgeschichte konnte sich nur zwangsläufig eine Karriere entwickeln, die dieser berühmten Marke gewidmet war. Stephens gründete seine gleichnamige Firma 1994 auf dem Gelände des elterlichen Hofes, ehe er dann 2009 nach Mapelstead in der Grafschaft Essex übersiedelte. Ursprünglich hatte er sich auf den Verkauf britischer Sportwagen spezialisiert, aber bald war klar, dass die Porsche 911 die weitere Richtung vorgeben würden. Aber erst im Jahr 2002 kam Stephens die wirkliche zündende Idee. „Wir hatten schon ein paar Carrera 2.7 RS- rückwirkende Umbauten mit 3.2- und RS-Exemplaren gemacht - das stellte sich die Frage, warum nicht auch etwas Ähnliches mit dem 964 wagen?”

„Damals kosteten diese zwischen 8.000 - 10.000 Pfund und man musste noch mal 10.000 Pfund investieren, um sie fahrbereit zu machen. Es hat sich wirtschaftlich nicht gelohnt, weil sie niemand wollte! Dann haben wir überlegt, ob wir den 964 nicht Richtung Retro gestalten sollten, denn Menschen verehrten zwar die klassischen 911er, wollte sie aber weder selbst haben noch fahren.” So schlug die Geburtsstunde seiner Firma „AutoArt”, die darin spezialisiert war, spätere, luftgekühlte Porsche 911 so umzubauen, dass sie zeitlose Retro-Ästhetik mit modernem Leistungsanspruch und Ausstattungsniveau verbanden.

Anders als heute, wo sich luftgekühlte Restomod-Porsche 911 zu einem globalen Phänomen ausgewachsen haben, war dieses Konzept und seine kommerzielle Umsetzung für die frühen neunziger Jahre sehr innovativ. Und es steckten Herausforderungen in dieser Geschäftsidee. „Man hat mir immer wieder klar machen wollen, das man das nicht mit einem 964 machen könnte, weil kein altes Teil hineinpassen würde. Aber ich bin gut mit den Gründern von Ginetta befreundet, die ihre eigenen Autos von Grund auf konstruieren. Die sehen die Dinge anders und fragten, weshalb wir die Karosserieteile nicht einfach selbst fertigen? Genau das haben wir dann in die Tat umgesetzt.”

Von Anfang an scheute sich Stephens vor der Verbindung seiner Schöpfungen mit einer Marke - so entstand der Firmenname AutoArt. „Gleich von Anbeginn haben wir ausgeprägte Modelle mit einem Spektrum gebaut, das Menschen ansprechen würde. Dieses blaue Auto, beispielsweise, ist als 300R gekennzeichnet - die Zahl 300 steht für PS, „R” bedeutet Retro. Ich wollte nicht, dass sie wie Repliken wirken. Natürlich gibt es Merkmale des 2.7 RS, aber die Idee bestand darin, diesen mit der Leistung des 993 RS und dem Handling eines 964 RS zu kombinieren.” Heute zählt zur „Series II”-Reihe der Touring, Classic Touring und der Clubsport. Nur eine Handvoll der Restomods verlässt AutoArt jedes Jahr.

Betrachtet man den 300R, der zugleich einer von Stephens allerersten AutoArt-Prototypen ist, und sieht daneben den Series II-Touring, dann sieht man ehrlicherweise auch, dass die Qualität sich rasant mitentwickelt hat. Der Touring ist nicht nur ein bestechendes Fahrzeug, er verfügt auch über einen einzigartigen Charakter - allein die maßgefertigten Karosserieteile fügen sich mit perfekten Spaltmaßen wunderbar zusammen. Die außergewöhnlichen Räder im Fuchs-Stil werden geradezu von den markanten Kotflügeln inszeniert und lenken das Auge auf den Gesamteindruck des Automobils. Im Innenraum wurden die Plastikschalter durch detailgenaue und in Großbritannien hergestellte Aluminiumelemente ersetzt. Genau genommen, findet 99 Prozent der Produktion der AutoArt-Fahrzeuge in der Firma oder mit lokalen Spezialisten statt. Dadurch erhält dieser urdeutsche Sportwagen ein unverkennbar britisches Flair.

Weil er selbst fast sein ganzes Leben auf der Straße und auf Rennstrecken am Steuer so vieler Porsche 911 saß, besitzt Stephens ein nahezu intuitives Verständnis des Verhaltens. Er weiß ganz genau, wie seine Kreationen beschaffen sein müssen, um das Potenzial einzulösen, wofür sie einst gebaut wurden. „Unser Motto ist, dass weniger mehr ist - früher fuhr ich Rennen mit Leichtbau-Caterhams und -Ginettas und weiß deswegen, wie effektiv sie im Handling waren. Unser erster Schritt beim Umbau ist die Frage, wo man Gewicht einsparen kann.”

Diese Automobile eignen sich aber nur für die Rennstrecke. Alltagstauglichkeit spielt bei der Umsetzung der Konzepte eine wesentliche Rolle. „Bezogen auf die Balance zwischen Track und Straße mussten wir immer kluge Entscheidungen treffen - schließlich wollten wir ein Auto schaffen, mit dem man zum Rennkurs fahren kann, nicht anders herum.” Selbstverständlich findet die Sorgfalt mit der das Exterieur geformt wurde, ihren Widerhall unter der aufregenden Oberfläche.

Paul Stephens Paradestück muss der neue Classic Touring sein - hier erreicht das AutoArt-Konzept einen völlig neuen Anspruch. Auf den ersten Blick sieht dieser Porsche wie ein klassischer 911 mit Concours-Ambitionen aus. Das ist der Eindruck, den Stephens erzielen wollte. Kaum zu glauben, dass dieses Modell sein Leben als 3.2 Carrera begann. Studiert man ihn genauer, entdeckt man schnell, dass jedes, aber auch jedes Detail modifiziert worden ist. „Mit diesem Auto haben wir originalgetreu einen 911 S reproduziert, aber wir haben die Details optimiert. Hinter diesem Retroglas befinden sich moderne Scheinwerfer, die Fugen der Motorhaube sind makellos, und alles, was aus Vinyl war, haben wir mit Leder ausgestattet, alles aus Kunststoff wurde durch speziell gearbeitetes Aluminium ersetzt.”

Das Resultat dieser Kür ist ein Fahrzeug, das Porsche-Enthusiasten sehr vertraut erscheint, aber in Wirklichkeit etwas völlig anderes darstellt. Diese „verborgenen Genüsse”, wie Stephens sie getauft hat, sorgen für ein alertes, sinnlich überzeugendes Fahrerlebnis. Und eine Reihe moderner Annehmlichkeiten haben ebenfalls ihren Platz gefunden wie zum Beispiel eine Halterung für das Mobiltelefon im Heizelement auf der Armaturentafel. „Mit dem Classic Touring bekommen Sie das Gefühl, in einem klassischen 911 unterwegs zu sein, gleichzeitig können Sie sich darauf verlassen, dass dieses Auto jedes Mal anspringt und Sie sorgenfreie und lange Autotrips unternehmen können.” Übrigens restauriert Stephens mit derselben Detailversessenheit auch auf ganz klassische Art.

Während wir uns in die verschiedenen Facetten der AuotArt-Fahrzeuge versenken, die sich gerade in den unterschiedlichen Stadien des Aufbaus befinden - unter anderem eine neue Sonderedition des Le Mans Classic Clubsport -, könnte man leicht die fantastische Porsche-Sammlung übersehen, die Stephens zum Verkauf anbietet. Bei einem Spaziergang durch den Showroom, beeindruckt Stephens enzyklopädisches Wissen über diese Modelle. Dieser Mann lebt und atmet Porsche. Unser Dank gilt dem großzügigen Mann, der dem neunjährigen Stephen lässig die Schlüssel zu seinem 911 in die Hand drückte.

Fotos: Alex Lawrence für Classic Driver © 2018

Sie finden Paul Stephens kompletten bestand zum Verkauf im Classic Driver Markt.